Kreuzfahrten bei Niedrigwasser : Rheinpegel zwingt Reedereien zu neuen Routen
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Ausflugsschiffe fallen aus und Kreuzfahrten starten von anderen Orten: Das frühe und extreme Niedrigwasser zwingt Reeddereien ihre Routen auf dem Rhein zu verlegen. Die wirtschaftlichen Folgen sind noch nicht abzusehen.
Der Rhein führt zurzeit extrem wenig Wasser. Das trifft auch die Ausflugsschiffe und die Flusskreuzfahrten. Die Reedereien können viele klassische Routen nicht mehr befahren. Reisende müssen sich auf neue Abfahrtsorte und veränderte Routen einstellen.
Es gibt keinen kompletten Stillstand auf dem Rhein. Rund um Köln sind weiterhin einstündige Rundreisen möglich und einzelne Fahrten flussabwärts in Richtung Norden, berichtet die Reederei Köln-Düsseldorfer. Andere Routen muss das Unternehmen aber derzeit pausieren.
"Fahrten nach Süden, etwa ins Siebengebirge, sind derzeit nicht möglich." Nicole Becker, Director of Marketing & PR Köln-Düsseldorfer Deutsche Reinschifffahrt GmbH
Auch auf dem Mittelrhein muss die Reederei ihre regulären Linienfahrten ausfallen lassen. Das betrifft zum Beispiel die Strecke Koblenz - Bingen/Rüdesheim mit der berühmten Loreley. Für Tagesgäste heißt das: Einige der üblichen Ausflugsziele am Rhein sind mit dem Schiff momentan nicht erreichbar.
Flusskreuzfahrten starten ab Nijmegen
Der Rhein ist die zentrale Route für mehrtägige Flusskreuzfahrten in NRW. Mehrere wichtige Anlegestellen liegen hier wie Köln, Düsseldorf oder Duisburg. Deshalb startet der Anbieter Nicko Cruises seine Flusskreuzfahrten normalerweise ab Köln und lässt sie dort auch enden. Denn die Lage ist optimal: Mit guter Bahnanbindung für die Reisenden und Nähe zu attraktiven Zielen auf Rhein und Mosel.
Wegen des Niedrigwassers musste Nicko Cruises allerdings ausweichen - erst nach Düsseldorf, dann weiter nördlich nach Duisburg. Mittlerweile starten die Flusskreuzfahrten aus dem niederländischen Nijmegen. Die Reisen führen jetzt nicht mehr Richtung Mosel oder südlichen Rhein, sondern in die Niederlande und nach Belgien.
"Wegen des niedrigen Pegels können wir unsere Reisen derzeit weder in Köln noch in Düsseldorf oder Duisburg beginnen und beenden. Deshalb schiffen wir die Passagiere aktuell in Nijmegen ein und aus." Sandra Huck, Pressesprecherin Nicko Cruises
Ähnlich geht es dem Bonner Anbieter Viva Cruises. Vom Heimathafen Düsseldorf aus kann der Anbieter zurzeit ebenfalls nur noch Reisen in Richtung Niederlande und Belgien anbieten. Andere Reisen, die beispielsweise ab Düsseldorf oder Frankfurt in Richtung Straßburg oder auf der Mosel stattfinden sollten, seien zuletzt zu Niederlande-Belgien Reisen umgeroutet worden, sagt Jutta Rossié von Viva Cruises.
Warum Schiffe trotz offenem Rhein nicht fahren können
Es gibt keine generelle Sperrung des Rheins. Anders als bei Hochwasser entscheiden die Anbieter selbst, ob ein Schiff die Strecke sicher befahren kann. Das ist abhängig von Strecke, Schiffstyp, Pegelstand und notwendigem Abstand zum Flussgrund. Schon wenige Zentimeter entscheiden über eine Fahrt.
Das hat Mitte Juli die Besatzung eines Hotelschiffs bei Bonn erleben müssen. Das Schiff lief auf Grund und musste freigeschleppt werden. Beim Feuerwerkspektakel Kölner Lichter fuhr sich ein teilnehmendes niederländisches Flusskreuzfahrtschiff fest und strandete im gesperrten Sicherheitsbereich. Alle Passagiere mussten evakuiert werden, damit das Feuerwerk stattfinden konnte. Sechs weitere teilnehmende Schiffe erreichten Köln gar nicht erst..
