Fluggäste schauen auf Bildschirme

24 Stunden im Flugzeug Was Ultralangstrecken mit dem Körper machen

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Ein Airbus A350 ist bei einem Testflug von Melbourne nach Toulouse mehr als 24 Stunden nonstop geflogen. Ab Oktober 2027 will Qantas Sydney direkt mit London verbinden. Was macht das mit dem Körper der Passagiere - und wie können sie sich vorbereiten?

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Stefan Erdmann

Der Rekordflug, der gestern (28.07.20026) in Toulouse landete, war kein Probelauf mit Urlaubern, sondern ein Test mit Piloten, Ingenieuren und Messgeräten. Airbus wollte zeigen, dass der neue A350-1000ULR auch dann ans Ziel kommt, wenn Warteschleifen oder ein Ausweichflughafen die Reise verlängern. Im Linienbetrieb plant Qantas mit etwa 19 bis 21 Stunden.

Damit fällt auf dem Weg von Sydney nach London ein Zwischenstopp weg. Für manche Reisende klingt das verlockend: nicht aussteigen, nicht warten, nicht wieder einsteigen. Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth kennt solche Extremstrecken: "18 Stunden [am Stück] kann man weder schlafen noch sich sinnvoll beschäftigen. Irgendwann wird man einfach so ein bisschen rammdösig", sagt er heute im WDR-Interview.

Die Qantas A350-1000ULR auf einem Rollfeld

Die Qantas A350-1000ULR hat den Rekordflug absolviert

Ab wann wird ein langer Flug anstrengend?

"Der größte Gegner ist nicht das Fliegen, sondern die Zeit", sagt Mediziner Heinz-Wilhelm Esser heute auf WDR-Anfrage. Der Lungenfacharzt ist als "Doc Esser" aus verschiedenen WDR-Formaten bekannt. Ein einzelner 24-Stunden-Flug sei für einen gesunden Menschen in der Regel gut zu verkraften. Der Körper brauche danach aber wahrscheinlich mehrere Tage, um sich wieder an den normalen Tag-Nacht-Rhythmus anzupassen.

"Ab acht Stunden Flugdauer steigt das Risiko für Thrombosen." Heinz-Wilhelm "Doc" Esser, Mediziner

Viele Menschen empfinden laut Esser einen Flug ab dreieinhalb bis vier Stunden als anstrengend. Ab etwa acht Stunden steigt die Gefahr einer Thrombose. Hinzu kommen trockene Augen, schwere Beine und schlechter Schlaf. Noch belastender sein kann ein Extremflug für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD, schwerem Asthma oder erhöhtem Thrombose-Risiko. Bei gesunden Reisenden bleibt das Risiko für ein Blutgerinnsel insgesamt niedrig. Es steigt vor allem durch langes unbewegliches Sitzen und bestehende Risikofaktoren.

Was der Körper auf einem 20-Stunden-Flug braucht

Passagiere sollten regelmäßig aufstehen, ein paar Schritte gehen und im Sitzen die Füße kreisen oder die Waden anspannen. Wichtig ist auch ausreichend Flüssigkeit - am besten Wasser; Alkohol eher vermeiden. Wer Vorerkrankungen hat, sollte vorher mit seinem Arzt sprechen und Medikamente nicht auf eigene Faust nehmen.

Heinz-Wilhelm "Doc" Esser lächelt in die Linse einer Kamera

Mediziner Heinz-Wilhelm "Doc" Esser

Qantas baut in seinem Super-Langstrecken-A350 erstmals eine sogenannte "Wellbeing Zone" ein. Der Bereich zwischen Premium Economy und Economy steht Passagieren aus allen Klassen offen. Dort gibt es Getränke, Flächen für Dehnübungen und angeleitete Bewegungen auf Bildschirmen. Spaeth hat sich die Zone auf einer Fachmesse für Flugzeug-Ausstattung angesehen. Sein Urteil: "Das ist ganz nett, aber wirklich nicht der Game Changer, was die Erträglichkeit eines solchen Fluges betrifft."

Vertreter von Qantas und Airbus bei einer Vertragsunterzeichnung auf einem Rollfeld

Vertreter von Qantas und Airbus bei der Vertragsunterzeichnung zum "Project Sunrise" im Jahr 2022

Schlafen, essen, bewegen: Den Flug in Etappen teilen

Auch der Kopf braucht einen Plan. Statt die Reise als riesigen 20-Stunden-Block zu sehen, können Passagiere sie in Phasen teilen: essen, bewegen, ruhen, schlafen und bewusst wach bleiben. Wer ausgeschlafen einsteigt und sich vorher überlegt, wann am Ziel Tag und Nacht sind, gibt der inneren Uhr Orientierung.

"Wenn ich die Wahl hätte, würde ich lieber einen Zwischenstopp einlegen." Andreas Spaeth, Luftfahrtjournalist

Qantas will dabei mit verschiedenen Lichtstimmungen helfen. Auch die Economy bietet mehr Ausstattung als viele kurze Ferienflüge: verstellbare Kopfstützen, Beinstützen und einen Bildschirm an jedem Platz. Bequem wie ein Bett wird ein Sitz dadurch trotzdem nicht. Spaeth würde, wenn er es sich aussuchen könnte, lieber einen Zwischenstopp einlegen, herumlaufen oder duschen und sich dann auf die zweite Etappe einstellen.

Sitze in einem Qantas-Flugzeug

So soll die Economy-Klasse von Quantas bei den langen Flügen aussehen

Was der Nonstop-Flug Reisenden aus NRW bringt

Qantas verspricht Reisenden ab London bis zu vier Stunden weniger Reisezeit. Für Passagiere aus NRW fällt die Rechnung anders aus, weil sie zunächst nach London kommen und dort umsteigen müssen. Ab Düsseldorf gibt es schon heute Verbindungen nach Sydney mit nur einem Zwischenstopp, etwa über Dubai, Abu Dhabi oder Doha. Sie können ähnlich schnell sein.

Ab Köln/Bonn könnte eine gut getaktete Verbindung über London etwas Zeit sparen. Genau lässt sich das erst sagen, wenn Qantas die Flugzeiten veröffentlicht und die passenden Zubringer feststehen. Wer schneller ankommen will, wird sich über den wegfallenden Zwischenstopp womöglich freuen. Wer bei Langstrecken zwischendurch lieber festen Boden unter den Füßen hat, bleibt wahrscheinlich auch weiterhin bei zwei Etappen.

Sind 24-Stunden-Flüge die Zukunft?

WDR 29.07.2026 02:38 Min. Verfügbar bis 28.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR 2, "Sind 24-Stunden-Flüge die Zukunft?", 29.7.2026, 17.40 Uhr.

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