Der Duisburger Binnenhafen ist in diesen Tagen voll. Ein Schiff neben dem anderen liegt an den Kaimauern und die Container stapeln sich auf den Terminals bis zum Horizont. "Die Auslastung ist derzeit extrem hoch", sagt Kevin Gründer, der bei der Hafengesellschaft Duisport für die Terminals zuständig ist, "es ist ein täglicher Kampf, jedes Loch wird ausgenutzt".
Das liegt daran, dass der Rhein von der Nordsee kommend nur noch bis Duisburg gut befahrbar ist. Der Pegel lag dort am Donnerstag bei 1,54 Meter. Das ist sehr wenig, aber noch ausreichend für Binnenschiffe, zumindest dann, wenn sie ihre Ladung deutlich reduzieren.
Weiter stromaufwärts wird es für die großen Schiffe zu flach, sie könnten auf Grund laufen. Darum steuern viele die Häfen in Köln, Düsseldorf oder Mainz nicht mehr an.
Teurer Transport mit Lkw und Zügen
Das heißt, am Duisburger Hafen werden tausende Tonnen an Gütern auf Züge und Lkw umgeschlagen, die normalerweise mit dem Schiff Richtung Süden gebracht werden. Für die Speditionsunternehmen ist das eine riesige Herausforderung. Eine Schiffsladung Raps zum Beispiel muss auf einhundert Lastwagen verteilt werden. Die zusätzlichen Lkw und ihre Fahrer werden dafür vor allem im Ausland angeworben.
Damit mehr Güter über die Straße transportiert werden können, hat Bundesverkehrsminister Bilger (CDU) bereits angekündigt, das Sonntagsfahrverbot für Lkw zeitlich befristet auszusetzen. Außerdem habe er die bundeseigene Autobahn GmbH angewiesen, in den nächsten Wochen auf Baustellen zu verzichten, die nicht zwingend nötig seien.
Steigende Transportkosten kommen bei Verbrauchern an
"Natürlich ist der Transport mit 100 Lkw teurer als mit einem Binnenschiff", sagt Rüdiger Ostrowski vom Verband Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen, "das könnte die Produkte um ein paar Cent teurer machen." Per Binnenschifffahrt würden Massengüter transportiert, wie Getreide, Eisenerz oder Raps. Und darum könnte die Margarine, die aus dem Raps gemacht wird, auch teurer werden, "die kostet dann vielleicht 1,95 Euro statt 1,90 Euro pro Packung".
Eine Sprecherin der Rewe-Gruppe beteuert auf WDR-Anfrage, dass Rewe die Versorgung weiterhin gewährleisten wird. Sie gibt allerdings keine Auskunft darüber, wie sich die Preise in Zukunft entwickeln werden.
Niedrigwasser als Risiko für die Konjunktur
Marion Hörsken von der Industrie- und Handelskammer geht davon aus, dass die höheren Transportkosten in vielen Bereichen bei den Menschen ankommen werden. "Die Unternehmen werden die zusätzlichen Kosten schwer selber tragen, weil die Situation in vielen Branchen derzeit eh sehr angespannt ist." Sie befürchtet, dass durch steigende Preise die Konsumlust der Verbraucher abgewürgt wird und damit das Niedrigwasser die Konjunktur insgesamt ausbremst.
Logistikexperte Prof. Dr. Bert Leerkamp von der Bergischen Universität Wuppertal empfiehlt, größere Lagerreserven anzulegen. So könnten Phasen, in denen Ware nicht auf den Weg gebracht werden kann, überbrückt werden. Denn er denkt nicht, dass Straße oder Schiene die Ausfälle in der Binnenschifffahrt kompensieren können. Es bräuchte auf den Autobahnen zu viele Lkw und Fahrer. Und die Güterzüge müssten über den Knotenpunkt Köln - der ohnehin schon überlastet sei und keine zusätzlichen Trassenkapazitäten für weitere Züge habe.
Deutsche Bahn: Kapazitäten sind da
Dem widerspricht die Deutsche Bahn. Das Bahnnetz sei so dicht gewebt in Deutschland, da würden die Güterzüge einfach da entlang fahren, wo gerade Strecken frei sind. Der Weg über Köln sei nicht immer notwendig, sagt ein Bahnsprecher auf WDR-Anfrage und betont, dass anders als beim Lkw auf einen langen Güterzug genauso viel Fracht wie auf ein Schiff passt.
Grundsätzlich dürften gerne noch Unternehmen auf die Schiene umsteigen: "Wir fahren, was geht." Allerdings wäre dann auch eine vertragliche Bindung wichtig, damit die Bahn mit den Kunden weiter planen kann. Bei kurzfristiger Unterstützung könnten Wagen aus anderen europäischen Ländern angemietet werden - aber auch dann sei eine kurze Vertragsbindung wichtig, zum Beispiel für etwa ein Jahr.
Die Deutsche Bahn stellt bereits eine erhöhte Nachfrage nach Gütertransporten entlang des Rheins und seiner Zuflüsse fest. Insbesondere die Nachfrage nach Kohletransporten sei stark gestiegen.
Spritpreise steigen dadurch wahrscheinlich nicht
Immerhin gehen Experten davon aus, dass die Spritpreise durch die erhöhte Nachfrage nach Lkw-Transporten nicht weiter in die Höhe getrieben werden. Eine weitere gute Nachricht: Weil die Straßen im Moment wegen des Sommerlochs eher leer sind, wird es durch die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße zumindest während der Sommerferien voraussichtlich keine zusätzlichen Staus geben.
Auswirkungen Niedrigwasser auf die Wirtschaft an Rhein und Ruhr
Bildquelle: Oliver Berg/dpaWDR. 07.08.2026. 02:23 Min.. Verfügbar bis 06.08.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Verband Spedition und Logistik NRW
- Duisport Hafen AG
- IHK Düsseldorf
- Deutsche Bahn
- Gespräch mit Prof. Dr. Bert Leerkamp
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 07.08.2026, 7:13 Uhr