Was bedeutet die Apotheken Reform für uns

Bildquelle: Monika Skolimowska/dpa

Aktuelle Stunde 22.05.2026 29 Min. 5 Sek. UT Verfügbar bis 22.05.2028 WDR Von Claudia Beucker

Bundestag beschließt Apothekenreform Mehr Service für Patienten

Stand:

Keine weiten Wege zur nächsten Apotheke - das ist das Ziel von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Und neue Angebote in den Apotheken zu schaffen: Blut abnehmen, Screenings oder Impfungen. Praktisch für Patienten und vielleicht ein Weg, das Apothekensterben zu stoppen.

Von Jessica Sturmberg

Wer auf dem Land oder in einer kleineren Gemeinde lebt, kennt das vielleicht - die nächste Apotheke ist inzwischen in der nächstgrößeren Stadt, viele Kilometer entfernt. Die Versorgungsdichte wird immer geringer. In Nordrhein-Westfalen gibt es noch rund 3.500 Apotheken. Tendenz seit Jahren: fallend. In NRW hat in den vergangenen 15 Jahren jede vierte Apotheke dichtgemacht.

Dem will Bundesgesundheitsministerin Warken mit der Apothekenreform entgegenwirken - und zugleich mehr Gesundheitsdienstleistungen anbieten. Mit der Reform dürfen Apotheken künftig fast alle Impfungen anbieten. Bisher waren nur Covid und Grippe erlaubt Jetzt kann auch beispielsweise gegen Tetanus oder die von Zecken übertragene Virusinfektion FSME geimpft werden. Lediglich Impfungen mit Lebendimpfstoffen sind ausgenommen.

Patienten können künftig auch für ein großes Blutbild in die Apotheke, um sich den Blutdruck messen oder einen Schnelltest gegen eine Viruserkrankung durchführen zu lassen.

Medikamente auch ohne Rezept

Verschreibungspflichtige Medikamente können Patienten in bestimmten Fällen auch ohne ärztliche Verordnung abgeholen. Gedacht ist das für Menschen, die chronische Erkrankungen haben und Medikamente regelmäßig brauchen. Sie müssen dann nicht mehr unbedingt zu ihrem Arzt oder Ärztin, um das Rezept zu holen. Stattdessen können sie sich ihr Medikament in ihrer Hausapotheke direkt besorgen.

Das wird in der elektronischen Gesundheitsakte dokumentiert, so dass damit kein Missbrauch passieren soll und die Arztpraxis beim nächsten Besuch informiert ist.

Regal mit Glasflaschen in einer Apotheke

Nostalgische Glasflaschen

Bildquelle: akg-images

Beispiel: Wer am Freitagnachmittag ein Medikament braucht, hat die Möglichkeit, sich das direkt in der Apotheke zu besorgen. Statt in eine Notfallpraxis fahren zu müssen, um dort stundenlang auf ein Rezept zu warten. Manche nehmen das erst gar nicht auf sich und unterbrechen die Therapie. Genau das wird damit verhindert.Gleichzeitig werden die Notfallpraxen entlastet.

Unterstützung für kleinere Apotheken

Die Apothekenreform sieht für kleinere Apotheken besonders in ländlichen Regionen Vereinfachungen vor: Wer einen Notdienst nur für einige Stunden übernimmt, bekommt jetzt einen Zuschuss dafür und geht nicht mehr leer aus. Die Gründung von Zweigapotheken wird erleichtert und auch die Vertretung soll vereinfacht werden.

Bundestag beschließt Apothekenreform - Änderungen für Patienten

WDR 22.05.2026 6 Min. 3 Sek. Verfügbar bis 21.05.2028 WDR Online

So dürfen Pharmazeutisch-Technische Assistentinnen und Assistenten für maximal 20 Tage im Jahr die Leitung einer Apotheke übernehmen können, wenn der Aptheker oder die Apothekerin nicht da ist. Voraussetzung ist eine ausreichende Berufserfahrung und Qualifikation.

Seit 13 Jahren Festbetrag nicht mehr erhöht

Insgesamt ist der Gedanke dahinter: Weniger bürokratische Hindernisse zu haben. Ob das aber allein hilft, da ist der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis, skeptisch. Seit 13 Jahren wurde der Festbetrag nicht mehr angehoben, den Apotheken für die Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten erhalten.

"Die richtige Wirkung wird die Reform erst haben, wenn auch parallel die Honorierung für die Apotheken erhöht wird." Thomas Preis, Vorsitzender Apothekenverband Nordrhein

Zwar erhalten die Apotheken auch eine Vergütung von drei Prozent auf den Apothekeneinkaufspreis für Medikamente. Aber für das wirtschaftliche Überleben sei eine Anhebung des Festpreises jetzt nötig, fordert Preis: "Die Krankenkassen haben in dieser Zeit über 70 Prozent mehr Beiträge eingenommen. Das Geld ist ausgegeben worden für andere Versorgungsbereiche. Die Apotheken sind leer ausgegangen, aber in dieser Zeit sind die Kosten extrem gestiegen."

Die schwarz-rote Koalition hat zwar auch vor, den Festbetrag von aktuell 8,35 Euro in zwei Stufen auf 9,50 Euro anzuheben. Ins Gesetz hat sie es aber nicht geschrieben. Das soll per Verordnung später folgen. Apotheken müssen also noch weiter warten, ob die Erhöhung tatsächlich kommt.

Honoraranhebung = Gießkannenförderung?

Für den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wäre die Anhebung des Festbetrags eine "Gießkannenförderung" - denn nicht alle Apotheken hätten das nötig. Aber die Krankenkassen würde es erheblich belasten, profitieren würden jedoch vor allem absatzstarke Ketten oder Versandapotheken.

Zugute kommen sollte das Geldes nach Ansicht des GKV hauptsächlich den kleineren Apotheken, die wenig Arzneimittelpackungen abgeben, aber vor Ort eine wichtige Versorgung aufrecht erhalten. In Zeiten leerer Kassen müsste dahingehend differenziert werden, fordert Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV.

Originär ärztliche Aufgaben nicht an Apotheker?

Auch von Seiten der Ärzteschaft kommt Kritik an der Reform: Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und Westfalen-Lippe finden es problematisch, wenn auf der einen Seite in der ambulanten Versorgung massiv gespart und zugleich bei Apotheken eine Leistungsausweitung beschlossen werde.

"Ärztliche Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie sind keine Bausteine, die nach Belieben in andere Hände gegeben werden dürfen." Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

Originär ärztliche Aufgaben dürften nicht an Apotheken übertragen werden, die dafür nicht qualifiziert seien, heißt es aus dem Vorstand des Bundesverbandes. Dagegen argumentiert Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, dass die medizinische Versorgung damit vielmehr aufrecht erhalten werde. Denn es gebe auch immer weniger Arztpraxen.

Keine Lösung des Problems Apothekensterben

Inwieweit die Ausweitung der Gesundheitsangebote auch dabei helfen kann, dass Apotheken künftig mehr Geld einnehmen, zu dieser Frage äußert sich Apothekenverbandspräsident Thomas Preis zurückhaltend. "Apotheken müssen gerade in der Startphase investieren. Das heißt, man muss entsprechende Räume schaffen. Man muss entsprechende Geräte anschaffen. Man muss entsprechendes Personal schulen. Es wird eine zusätzliche Säule sein, um Apotheken zu stabilisieren. Aber das wird nicht ausreichen, um das Apothekensterben zu stoppen."

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, "Das Wirtschaftsmagazin"; 22.05.2026, 13:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 22.05.2026, 18:45 Uhr

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