Start der Rübenkampagne am Niederrhein: Schwächere Ernte erwartet
Bildquelle: WDRWDR. 2 Min. 30 Sek.. Verfügbar bis 22.09.2028.
Florian Oymans steht am Rand eines Ackers in Straelen neben einem riesigen Rübenhaufen. Er greift zwei Rüben heraus und begutachtet sie: "Die haben schon ziemlich gelitten, aber hier sieht es noch gut aus", sagt er. Es hätte durchaus schlimmer kommen können, Euphorie sieht aber anders aus. Oymans rechnet zum heutigen Start der Rübenkampagne mit bis zu 25 Prozent weniger Ertrag für dieses Jahr.
Trockenheit und Hitze sorgen für schlechteres Rübenwachstum
Ein Grund für die geringe Ernte ist das Extremwetter in diesem Sommer, sagt Florian Oymans, der als Landwirt arbeitet und außerdem im Vorstand des Rheinischen Rübenbauernverbands sitzt. Es gebe weniger Rüben und sie seien wegen der Trockenheit teilweise nicht so groß geworden. Das werde sich auch bei den Einnahmen bemerkbar machen.
"Wenn ich weniger abliefer bekomme ich weniger Geld bei gleichzeitig hohen Kosten im Vergleich zu anderen Jahren." Florian Oymans, Landwirt
Neben den Energiepreisen sei auch die Beregnung in diesem Jahr kostenintensiv gewesen, sagt Florian Oymans.
Auch Landwirt Hubertus Velder aus Rommerskirchen rechnet nicht mit einer guten Ernte. Statt die Kraft in die Knolle zu stecken, hätten die Rüben jede Menge neue Blätter wachsen lassen. Das sei auch schlecht für die Zuckerkonzentration.
Betrieb in der Zuckerfabrik Appeldorn läuft an
Ein Meer aus Rüben: Anlieferung in der Zuckerrübenfabrik Appeldorn
Bildquelle: WDRTrotz eher unterdurchschnittlicher Ernte: In der Zuckerrübenfabrik Appeldorn des Unternehmens Pfeifer & Langen herrscht ab jetzt wieder Hochbetrieb. Hier wird aus den Zuckerrüben Zucker gemacht. Heute Morgen hat das Werk den Betrieb aufgenommen. Die LKW stehen vor der Waage Schlange, bevor sie ihre Ladung auf den riesigen Rübenhaufen kippen. Von hier aus werden die Rüben mit dem Radlader zur Reinigung in ein riesiges Wasserbecken befördert, bevor es über Rutschen und Förderbänder weitergeht.
"Bisher hat alles gut geklappt“, sagt Markus Coenen, Standortleiter Produktion und Technik: "Aber es sind erstmal spannende 24-48 Stunden, wo die Fabrik erstmal angewärmt werden muss." Auch Coenen erwartet, dass die Erträge wegen des Wassermangels im Sommer "eher unterdurchschnittlich" sein werden. Inwiefern sich das auf die Verbraucherpreise auswirken wird, kann auch er noch nicht sagen – die Preisgestaltung sei etwas komplexer.
Wofür Zuckerrüben verwendet werden
- Eine Zuckerrübe enthält normalerweise rund 17-19 Prozent Zucker. Aus rund sieben Zuckerrüben wird am Ende 1 kg Zucker.
- Neben Zucker entstehen aus der Zuckerrübe auch Dünger und Grundstoffe für die Pharma- und Chemieindustrie.
- Aus Zuckerrüben wird außerdem Biogas gewonnen - und sie spielen eine wichtige Rolle bei der Herstellung von E10-Kraftstoff. (Quelle: zuckerverbaende.de)
Zuckersteuer: Effekt noch nicht abzuschätzen
Neben Dürre und Energiepreisen beschäftigt die Branche auch die Frage nach der angekündigten Zuckersteuer. Welchen Effekt die haben wird, kann Landwirt Florian Oymans noch nicht einschätzen: "Wie die Zuckersteuer ausgestaltet wird, darüber wird im Moment noch so viel diskutiert, da ist es noch sehr spekulativ, wie sie sich auswirken wird."
Oymans sieht die Steuer allerdings kritisch, genau wie Landtechnik-Unternehmer Heinz Josef Pieper. Der befürchtet, dass viele auf Süßstoffe umsteigen werden, was sich wiederum negativ auf die Preise auswirkt.
Zuckerwerk: "Machen erstmal unseren Job"
Markus Coenen vom Zuckerwerk in Appeldorn beschäftigen diese Fragen momentan erstmal nicht.
"Wir im Werk machen erstmal unseren Job, konzentrieren uns darauf, dass wir hier sicher und störungsarm die Zuckerrüben zu Zucker machen und dann werden wir weitersehen." Markus Coenen, Pfeifer und Langen Zuckerfabrik Appeldorn
Auch wenn die Kampagne in diesem Jahr kürzer ausfallen wird als üblich: Auf die Mitarbeiter sowohl auf den Rübenfeldern als auch im Zuckerwerk wartet jetzt eine Menge Arbeit.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Landwirten
- Gespräche mit Markus Koenen von Pfeifer und Langen
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Wie sieht's aus mit der Rübenernte, 22.09.2026, 17:30 Uhr
Sendung: WDR Fermsehen, Lokalzeit Duisburg, 22.09.2026, 19:30 Uhr