Eine Kamera filmt eine Stute mit ihrem Fohlen.

Das Fohlen-Filmen beim Westfälischen Pferdestammbuch in Münster.

Bildquelle: WDR/ Andreas Palik

Millionenmarkt Was Spitzenpferde aus NRW so wertvoll und teuer macht

Stand:

Bei der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen treten die besten Pferde an. Die sind nicht nur teuer, sie können zur Wertanlage werden - auch lange nach ihrer Wettkampf-Zeit.

Vom Fohlen bis hin zum Olympiasieger oder Weltmeister ist es ein langer Weg: von der Auswahl der Eltern über die Aufzucht und jahrelanges Training. Das kostet Geld. Ein Fohlen kann zum Beispiel 4.000 Euro auf einer Auktion kosten. Je nach Abstammung zahlen Käufer aber auch mehr als 70.000 Euro.

Die Nachfrage ist hoch, sagt das Westfälische Pferdestammbuch. Der Zuchtverband registriert Pferde, damit Besitzer die Abstammung nachweisen können, und versteigert die Tiere.

Vom Fohlen zur Wertanlage: Kosten der Ausbildung

Mit dem Kaufpreis eines Fohlens ist es längst nicht getan. Eine gute Ausbildung ist entscheidend, wenn aus einem jungen Pferd später ein erfolgreiches Sportpferd werden soll. Kai Ligges betreibt in Ascheberg in Westfalen ein Gestüt, züchtet Pferde und bildet sie aus. Er sagt: "Die Kosten für die Ausbildung belaufen sich auf etwa 1.500 Euro im Monat. Dazu kommen Tierarzt, Schmied, Turniergebühren - da kommt schon was zusammen".

Mehrere Pferde stehen auf Sand vor einem Stall.

Neben der Abstammung steigern Ausbildung und Erfolge den Wert eines Pferdes.

Bildquelle: WDR/ Andreas Palik

Bis ein Pferd drei Jahre alt ist und angeritten wird, wurden zum Teil schon 15.000 bis 20.000 Euro investiert. Wer ein bereits fertig ausgebildetes Spitzenpferd kaufen will, muss deutlich mehr zahlen: Im Spitzensport sind sechs- bis siebenstellige Summen möglich.

Genetik und Zucht: Warum Hengste aus NRW gefragt sind

Auch die Abstammung spielt eine wichtige Rolle. Besonders gefragt ist die Genetik erfolgreicher Hengste. Deshalb verkauft Ligges den Samen seiner Hengste, zum Beispiel von dem erfolgreichen Cornet Obolensky: "Der ist weltweit Nummer 1 in der Wertschätzung, er ist jetzt 27 Jahre alt und vererbt sich sehr erfolgreich". Hunderte Besamungen im Jahr können so auch wirtschaftlich interessant sein. Pro Besamung zahlen Kunden etwa 2.500 Euro.

Kai Ligges steht im Stall neben einem weißen Pferd.

Kai Ligges mit dem Hengst Cornet Obolensky, der eine lange und erfolgreiche Karriere vorweisen kann.

Bildquelle: WDR/ Andreas Palik

Trotzdem lässt sich ein Sieger nicht einfach planen. Züchter überlegen genau, welche Stute zu welchem Hengst passt. Selbst wenn Weltmeister mit Weltmeister gepaart werden, müsse daraus kein späterer Olympiasieger entstehen, sagt Thomas Münch vom Westfälischen Pferdestammbuch.

Neben der Genetik entscheiden Ausbildung und der richtige Reiter über die Entwicklung. "Da gehört auch ganz viel Glück dazu", sagt Münch. Nicht alle Pferde werden aber eine so gute Wertanlage wie Cornet Obolensky in Ascheberg. Für Züchter bleibt ein Risiko: Sie investieren über Jahre, ohne sicher zu wissen, ob das Pferd später erfolgreich wird und sich die Kosten wieder einspielen. Und wenn sich das Pferd verletzt, kann auf einen Schlag alles verloren sein.

Pferde aus NRW: Milliardenmarkt mit internationaler Nachfrage

Nach Angaben des Verbandes "Pferdesport Deutschland" setzt die Pferdewirtschaft in Deutschland mehr als sechs Milliarden Euro im Jahr um. Mehr als 10.000 Betriebe sind in der Branche beschäftigt - darunter Handwerker, Futterbetriebe und Tierärzte. Geld verdienen lässt sich später unter anderem mit Sponsoren, Preisgeldern oder erneut über die Zucht.

Die Nachfrage nach guten Fohlen und trainierten Pferden sei stabil - auch im Ausland. Mehr als 1.000 Fohlen werden vom Westfälischen Pferdestammbuch jährlich gefilmt, um sie online zu präsentieren. Seitdem der Verband Online-Auktionen veranstaltet, werden die Pferde weltweit verkauft - etwa nach Paraguay, Indonesien oder China.

"Bei uns im kleinen Verband sind die Summen noch überschaubar. Beim nächsten Olympiasieger- oder Weltmeisterpferd reden wir schon über Millionen Euro." Thomas Münch,
Westfälisches Pferdestammbuch

Auch wenn die Zuchtverbände - wie viele andere Branchen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben - die Nachfrage nach Pferden aus Nordrhein-Westfalen bleibt hoch.

So viel Geld steckt in Reitpferden

WDR 14.08.2026 3 Min. 16 Sek. Verfügbar bis 13.08.2028

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Thomas Münch vom Westfälischen Pferdestammbuch
  • WDR-Interview mit Pferdezüchter und -ausbilder Kai Ligges
  • Informationen von Pferdesport Deutschland

Sendung: WDR.de, So viel Geld steckt in Reitpferden, 14.08.2026, 05:02 Uhr

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