Grundsteinlegung Europas größter Flusswasser-Wärmepumpe | Aktuelle Stunde
WDR. 00:28 Min.. Verfügbar bis 23.07.2028.
Das Land NRW will bis 2045 Treibhausgasneutralität erreichen. Bisher wird ein Großteil der Energie allerdings durch fossile Energien gewonnen. Eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, ist eine Flusswasser-Wärmepumpe.
Um Wärme zu gewinnen, entnimmt die Pumpe Wasser aus dem Fluss und leitet es durch einen Wärmetauscher. Dort gibt das Wasser einen Teil seiner Wärme ab und wird um ein paar Grad abgekühlt. Die entnommene Wärme wird dann genutzt, um Wasser für ein Heizsystem zu erwärmen.
Das abgekühlte Flusswasser fließt anschließend wieder zurück in den Fluss. Mit einem Aufwand von einer Kilowattstunde Strom werden so rund drei Kilowattstunden Wärme erzeugt, der Großteil der Energie kommt aus dem Wasser.
Großes Potenzial für Flusswärme in NRW
NRWs Flüsse haben dabei ein besonders hohes Potenzial. Eine Studie der TU Braunschweig zeigt: Fast jede Stadt und jedes Dorf liegt an oder nahe einem Gewässer, viele mit bereits vorhandener Infrastruktur wie Kraftwerken oder Kühlwasserentnahmen.
Besonders entlang des Rheins und im Ruhrgebiet gibt es Ressourcen: Städte wie Köln, Dortmund oder Essen könnten potenziell den gesamten Haushalts‑Raumwärmebedarf durch Flusswasser decken, teils sogar deutlich mehr produzieren.
Genau so ein Projekt wird in Köln gerade von RheinEnergie umgesetzt. Im Niehler Hafen entsteht Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe. Die soll künftig bis zu 50.000 Haushalte versorgen.
Niedrige Pegel: Wo Flusswärme an Grenzen stößt
Doch was passiert bei längeren Trockenperioden und niedrigen Wasserpegeln? Und wie ist die Lage in Städten abseits von Rhein und Ruhr? In Köln ist die Sorge vor niedrigen Pegelständen gering. Die Pumpe sei so konzipiert, dass selbst bei sehr niedrigen Pegeln noch ausreichend Wasser im Rhein zur Verfügung steht, sagt Bereichsleiter Armin Ehret von RheinEnergie dem WDR.
An kleineren und flacheren Flüssen kann die Situation dagegen schon kritischer werden. Hier müssen Wasserverfügbarkeit, ökologische Auswirkungen und Genehmigungen besonders sorgfältig geprüft werden, bevor geplant und gebaut werden kann. Auch andere Umweltaspekte, zum Beispiel der Schutz von Fischen, müssen berücksichtigt werden.
In Regionen, in denen die Flüsse kleiner sind oder der Wärmebedarf pro Fläche sehr hoch ist, etwa im Bergischen Land oder in Teilen Ost- und Westfalens, reicht das Potenzial außerdem noch nicht für eine komplette Versorgung. Dort kann Flusswärme nur einen Anteil beisteuern und müsste in der Praxis mit anderen erneuerbaren Wärmequellen kombiniert werden.
Armin Ehret sieht in den Flusswasser-Wärmepumpen großes Potenzial.
Doch auch hier sehen die Kommunen großes Potenzial: "Natürlich kann man das auch in deutlich kleinerem Umfang machen und da sind schon sehr viele Projekte gerade am Start in Deutschland. Da wird sich die nächsten Jahre sicherlich sehr viel tun", so Armin Ehret von RheinEnergie.
Projekte wie das in Köln zeigen: Flusswasser-Wärmepumpen sind kein Selbstläufer, können aber ein vielversprechender Baustein für die Wärmewende in NRW sein. Wo Flüsse und Wärmenetze zusammenkommen, könnte Flusswärme so künftig zu einer der wichtigsten Optionen für die kommunale Wärmewende werden.
Unsere Quellen:
- Armin Ehret von RheinEnergie im WDR5-Morgenecho
- Bundesministerium für Energie und Wirtschaft
- Bericht der TU Braunschweig
Sendung: WDR5, Morgenecho, 23.07.2026, 6 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 23.07.2026, 18:45 Uhr
