Ein Mähdrescher fährt über ein Rapsfeld

Erntebilanz Trockenheit drückt die Erträge auf den Feldern

Stand:

Monatelange Trockenheit hat viele Betriebe belastet. Nun zeigt die Erntebilanz, wie stark die Auswirkungen sind.

Es ist lange her, dass sich Landwirtin Eva-Maria Lieven so sehr über Regen gefreut hat wie in dieser Woche. "Wir sind total erleichtert", sagt die Kreisvorsitzende des Landfrauenverbands Düren-Jülich. Seit Juni hatte es in der Region nicht mehr geregnet.

"Große Sorgen machen uns die Kartoffeln, an den Stellen, an denen wir nicht beregnen können, sind die Kartoffeln teilweise vertrocknet", so Lieven. Die Trockenheit hat auf vielen Feldern deutliche Spuren hinterlassen.

Bäuerin Lieven zur Erntebilanz in NRW

WDR 18.08.2026 07:10 Min. Verfügbar bis 17.08.2028 WDR Online

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Der Deutsche Bauernverband klagt in seiner Erntebilanz vor allem über eine schlechte Getreideernte. Bundesweit haben die Landwirte rund sieben Prozent weniger Weizen geerntet als im vergangenen Jahr.

"Die Ernte 2026 ist unterdurchschnittlich ausgefallen, für uns Landwirte enttäuschend. Besonders enttäuschend war der Ertrag bei unserer Hauptkultur, dem Weizen." Bauernpräsident Joachim Rukwied

Auch NRW leidet unter Trockenheit

In Nordrhein-Westfalen hatte die Trockenheit nicht ganz so drastische Auswirkungen. Sowohl der Rheinische Landwirtschaftsverband als auch der Westfälische-Lippische Landwirtschaftsverband erwarten eine durchschnittliche Getreideernte. Bei Weizen, Gerste und Hafer rechnet der Westfälisch-Lippische Verband sogar mit Erträgen leicht über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.

Bauer Thomas Ostendorf vor Maisfeld
"Den Weizen und die Gerste konnten wir mit einigen Abstrichen ernten. Der Weizen hat sehr, sehr unter der schnell aufkommenden Hitze gelitten. Die Gerste konnten wir aber ganz gut ernten, und der Mais steht auf einem guten Boden und ist noch relativ grün. Da haben wir im Moment eigentlich wenig Sorgen." Bauer Thomas Ostendorf aus Ochtrup im Münsterland

Allerdings gibt es regional sehr große Unterschiede. Vor allem Höfe auf den sandigen Böden am Niederrhein haben unter den fehlenden Niederschlägen gelitten. Der Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands rechnet deshalb vielerorts mit Ernteeinbußen von 20 bis 30 Prozent.

"Bei Kartoffeln und Mais findet gar kein Wachstum mehr statt. Die Blätter werden abgeworfen. Da droht jetzt wirklich eine sehr schlechte Ernte. Das sieht gar nicht gut aus", so Gussen. Auch bei Zuckerrüben werde die Lage allmählich kritisch. Teilweise seien die Rüben nur halb so groß wie zu dieser Jahreszeit sonst üblich.

Erntebilanz 2026: So fiel die Ernte in NRW aus

WDR 18.08.2026 01:48 Min. Verfügbar bis 17.08.2028 WDR Online

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Etwas besser ist die Lage in der Jülicher Börde, der Zülpicher Börde und Soester Börde. Die Böden dort konnten das Wasser länger speichern, doch auch die fruchtbaren Bördeböden sind in den vergangenen Wochen an ihre Grenzen gekommen. Der Kartoffelacker von Eva-Marie Lieven ist gezeichnet von Trockenheit und Hitze.

Das hat auch ökonomische Folgen. Die Industriekartoffeln, aus denen später zum Beispiel Pommes werden, sind für ihren Hof eine wichtige Einnahmequelle. Die Preise für ihre Kartoffeln hat sie schon weit im Voraus mit der Lebensmittelindustrie vereinbart. Der Mechanismus, dass ein sinkendes Angebot relativ schnell für höhere Preise sorgt, funktioniere daher nicht, so Lieven. Es gebe einen zeitlichen Verzug.

Landwirte vereinbaren Preise weit im Voraus

Ähnlich funktioniert die Preisbildung beim Getreide, sagt der Bonner Agrarökonomen Martin Qaim. Viele Betriebe verkaufen einen Teil ihrer Ernte bereits vorab über Lieferverträge zu festen Preisen. "Am Ende mag der Tagespreis dann höher oder niedriger sein, aber die Landwirte haben den Vertrag dann schon abgeschlossen", erläutert Qaim.

Besonders bei Weizen spielt zudem der Weltmarkt eine wichtige Rolle, sodass eine schlechtere Ernte in Deutschland durch höhere Erträge in anderen teilen der Welt ausgeglichen werden könne.

Weizenpreis hat geringen Einfluss auf Brötchenpreise

Eine Verkäuferin steht in einer Bäckerei vor einem Regal mit Brötchen und Broten.

Brot und Brötchen dürften trotz der schwächeren Ernte vorerst nicht teurer werden.

Bildquelle: Jens Kalaene / WDR / picture alliance / ZB

Für die Verbraucherinnen und Verbraucher dürfte die schlechte Ernte deshalb überschaubare Folgen haben. Ohnehin machen die reinen Rohstoffkosten nur einen geringen Teil der Supermarktpreise aus. Bei einem Brötchen für 50 Cent etwa entfällt nicht einmal ein Cent auf den Weizen.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) geht vor diesem Hintergrund derzeit nicht davon aus, dass Brot oder Fleisch infolge der schwächeren Ernte teurer werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview Erich Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands
  • WDR-Interview Eva-Maria Lieven, Rheinischer Landfrauenverband Düren-Jülich
  • Pressekonferenz Deutscher Bauernverband
  • WDR-Anfrage Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
  • WDR-Anfrage Rheinischer Landwirtschafts-Verband e.V.

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin18.08.2026, 13:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.08.2026, 18:45 Uhr

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