Darum könnten die Pommes jetzt kürzer werden
Bildquelle: WDR / Valerie HayerWDR. 02:38 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
"Da ist null komma null Wasser. Alles knochentrocken", erklärt Henrik Wortmann und greift in die Erde seines Kartoffelackers. Zwischen seinen Fingern zerbröselt der Boden. An einer Pflanze buddelt er sieben Kartoffeln aus. An den Kartoffeln hängt kaum Erde, ein weiteres Anzeichen der extremen Trockenheit der letzten Wochen. Heute regnet ein wenig. Immerhin. Doch die Erde ist nur oberflächlich feucht. Bis tief in die untersten Bodenschichten ist der Acker komplett trocken.
Auf rund 50 Hektar baut Henrik Wortmann in Kamen Kartoffeln an, etwa zur Hälfte Speisekartoffeln und zur Hälfte spezielle Sorten für die Pommesproduktion. Pro Hektar erntet er normalerweise rund 50 Tonnen. In diesem Jahr werden es wohl 30 Prozent weniger, schätzt der Landwirt.
Anhaltende Hitze und Wind belasten die Pflanzen
Die schlechte Prognose führt der Landwirt auf die klimatischen Extrembedingungen in diesem Sommer zurück. Die Trockenheit sei ein Problem, erklärt Henrik Wortmann, aber die bis zu 40 Grad im Juni ein weiteres: "Ich kann die Kartoffel nicht mit Sonnencreme eincremen. Gleichzeitig kam warmer Wind aus dem Westen."
"Die Hitze und der Wind sind der Kartoffel-Killer." Henrik Wortmann, Landwirt aus Kamen
Der trockene, heiße Wind entzieht dem Boden nämlich zusätzlich Feuchtigkeit. Die Pflanzen vertrocknen und die Kartoffeln wachsen nicht weiter. Die Folgen seien auf dem Feld deutlich sichtbar: "Der Ertrag lässt zu wünschen übrig." Wegen der ausgetrockneten Böden, kann aktuell auch kaum geerntet werden.
Der Boden auf dem Acker ist knochentrocken.
Bildquelle: WDR / Valerie HayerMit seinen Sorgen steht der Landwirt nicht allein da. Und nicht nur bei den Kartoffeln.
Vor einem Jahr gab es noch zu viele Kartoffeln
Im vergangenen Jahr sieht die Situation noch ganz anders aus: Besonders günstige Bedingungen sorgen für eine außergewöhnlich große Ernte. Auch auf den Feldern von Henrik Wortmann wachsen damals mehr Kartoffeln, als er überhaupt verkaufen kann.
Das Überangebot drückt die Handelspreise letztes Jahr ordentlich nach unten. Wortmann hat Probleme seine Berge an Kartoffeln loszuwerden: Zwei Tonnen spendet er an die Tafel. Andere werden ins Tierfutter gemischt oder landen in seiner Biogasanlage und erzeugen so Strom für mehrere Haushalte.
Warum die Pommes kleiner werden könnten
Die Folgen der Trockenheit zeigen sich aber nicht nur bei der Menge der Kartoffeln, sondern auch bei ihrer Größe. "Erst ab 40 Millimeter Durchmesser können Kartoffeln zu Pommes verarbeitet werden", erklärt Wortmann. Bei ihm heißt das: Zwei der sieben Kartoffeln, die er auf seinem Acker in Kamen in der Hand hält, sind dafür zu klein.
Kartoffelbauer Henrik Wortmann testet ob die Kartoffeln breit genug sind
Bildquelle: WDRHeißt für den Verbraucher: Die fertigen Pommes könnten in diesem Jahr etwas kürzer ausfallen als gewohnt. Am Geschmack dürfte das nach Einschätzung des Landwirts allerdings nichts ändern. Oder anders gesagt: Vielleicht werden die Pommes etwas kleiner aussehen. Knusprig und lecker bleiben sie aber trotzdem.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Landwirt Henrik Wortmann
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 17.08.2026 18:09 Uhr