Vanille, Schokolade, Pistazie - so schmeckt der Sommer. Doch ein Besuch bei der Eisdiele um die Ecke ist oft kein ganz unbeschwertes Vergnügen mehr. Angesichts der Preise dürfte einigen Eisliebhabern in NRW sogar der Appetit vergehen.
Während im vergangenen Jahr der durchschnittliche Preis für eine Kugel noch bei 1,81 Euro lag, müssen Kunden nach einer Erhebung des "4U"-Magazins inzwischen erheblich tiefer in die Tasche greifen. Der Preis stieg demnach um satte 11 Cent oder 6 Prozent auf 1,92 Euro. Im Jahr 2024 hatte die Kugel im Schnitt noch 1,72 Euro gekostet.
Ausreißer gibt es natürlich immer - nach oben wie nach unten. So kann man zum Beispiel bei "Gelato49" in der Düsseldorfer Innenstadt "Dubai"-Eis für 3,70 Euro pro Kugel bestellen. Gleichzeitig verkauft die legendäre Eisdiele "Monikas Eis zum Mitnehmen" in Bochum die kleine Kugel auch in diesem Jahr für nur 50 Cent.
Eis in Münster und Aachen besonders teuer
Nach Recherchen des WDR-Magazins "Markt" macht es einen großen Unterschied, ob man eine Eisdiele im Ruhrgebiet, im Rheinland oder in Westfalen besucht. In Dortmund liegt der Durchschnittspreis demnach bei 1,57 Euro pro Kugel, in Münster und Aachen werden 2,03 Euro fällig. Bielefeld, Bonn und Köln liegen preislich etwa in der Mitte.
Rohstoffe machen nur einen Teil des Preises aus
Doch wie kam es dazu, dass ein Allerweltsprodukt wie Speiseeis innerhalb kürzester Zeit derartig teuer werden konnte? Erheblich mehr als man angesichts der allgemeinen Inflationsrate erwarten könnte?
Zwar sind seit dem vergangenen Jahr einige ausgewählte Zutaten erneut teurer geworden, zum Beispiel Zucker, Schokolade und Nüsse. Extreme Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent, wie sie zum Beispiel 2025 für Kakao registriert wurden, sind jedoch ausgeblieben. Tatsächlich gab es bei Milch sogar einen Preisrückgang um 7,4 Prozent. Und auch die Strompreise gaben seit Mai 2025 um fünf Prozent nach.
Für Uwe Koch von der Eisfachschule Werl sind es nicht nur die Rohstoffe, die den Verkaufspreis seit Jahren in die Höhe treiben. "Wenn man mit Naturprodukten arbeitet, ist man natürlich abhängig von Ernte, von Transport und vielen anderen Faktoren." In NRW-Großstädten hätten zum Beispiel die Mieten einen großen Einfluss auf die Preise.
Eis-Experte Uwe Koch
Unabhängig davon seien auch durch den gestiegenen Mindestlohn die Personalkosten in den vergangenen Jahren gestiegen. Schließlich gebe es noch das Prinzip von Angebot und Nachfrage, meint Koch: An Standorten mit viel Tourismus würden höhere Preise in der Regel akzeptiert. In Vorstädten oder auf dem Dorf müssten die Betreiber hingegen mehr Rücksicht auf die preisbewusste Stammkundschaft nehmen.
Viele Eisdielen setzen auf Fertigpulver
Es geht allerdings nicht nur ums Geld: Für besonders gutes und handwerklich hergestelltes Eis sind Kunden offenbar bereit, mehr zu zahlen. Das zeigt sich an den langen Schlangen, die sich an Sommertagen vor den jeweiligen In-Eisdielen bilden.
Doch hohe Preise bedeuteten nicht automatisch, dass Eisdielen auch mit hochwertigen, frischen Zutaten arbeiten, meint Eis-Experte Koch. "Manche machen auch eine Tüte auf, Milch, Sahne oder Wasser dazu. Dann ist das Eis im Grunde fertig."
Kunstvoll aufgetürmte Eisberge können ein Warnsignal sein
Wirklich schlecht müsse solches Pulver-Eis zwar nicht schmecken, meint Koch. Aber im direkten Vergleich zu handwerklichen Produkten seien die Qualitätsunterschiede deutlich wahrnehmbar.
Wer wissen möchte, ob seine Eisdiele ebenfalls mit Fertigprodukten arbeitet, sollte einen genauen Blick auf die Eisbehälter in der Auslage werfen. Ist die Eiscreme zu einem appetitlichen, wellenförmigen Berg aufgetürmt, kann das ein Hinweis auf künstliche Emulgatoren sein. Auch wenn das Eis sehr cremig bis fettig schmeckt und übertriebene Süße das Aroma überlagert, deutet dies auf Fertigprodukte hin.
Unsere Quellen:
- Eiskugel-Preisvergleich in Deutschland, "4U"-Magazin
- WDR-Magazin "Markt"
- Lokalzeit Ruhr
- Statistisches Bundesamt
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, So viel kostet die Kugel Eis in NRW, 12.07.2026, 05:05 Uhr
