Höchststand Spritpreise: Aufgeschmissen auf dem Land
Bildquelle: dpa/Sven HoppeAktuelle Stunde . 03.09.2026. 23 Min. 2 Sek.. UT. Verfügbar bis 03.09.2028. WDR. Von Claudia Weber.
Der August war für viele Autofahrer besonders teuer. Super E10 kostete im Monatsdurchschnitt so viel wie nie zuvor. Diesel stieg noch stärker im Preis und war mit durchschnittlich 2,223 Euro je Liter sogar teurer als E10 mit 2,145 Euro. Der ADAC hält den Anstieg für zu hoch.
Verkauf von Elektroautos zieht weiter an
Während Tanken teurer wird, verändert sich der Neuwagenmarkt ziemlich schnell. Fast jedes dritte im August neu zugelassene Auto fährt rein elektrisch: 68.930 sind neu auf die Straße gekommen. Das sind rund 32 Prozent aller Neuzulassungen und 75 Prozent mehr als ein Jahr vorher zu der Zeit.
Diesel-Antrieb dagegen verliert weiter. Nur noch knapp elf Prozent der neuen Pkw fahren damit. Die Zahl der Zulassungen sinkt dort gegenüber August 2025 um rund 17 Prozent. Laut Kraftfahrt-Bundesamt ist sogar die Zahl der zugelassenen Benziner noch stärker zurückgegangen, im Schnitt knapp 38 Prozent.
Zum starken Plus bei Elektroautos dürfte auch die staatliche Förderung beigetragen haben. Sie gilt rückwirkend für reine Elektroautos, die seit Januar 2026 neu zugelassen wurden. Private Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von höchstens 80.000 Euro erhalten – je nach Einkommen und Kindern – bis zu 6.000 Euro Zuschuss.
Auch die verlängerte Kfz-Steuerbefreiung macht Elektroautos weiter attraktiv. Trotzdem sagt ADAC-Sprecher Fabian Faehrmann: "Förderung kann den Kauf eines Elektroautos erleichtern. Entscheidend bleibt aber, ob Laden, Reichweite und Preis im Alltag für die Menschen passen."
Rechnet sich der Diesel noch?
Die alte Regel ab 15.000 Kilometern pro Jahr lohnt sich ein Diesel gilt nach Einschätzung des ADAC nicht mehr. Ob er günstiger ist, hängt vom jeweiligen Fahrzeug und seinem Einsatz ab. Denn ein Diesel verbraucht auf langen Strecken oft weniger als ein vergleichbarer Benziner. Doch häufig kostet er mehr beim Kauf, bei der Kfz-Steuer und bei den Fixkosten. Hinzu kommt: Früher war Diesel an der Zapfsäule deutlich günstiger - jetzt im August war er sogar teurer als E10.
"Die meisten Menschen kaufen ein Auto nicht nur nach einer Kostenrechnung. Es muss vor allem zum eigenen Alltag und zum Fahrprofil passen." Fabian Faehrmann, ADAC-Sprecher
Für Vielfahrer mit langen Strecken kann ein Diesel deshalb weiter passen. Wer wenig fährt, vor allem in der Stadt unterwegs ist oder viele Kurzstrecken zurücklegt, sollte die Gesamtkosten besonders genau vergleichen.
Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des gemeinnützigen Umweltverbands VCD, rät hingegen zur Vorsicht: "Die Kosten, gerade bei Sprit, sind aktuell wieder gestiegen und sie werden auch künftig hoch bleiben." Für viele Menschen spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle: Reichweite, Anhängerbetrieb oder Ladeinfrastruktur.
Staat sucht neue Einnahmen
Der Wandel kostet den Bund langfristig Geld. Verbrenner bringen Einnahmen über die Kfz-Steuer sowie über Energie- und Mehrwertsteuer beim Tanken. Allein die Kfz-Steuer liefert jährlich knapp zehn Milliarden Euro.
Reine Elektroautos bleiben bei einer Erstzulassung bis Ende 2035 zunächst von der Kfz-Steuer befreit. Und weil sie keinen Benzin- oder Dieselkraftstoff verbrauchen, sinken bei wachsender E-Mobilität perspektivisch auch Einnahmen aus der Energiesteuer.
Zusätzlich diskutiert wird deshalb eine Ladestromsteuer. Müller-Görnert vom VCD hält das für kontraproduktiv. Und schlägt ein System vor, in dem fahrleistungsabhängig pro Kilometer gezahlt werden soll.
"Zusätzlich sollte noch nach dem CO₂-Ausstoß des Fahrzeugs gestaffelt werden, sodass auch hier Elektrofahrzeuge begünstigt sind." Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher VCD
Eine Pkw-Maut, die sich an der tatsächlichen Fahrleistung orientiert, könnte so Geld in die Staatskassen spülen, auch wenn weniger Autofahrerinnen und Autofahrer die Kfz-Steuer zahlen. Das Umweltbundesamt empfiehlt langfristig ein solches Modell.
Plug-in-Hybride: oft schlechter als gedacht
Plug-in-Hybride verbinden Batterie und Verbrenner. Im August machten sie zwölf Prozent der Neuzulassungen aus. Doch ihre Klimabilanz hängt davon ab, ob Fahrer sie regelmäßig laden.
Laut der gemeinnützigen Forschungsorganisation ICCT (International Council on Clean Transportation) stießen 2023 zugelassene Plug-in-Hybride im Alltag durchschnittlich 4,6-mal so viel CO₂ aus wie offiziell angegeben.
Der August zeigt damit zwei Seiten desselben Umbruchs: Verbrenner werden im Alltag teurer. Elektroautos prägen den Neuwagenmarkt. Und der Staat muss rechnen, wie er den Verkehr künftig besteuert.
Unsere Quellen:
- ADAC
- WDR-Interview Fabian Faehrmann, ADAC
- WDR-Interview Michael Müller Görnert, VCD
- Pressemitteilung: Kraftfahrt-Bundesamt
- Umweltbundesamt
Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 03.09.2026, 13:35 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.09.2026, 18:45 Uhr