Umweltschutz oder Bedrohung?

Bildquelle: IMAGO/Sabine Brose/ Frank Sorge

WDR 3 Min. 10 Sek. Verfügbar bis 22.09.2028

CO2-Pipeline als Klimaretter Umweltschutz oder Bedrohung?

Stand:

Das bundesweit größte Projekt zur Klimarettung soll mitten durch den Kreis Mettmann verlaufen: Eine Pipeline, die umweltschädliches CO2 auffängt und in die Niederlande abtransportiert. Dort soll das Gas unter der Nordsee gespeichert werden. Ein grenzübergreifendes Projekt, das allerdings umstritten ist.

Beim Hildener Bürgermeister Claus Pommer (CDU) schrillten die Alarmglocken als er das erste Mal von der geplanten unterirdischen Pipeline gehört hat – CO2 hoch komprimiert unter großem Druck mitten durch eng bebautes Stadtgebiet entlang der A3.

Pommer fürchtet, dass es zu Rohrbrüchen oder Wechselwirkungen mit dort bereits verlegten unterirdischen Leitungen kommen könnte. Das Verfahren zur Entsorgung von Kohlenstoffmonxid sei noch am Anfang. "Betroffen sind die Menschen und ihre Gärten, die Kleingartensiedlungen, die Sportplätze und nicht zuletzt unser Hildener Wald,“ sagt er.

Und auch die Menschen in Hilden und den Nachbarstädten im Kreis Mettmann reagieren empfindlich auf diese Ankündigung. Denn schon seit zwei Jahrzehnten kämpft man hier gegen eine andere Pipeline: die CO-Pipeline.

Gelbes Schild steht am rechten Rand einer Straßenunterführung

Dieses Schild zeigt den Standort der hier verlegten Pipelines an

Bildquelle: WDR/ Gaby van den Boom

Sie ist schon fertig, aber noch nicht in Betrieb. Und jetzt noch eine CO2-Leitung obendrauf? Kohlenstoffdioxid ist zwar nicht so giftig und gefährlich wie Kohlenstoffmonoxid, aber trotzdem die Angst bei den Anwohnern ist da.

Angst vor Unfällen

Die Gefahren von Kohlenstoffdioxid (CO2) seien nicht mit denen von Kohlenstoffmonoxid (CO) zu vergleichen, aber trotzdem gefährlich, so der Bürgermeister. Obwohl CO2 - anders als CO - nicht brennbar ist, kann ein unkontrollierter Austritt hoher Konzentrationen aus einer Pipeline erhebliche Gefahren für Mensch und Tier verursachen.

Denn CO2 ist schwerer als Luft und kann sich so unbemerkt in Bodensenken oder Kellern ansammeln. 2020 mussten in den USA nach einem Rohrbruch einer CO2-Pipeline Dutzende Menschen mit Erstickungssymptomen ins Krankenhaus.

Claus Pommer, Bürgermeister der Stadt Hilden
„Hilden ist der denkbar schlechteste Ort, wo man eine weitere Pipeline bauen könnte.“ Claus Pommer, Bürgermeister Hilden (CDU)

Einzige Chance um Klimaziele zu erreichen

Eine Verlegung der Trassenführung kommt für Deutschlands größten Fernleitungsbetreiber Open Grid Europe mit Sitz in Essen aber nicht in Frage. Open Grid gehört zu einem internationalem Konsortium, dass diese grenzübergreifende Zusammenarbeit der EU umsetzen will: "Es geht um das wirtschaftliche Überleben der Industrie bei gleichzeitiger Erreichung der Klimaziele. Wir müssen CO2 da abholen, wo es anfällt und die Umwelt schädigt," sagt Sprecherin Isabelle Wittich.

Bei Abfallverbrennungsanlagen, der Glas-, Papier- oder auch der Stahlindustrie etwa. Man brauche Lösungen für die Betriebe in der Region, die CO2 nicht vermeiden können: Wie zum Beispiel bei den Wülfrather Kalksteinwerken.

Jährlich werden hier fast zwei Millionen Tonnen CO2 durch die Schornsteine gejagt. Kohlendioxid, das zuvor im Gestein gespeichert war. Die Pipeline zur Nordsee ist laut EU der hier sinnvollste Weg, um den weiteren Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre zu stoppen und die Klimaziele zu erreichen.

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"Es geht um Arbeitsplätze und um unsere Zukunft – hier in der Region.“ Isabelle Wittich, Open Grid Euope

Speichern unter dem Meeresgrund


CO2 gilt als Klimakiller und ist mit verantwortlich für die Klimaerwärmung. Um die Klimaziele zu erreichen und den CO2-Ausstoß zu verringern, wollen die EU-Kommission und europäische Länder das Gas unter dem Meeresboden speichern – dort beispielsweise, wo die Erdgasfelder leer sind. Im Oktober lädt der Landtag zur Information über das Projekt ein, unter dem Motto: Arbeitsplätze sichern – Klimaziele erreichen.

Pipeline sicher?


Die Planungen stehen ganz am Anfang. Derzeit werden mögliche Trassenwege geprüft, mit dem Ziel möglichst wenig Natur zu schädigen, die Infrastruktur einzubinden. Wo genau im Kreis Mettmann, steht noch nicht fest.

Bei jeder Route hat Open Grid mit verschienden Widerständen zu kämpfen, entweder mit Protest von Anwohnern oder den räumlichen Gegebenheiten vor Ort. Man suche aber die schonendste Variante, sagt Isabell Wittich. Zur Beruhigung der Anwohner sagt sie: "Der Stahl der Rohre ist so dick, dass nicht mal ein Bagger, die beschädigen könnte." Die Anwohner im Kreis Mettmann wollen nun erstmal die Risiken für sich abschätzen.

Unsere Quellen:

  • Open Grid Europe
  • Stadt Hilden
  • WDR-Interviews mit Anwohnerinnen und Anwohnern

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 21.09.2026, 19:30 Uhr

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