Der Rhein wird neu vermessen
Bildquelle: dpaAktuelle Stunde . 04.08.2026. 41 Min. 2 Sek.. UT. Verfügbar bis 04.08.2028. WDR. Von Sebastian Auer.
69 Zentimeter zeigt der Pegel am frühen Dienstagmorgen in Köln. Das ist zwar knapp über dem Tiefstand vom Wochenende, aber wohl nur eine kleine Erholung. Die Meteorologen erwarten weiter viel Sonnenschein und kaum Niederschlag. Eine Wende ist also nicht in Sicht.
Start der Rheinmessung
Die niedrigen Pegelstände nutzt jetzt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, um neue Informationen über die Rheinhöhe zu erhalten. Insgesamt fünf Schiffe sind seit Dienstag unterwegs, um die Strecke von Oberwinter bis in die Niederlande zu messen. Diese Messungen werden zwar regelmäßig gemacht, aber jetzt können die Schiffe Daten über Rekordtiefstände sammeln, die es so bisher noch nie gab.
"Das besondere ist einfach dieser extreme Niedrigwasserstand. Wir kennen das aus den Medien, dass die Schiffe hier kaum noch fahren können. Wir versuchen jetzt neue Kennwerte rauszukriegen, um die Schifffahrt zu optimieren." Mario Kurtenbach, Wasserbaumeister im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein
Verbesserung der Schifffahrt
Die gesammelten Daten nutzt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt zum Beispiel für Rechenmodelle, die helfen sollen, Wasserstände vorherzusagen, oder Bauprojekte zu planen, bei denen die Rhein-Fahrrinne ausgebaut werden soll. Dabei wird auch geschaut, wie sich Baumaßnahmen auf den Wasserstand und das Flussbett auswirken könnten.
Messung der Wasseroberfläche
Um Daten über die Höhe des Rheins zu erhalten, messen die Schiffe den Wasserspiegel. Das heißt, es wird hier der Abstand der Wasseroberfläche zum Meeresspiegel gemessen. Man nimmt den Abstand zum Meeresspiegel und nicht zum Flussboden, da der Abstand der Wasseroberfläche zum Flussboden keine genauen Daten liefern würde. Denn der Flussboden ist uneben, der Meeresspiegel als Bezugspunkt aber immer gleich. Die Schiffe sollen die Messungen diese Woche noch abschließen.
Vermessungsschiff Cassius auf dem Rhein bei Oberwinter
Bildquelle: WDR/Nadine MichollekNiedrigwasser macht Transport teurer
Dass die Schifffahrt auf dem Rhein trotzdem weiterläuft, liegt daran, dass die Fahrrinne deutlich tiefer ist als die 69 Zentimeter am Kölner Pegel. Allerdings können viele Schiffe derzeit nur noch zu einem Fünftel beladen werden. Es müssen also deutlich mehr Schiffe eingesetzt werden, um dieselbe Menge zu transportieren. Das macht Transporte teurer. Zudem kann der Fluss nicht mehr über die gesamte Breite befahren werden.
"Das Niedrigwasser dürfte rund 0,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr kosten." Mona Neubaur, NRW-Wirtschaftsministerin (Grüne)
"Weniger Ladung auf den Schiffen macht Transporte teurer - das spüren wir am Ende bei Sprit- und Baustoffpreisen. Hitzeschäden an Straßen und Schienen bedeuten Ausfälle im Alltag", sagt Neubauer. Sie fordert mehr Maßnahmen zur Klimaanpassung. Das schütze Arbeitsplätze, halte Preise stabil und sichere die Versorgung.
IHK: Zu wenig Geld für Wasserstraßen
Die aktuellen Tiefstände sorgen auch dafür, dass aus der Wirtschaft Forderungen nach einer Vertiefung des Rheins kommen. Ocke Hamann von der IHK Duisburg kritisiert, dass die Wasserstraßen vom Bund vergessen werden: "Für kommendes Jahr sind 1,7 Milliarden Euro eingeplant, der Bedarf liegt bei 2,5 Milliarden Euro. Seit Jahren ist die Wasserstraße finanziell unterversorgt und hat keine verlässliche Finanzierung."
Hamann ist sich da mit dem grünen NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer einig. "Wir haben einen Bereich, der fertig geplant ist, da könnte morgen mit dem Bau begonnen werden", sagte Krischer im ZDF-Morgenmagazin: "Da fehlen nur die Mittel des Bundes." Diese seien aus für ihn unerfindlichen Gründen im vergangenen Jahr gestrichen worden. Die Maßnahmen zur Fahrrinnen-Optimierung im Rhein würden in der aktuellen Niedrigwasser-Situation erheblich helfen.
Task Force Niedrigwassser
Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will am Donnerstag, 6. August 2026, kurzfristig eine Fachkonferenz in Bonn zum Thema Niedrigwasser veranstalten. NRW-Minister Krischer hatte bereits die Einrichtung einer nationalen Task Force, wie es sie schon beim letzten Niedrigwasser 2018 gegeben habe, gefordert. Bund, Länder, Kommunen und Logistikunternehmen sollten sich zusammensetzen, um über die Probleme zu reden.
Mögliche Themen hatte Krischer auch schon genannt. Die Einrichtung zusätzlicher Lagerplätze für Gefahrgüter in Häfen, zusätzliche Bahnverbindungen und eine Priorisierung, welche Waren besonders dringlich transportiert werden müssten.
Von einer kurzfristigen Entspannung der Situation gehen weder der Minister noch Meteorologen aus. Dass jetzt schon im Juli niedrige Pegelstände gemessen wurden, gibt wenig Hoffnung. Denn normalerweise gibt es erst im Spätsommer oder Herbst solch extremes Niedrigwasser.
Unsere Quellen:
- IHK NRW
- Nachrichtenagenturen Reuters, dpa, lnw
- Wasserschifffahrtsamt Rhein
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 03.08.2026, 13:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 04.08.2026, 18:45 Uhr