Ein Düsseldorfer Anleger ist extra weit ins Wasser gebaut
Bildquelle: WDREs liegt jedoch nicht immer an zu niedrigem Wasser in der Fahrrinne, wie Nicole Becker von der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt GmbH festellt: "Oft ist nicht die Fahrrinne das eigentliche Problem, sondern der Anleger. Einige Anleger sind versandet oder haben nicht mehr genug Wasser, um sie sicher anzufahren."
Sind die Anleger noch anfahrbar, liegen sie meist deutlich höher: Menschen im Rollstuhl oder mit eingeschränkter Mobilität können einzelne Schiffe nicht oder nur mit Hilfe erreichen. Auch Fahrräder, Anhänger oder E-Bikes müsse oft über steile Zugänge getragen werden.
Was mit bereits gebuchten Reisen passiert
Die Reedereien versuchen zuerst, ihre Reisen auf andere Strecken umzurouten. Nicko Cruises berichtet, dass die meisten Gäste Verständnis zeigen und zum Beispiel statt einer Mosel-Reise auch die Niederlande und Belgien akzeptieren. Diese Erfahrung macht auch Viva Cruises aus Bonn, wie Jutta Rossié feststellt: "Der Großteil der Gäste, insbesondere unsere von weiter weg anreisenden internationalen Kunden, möchte reisen und freut sich, wenn der geplante Urlaub selbst mit leichten Änderungen dennoch stattfinden kann."
Auch Phoenix Reisen aus Bonn bietet Reisenden an, gebuchte Flusskreuzfahrten auf Donau, Mosel und Rhein umzubuchen. Mit Abfahrt bis zum 14. August ist das kostenlos möglich. Reisen durch die Niederlande und Belgien sind davon ausgenommen.
Sollten die Passagiere die Alternativroute nicht akzeptieren, bieten die Reedereien in der Regel an, die Reise zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Sollte das ebenfalls keine Option sein, erstatten Nicko Cruises und Viva Cruises nach eigener Aussage den Reisepreis.
Niedrigwasser kann für Reedereien teuer werden
Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, können die Reedereien aktuell noch nicht beziffern. Sie sind grundsätzlich saisonale niedrige Wasserstände seit vielen Jahren gewohnt und darauf vorbereitet. Doch dieses Jahr sind die Wasserstände bereits sehr früh extrem niedrig. Viele NRW-Städte melden historische Rekorde bei niedrigen Pegeln.
"Wir leben seit 35 Jahren mit dem saisonalen Phänomen Niedrigwasser. In diesem Jahr geht die Situation aber über das normale Maß hinaus." Sandra Huck, Pressesprecherin Nicko Cruises
Bisher habe Nicko Cruises noch keine Rheinreise absagen müssen. Die Fahrten seien auf andere Strecken verlegt worden. In den nächsten Tagen könne sich das aber erstmals ändern, so Sandra Huck. Auch für die Köln-Düsseldorfer wird die Lage zunehmend schwieriger, solange die Reederei wichtige Strecken auf dem Mittelrhein nicht bedienen kann. Viva Cruises verweist darauf, als einziger Anbieter ganzjährig Flusskreuzfahrten anzubieten, während andere von Januar bis März pausierten. So starte das Unternehmen mit einem "Puffer" in die Hauptsaison.
Alles hängt davon ab, wann ausreichend Niederschlag fällt. Kurzfristige und lokal begrenzte Gewitter mit Starkregen reichen dafür nicht aus. Entscheidend seien ausreichende Regenmengen am Oberrhein und den Zuflüssen, sagt Nicole Becker von der Kölner-Düsseldorfer.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Nicko Cruises
- WDR-Interview mit Köln-Düsseldorfer
- WDR-Anfrage Viva Cruises
- Auskunft Phoenix Reisen
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 04.08.2026, 13:35 Uhr