"Wir wollen Deutschland wieder flott kriegen", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Vorstellung der geplanten Reformen am Donnerstag. Leichtere Job-Befristungen, Steuervorteile für Arbeiten an Sonn- und Feiertagen und neue Regelungen für Krankschreibungen sollen dazu beitragen.
Das in der Nacht beschlossene Reformpaket der Koalition umfasst insgesamt 34 Maßnahmen, die die Wirtschaft beleben sollen. Die Ausarbeitung und die parlamentarischen Beratungen sollen in den kommenden Wochen anlaufen, um das Paket bis zum Jahresende fertig zu schnüren.
Welche Jobs können leichter befristet werden?
Es soll leichter werden, Jobs zu befristen. Laut Reformpaket sollen Arbeitsverträge maximal vier Jahre lang ohne sachlichen Grund befristet und in dieser Zeit bis zu sechs mal verlängert werden können. Das ist eine Verdopplung im Vergleich zu den bisherigen Regelungen. Diese Regelung ist auf den Zeitraum bis Ende 2030 begrenzt.
Ein beispielhafter Arbeitsvertrag.
Betroffen sein dürften davon vor allem junge Menschen. Zahlen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2024 zeigen: Fast jede zweite Neueinstellung bei den unter 25-Jährigen ist befristet. In NRW gibt es die meisten befristeten Beschäftigungsverhältnisse in Köln, wo demnach über 60 Prozent der Neueinstellungen befristet waren.
Arbeitgeber begrüßen diese Entscheidung. "Das ist gerade in diesen extrem unsicheren wirtschaftlichen Zeiten ein wichtiges Element, das Neueinstellungen vereinfacht", sagt Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW (unternehmer NRW). Kritik kommt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). "Das ist ein unnötiger Einschnitt, den wir nicht unkommentiert hinnehmen", sagt DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi.
Wer bekommt Steuervorteile an Sonn- und Feiertagen?
Für Arbeitnehmer, die an Sonn- und Feiertagen arbeiten, soll der gezahlte Zuschlag höher ausfallen können. Bislang galt für die Berechnung der Steuerfreiheit ein Grundlohn von maximal 50 Euro pro Stunde. Ab Januar 2027 soll die Obergrenze bei 75 Euro liegen.
"Wer an Sonn- und Feiertagen arbeitet, leistet einen besonderen Beitrag - für die Gesellschaft, für die Versorgung und für die Wirtschaft." Yasmin Fahimi
Deutscher Gewerkschaftsbund
Diese Regelungen kommt bei der DGB-Vorsitzenden Fahimi gut an. Steuerexperten sehen diese höheren Zuschläge kritisch und hätten sich stattdessen eine Vereinfachung des Systems gewünscht. "Es ist keine Aufgabe des Staates, Arbeit zu bestimmten Zeitpunkten attraktiver zu machen", sagt Robin Jessen vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.
Was ändert sich bei Krankschreibungen?
Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Außerdem soll eine ärztliche Krankschreibung künftig ab dem ersten Krankheitstag Pflicht werden.
Änderungen sind auch bei den Arbeitsunähigkeitsbescheinigungen geplant.
Während Unternehmer-Vertreter diese Beschlüsse begrüßen, gibt es Kritik von Gewerkschaften und auch den deutschen Hausärzten. Sie kritisieren das Vorhaben und warnen vor einer großen Bürokratiewelle. Die Folgen könnten längere Wartezeiten und überlastete Praxen sein. "Misstrauen gegen Beschäftigte und eine Ausweitung des Befristungswahnsinns schaffen kein Wachstum", sagte auch Verdi-Chef Frank Werneke.
Unsere Quellen:
- Interview mit Robin Jessen vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen
- Studie der Hans Böckler Stiftung zu befristeten Stellen: Fast jede zweite neue Stelle befristet
- DGB-Mitteilung vom 02.07.2026
- Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW (unternehmer NRW)
- dpa Meldungen
Sendung: WDR.de, Änderungen auf dem Arbeitsmarkt geplant, 02.07.2026, 16:51 Uhr