Bürger nehmen Freibad selbst in die Hand | Aktuelle Stunde

Bildquelle: WDR/Andreas Palik

WDR 02:41 Min. Verfügbar bis 09.08.2028

Volle Becken, leere Kassen Schwimmbäder in NRW kämpfen ums Überleben

Stand:

Der Schwimmbad-Betrieb kostet sehr viel Geld. Es gibt Möglichkeiten, die Kosten zu senken und so viele Bäder in NRW zu erhalten.

Es riecht nach Freibad-Pommes, Kinder springen vom Sprungbrett ins Becken und die Sonne scheint auf die Köpfe, die aus dem Wasser gucken. Im Freibad Dellwig in Fröndenberg an der Ruhr sieht es nach einem gewöhnlichen Ferientag aus. Doch dass hier überhaupt noch geschwommen werden kann, ist alles andere als selbstverständlich. Möglich ist das nur durch Ehrenamtler wie Annette Reeske-Manthey.

Annette Reeske-Manthey hockt neben dem Becken und nimmt eine Wasserprobe.

Annette Reeske-Manthey nimmt eine Wasserprobe.

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"Wenn ich am Becken bin, passe ich auf die Badegäste auf. Ich greife im Notfall ein und ich bin für die Badegäste auch Seelsorgerin. Dreimal am Tag nehme ich eine Wasserprobe und teste auf Chlor", erzählt sie. Mehr als 100 Ehrenamtliche helfen bei der Wasseraufsicht, im Verkauf, bei der Reinigung und bei der Gartenpflege. Die Stadt hatte konnte sich diese Aufgaben nicht mehr leisten und musste das Bad 2011 schließen.

"Ich war schon in meiner Jugend hier und will, dass meine Kinder die gleiche Jugend haben wie ich: Nach der Schule ins Freibad und gammeln." Annette Reeske-Manthey,
Ehrenamtlerin

2012 konnte das Bad durch den Förderverein wieder eröffnet werden. Ein Problem bleibt: Wie fast jedes andere Schwimmbad in NRW kann sich das Freibad in Dellwig nicht nur durch die Eintrittspreise tragen. Deshalb ist Bad auf Spenden und öffentliche Zuschüsse angewiesen.

Kommunen zahlen für jeden Eintritt drauf

Der Betrieb eines Schwimmbads ist für Städte und Gemeinden teuer: Personal, Reinigung, alte Technik und Sanierungsstaus kosten viel Geld. Eine Auswertung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen geht davon aus, dass der Betrieb eines Schwimmbads im Jahr 2024 im Durchschnitt 1,4 Millionen Euro kostet. Dem stehen aber nur Erlöse von durchschnittlich 665.000 Euro im Jahr gegenüber.

Rechnerisch bleibt damit eine Finanzierungslücke, die die Städte und Gemeinde selbst schließen müssen. Pro Besuch ergibt sich für die untersuchten Bäder in NRW ein durchschnittlicher Zuschussbedarf von etwa 6,50 Euro. Eintrittsgelder allein reichen also nicht aus, um den Betrieb zu finanzieren.

Schwimmbäder werden kleiner

Wie teuer Bau und Betrieb werden können, zeigt Heiligenhaus im Bergischen Land. Dort wird das in die Jahre gekommene Kombibad "Heljensbad" geschlossen und abgerissen. Der geplante Neubau kostet mehr als 50 Millionen Euro. Obwohl die Stadt den Betrieb jährlich mit rund 1,5 Millionen Euro bezuschussen muss, wird neu gebaut.

Mehrere Menschen planschen im Freibad.

Die Wasserflächen des Heljensbad werden draußen in Zukunft kleiner.

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"50 Millionen Euro hört sich viel an. Viel günstiger bekommen Sie so ein Projekt aber nicht", sagt Andreas Sauerwein, technischer Beigeordneter der Stadt Heiligenhaus. Rund 30 Millionen Euro Förderung machen das Projekt überhaupt erst möglich. Ohne diese Unterstützung könne die Stadt den Neubau aus eigener Kraft nicht stemmen, sagt Sauerwein.

"Ein öffentliches Bad ist defizitär und ohne Fördermittel unvorstellbar." Andreas Sauerwein,
Technischer Beigeordneter Stadt Heiligenhaus
Andreas Sauerwein steht in einem leeren Hallenbad.

Andreas Sauerwein im bereits geschlossenen Hallenbad.

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Das neue Bad soll außerdem energieeffizienter werden, um Betriebskosten zu sparen. Dafür wird unter anderem die Außenwasserfläche deutlich verkleinert. Dort geht viel Wärme verloren, außerdem erhöhen größere Flächen die Baukosten. Das neue Schwimmbad wird also kleiner. Auch eine Photovoltaikanlage und Wärmepumpe soll später Energiekosten sparen.

Kommunen fordern mehr Unterstützung

Doch für solche Umbauten brauchen die Schwimmbäder Geld. Tobias Stockhoff, Präsident des Städte- und Gemeindebunds NRW, fordert mehr Investitionen des Bundes in die energetische Infrastruktur der Bäder. Effizientere Anlagen könnten vor allem die Heizkosten senken und den Betrieb günstiger machen.

Vollständig vermeiden lassen sich die laufenden Ausgaben dennoch nicht. Wasser und Hallenluft müssen weiterhin erwärmt werden, hinzu kommen Reinigung und Personal. Auch das neue Bad wird sich deshalb nicht allein durch Eintrittsgelder tragen können.

Ehrenamt allein reicht nicht aus

Auch im Freibad Dellwig hilft eine Photovoltaikanlage dabei, Energiekosten zu reduzieren. Die vielen Freiwilligen sparen zusätzlich Personalkosten. Aber auch hier sucht das Schwimmbad immer wieder nach neuen Ehrenamtlern, die sich einbringen und Aufgaben übernehmen. "Es müssen vor allem mehr jüngere Leute nachkommen", sagt Uli Bartsch, Vorstzdender des Fördervereins Freibad Dellwig.

Uli Bartsch steht vor dem Schwimmbecken.

Uli Bartsch versucht immer wieder neue Sponsoren zu finden.

Bildquelle: WDR/Andreas Palik

Ganz ohne öffentliche Zuschüsse und Spenden funktioniert aber auch dieses Modell nicht. In dem 50 Jahre alten Schwimmbad gibt es ständig etwas zu reparieren. Als Nächstes steht die Sanierung eines Beckens an.

Aber auch das werden Reeske-Manthey und die vielen anderen Ehrenamtler irgendwie hinbekommen, Probleme gab es immer wieder: "Und die haben wir auch gemeistert, das motiviert uns immer wieder. Natürlich tut man es für den Freibadgeruch, den Pommesgeruch und all das", sagt sie. "Aber man macht es auch, weil es uns etwas zurückgibt."

Wie Schwimmbäder im Betrieb günstiger werden können

WDR 07.08.2026 01:52 Min. Verfügbar bis 09.08.2028

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Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Andreas Sauerwein von der Stadt Heiligenhaus
  • Zahlen der deutschen Gesellschaft für das Badewesen
  • WDR-Gespräch mit Tobias Stockhoff, Bürgermeister Dorsten und Präsident des Städte und Gemeindebunds NRW
  • WDR-Gespräche mit den Ehrenamtlern des Freibads Dellwig

Sendung: WDR.de, Wie Schwimmbäder im Betrieb günstiger werden können, 09.08.2026, 05:03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 09.08.2026, 18.45 Uhr

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