Ein wenig Staub wirbelt auf, als Florian Oymans über sein Zuckerrübenfeld in Geldern am Niederrhein läuft. Noch vor wenigen Wochen hoffte der Landwirt auf eine gute Ernte. "Bis Mitte Juni sah es ganz gut aus, aber dann hat es einfach aufgehört zu regnen und die Folgen sehen wir jetzt auf dem Feld", sagt Oymans.
Die Trockenheit setzt den Pflanzen zu. "Wir haben aktuell die fünfte Hitzewelle in diesem Sommer, die Pflanzen büßen ganz schön ein und das zehrt an den Nerven." Nicht nur am Niederrhein macht die anhaltende Trockenheit den Landwirten Sorgen. Besonders bei Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln erwarten sie eine schlechtere Ernte als üblich.
"Bei Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, findet gar kein Wachstum mehr statt, die Blätter werden abgeworfen, da droht jetzt wirklich eine sehr schlechte Ernte, das sieht gar nicht gut aus" Erich Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands
Mais wird ungewöhnlich früh geerntet
Wegen der anhaltenden Dürre muss der Mais früher geerntet werden.
Bildquelle: IMAGO/photothek.deDabei sind die Betriebe in NRW unterschiedlich stark von der Trockenheit betroffen: Während Höfe auf den sandigen Böden am Niederrhein besonders unter den fehlenden Niederschlägen leiden, kommen Landwirte in der Jülicher, Zülpicher oder Soester Börde bislang etwas besser zurecht. Die dortigen Böden können Wasser deutlich länger speichern.
Das Rheinland gehört zu den bedeutendsten Zuckerrübenregionen Deutschlands. Entsprechend groß ist die Sorge vieler Betriebe, dass die Erträge in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen könnten.
Ertragseinbußen von mehr als 50 Prozent möglich
Ein erstes Bild gibt bereits die Getreideernte. Nach Angaben des Rheinischen Landwirtschaftsverbands sind die Erträge bei Weizen und Raps vielerorts um 20 bis 30 Prozent niedriger ausgefallen als üblich.
Noch schwieriger könnte die Lage bei Kulturen werden, die derzeit noch auf den Feldern stehen. Bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben seien örtlich sogar Ertragseinbußen von mehr als 50 Prozent möglich, sagt Verbandspräsident Gussen. In Einzelfällen könne es sogar zu Totalausfällen kommen.
Bei den Zuckerrüben kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Nach den sehr guten Ernten der vergangenen Jahre wurde die Anbaufläche teilweise reduziert. Das könnte die Auswirkungen der Trockenheit zusätzlich verschärfen.
Die Anbaufläche von Zuckerrüben wurde teilweise reduziert.
Bildquelle: WDR / Anke WestermannHöhere Preise gleichen Verluste nicht immer aus
Von möglichen Preissteigerungen profitieren die Landwirte nach Einschätzung des Bonner Agrarökonomen Martin Qaim nur eingeschränkt. Viele Betriebe verkaufen einen Teil ihrer Ernte bereits vorab über Lieferverträge zu festen Preisen. Steigen die Marktpreise später, können sie davon oft nur teilweise profitieren.
Besonders bei Weizen spielt zudem der Weltmarkt eine wichtige Rolle. Regionale Ernteausfälle in Deutschland führen deshalb nicht automatisch zu deutlich höheren Erlösen für die Betriebe.
Folgen auch für die Tierhaltung
Die Trockenheit könnte sich auch auf die Tierhaltung auswirken. Schlechte Mais- und Grasernte verteuern das Futter für Rinder und andere Nutztiere. Von Notschlachtungen kann in Nordrhein-Westfalen derzeit zwar keine Rede sein. Die Belastungen für viele Betriebe dürften aber noch bis in den Herbst und Winter spürbar bleiben. Denn die Landwirte müssen schon jetzt Futtervorräte für die kommenden Monate anlegen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview Erich-Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands
- WDR-Interview Landwirt Florian Oymans
- Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
- Landwirtschaftskammer NRW: Maisernte startet früh
- tagesschau.de: Der Agrarmarkt zwischen Klimawandel und Rendite
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 14.08.2026, 13:35 Uhr
