Eine Mutter schwimmt mit ihren Kindern im Zündorfbad.
Am Morgen ist es noch ruhig im Zündorfbad im Kölner Süden. Ein paar Familien breiten ihre Handtücher aus, Kinder laufen Richtung Wasser, die Sonne steht noch nicht ganz oben. Für Björn Nickel ist das die beste Zeit, um den Tag vorzubereiten. Denn am Nachmittag, wenn die Temperaturen weiter steigen, wird aus dem entspannten Vormittag schnell Hochbetrieb.
Nickel ist Schichtleiter im Freibad, also sozusagen leitender Bademeister. Seit 2008 arbeitet er hier. Wie viele Gäste an einem Hitzetag ins Freibad kommen, lässt sich schwer vorhersagen, sagt er: "Das ist wie Lottozahlen ziehen." Aber mit mehr als 1.000 Besucherinnen und Besuchern rechnet er dann fast immer. An sehr vollen Tagen waren hier zuletzt mehr als 2.500 Menschen.
Abduschen an heißen Tagen besonders wichtig
Über eine kleine Wendeltreppe geht Björn Nickel in den Keller des Schwimmbads. In den Katakomben steht das eigentliche Herzstück - die Wasseraufbereitungsanlage. Besonders an heißen Tagen können die Maschinen an ihre Grenzen kommen: "Dann wird das Wasser lecker milchig."
Im Keller kontrolliert Björn Nickel die technischen Anlagen.
Das Problem: An sehr warmen Tagen sind besonders viele Badegäste im Wasser. Die schleppen alles mögliche mit ins Badewasser. Das beansprucht die Filteranlagen zusätzlich und die kommen im Zweifel nicht hinterher.
"Das Wasser wird halt eher schlechter, wenn man auf das Duschen verzichtet." Schichtleiter Björn Nickel
Dabei kann jeder mithelfen, die Anlagen zu entlasten und das Wasser auch bei der Hitze frisch zu halten, indem man sich vor dem Baden abduscht. So kommen Schweiß und überschüssige Sonnencreme nicht ins Wasser. "Sauberes Wasser ist also nicht nur Sache der Technik im Keller", fasst Björn Nickel zusammen.
Rettungsschwimmer in Alarmbereitschaft
Während Nickel seinen Rundgang durch die Anlage macht, hat Rettungsschwimmerin Marin Mauthe die Aufsicht am kleineren Außenbecken mit der Rutsche. Auch wenn sie angesprochen wird: Der Blick ist immer auf das Becken gerichtet.
Marin Mauthe hat das Becken immer im Blick.
Denn wenn es voll ist und dann besonders viele Kinder gleichzeitig im Wasser sind, wird es schnell wuselig, erklärt sie. Da ist auch bei heißem Wetter volle Konzentration gefragt.
"Es ist auf jeden Fall anstrengend hier draußen. Ich muss ehrlich sagen, das zehrt auch schon gut an den Kräften." Rettungsschwimmerin Marin Mauthe
Stressig wird es besonders, wenn Kinder sich nicht an die Regeln halten oder sich selbst überschätzen - wie vor eineinhalb Wochen. Ein Kind machte einen Salto vom Beckenrand, blieb hängen und erlitt eine Platzwunde am Kopf. "Und später sind die Kinder, die dabei waren, schon wieder vom Rand gesprungen", sagt sie und schüttelt den Kopf. Dabei erlebt sie mit den Badegästen auch immer wieder Diskussionen.
Baby der prallen Sonne ausgesetzt
Mittlerweile ist auch Björn Nickel wieder draußen und setzt hier seine Runde fort - er steht am großen Schwimmerbecken. Er erinnert sich an eine Geschichte vor rund zehn Jahren, die ihn schockiert hat.
Heiße Tage sind fürs ganze Team eine Herausforderung, erklärt Schichtleiter Björn Nickel.
Damals fand er bei seiner Runde neben dem Becken ein Baby im Kinderwagen - in der prallen Sonne, von den Eltern keine Spur. "Wir haben das Baby dann erst mal mitgenommen nach oben, dass es aus der Sonne rausgekommen ist", erzählt Nickel. Später kam heraus: Die Eltern waren gerade im Becken schwimmen. Deshalb appelliert er an alle Eltern, immer auf ihre Kinder aufzupassen.
So bleibt der Freibadbesuch auch bei Hitze ungefährlich
- Auf Sonnenschutz achten: regelmäßig eincremen, Plätze im Schatten suchen
- Ausreichend trinken und Pausen machen
- Bei Kleinkindern: immer zusätzlich ein Hut als Sonnenschutz
- Eltern sollten Kinder nicht aus den Augen lassen: besonders wenn es voll ist
- Mit Kindern über Gefahren sprechen und helfen, ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen
- Damit das Wasser länger frisch bleibt: duschen, bevor es ins Becken geht
Schutz auch für Retter selbst wichtig
Schutzmaßnahmen gibt es natürlich auch für die Bademeister und Rettungsschwimmer. Auch die brauchen bei dem Wetter regelmäßige Pausen und müssen aus der Sonne raus. Weil an den heißen Tagen so viele Besucher kommen, sind auch mehr Mitarbeiter als sonst im Einsatz.
Security gegen aggressive Gäste
Bei der Sicherheit müssen auch die Gäste selbst mithelfen: Die Besucher darauf hinzuweisen, sei aber nicht immer einfach. Nickel glaubt, die "Hitze steigt vielen zu Kopf". Immer wieder würden Besucher aggressiv. Deshalb sind vor allem an den heißen Tagen Security-Mitarbeiter im Einsatz. Die unterstützen die KölnBäder schon seit 20 Jahren - unter anderem auch beim Einlass oder kleineren Aufräumarbeiten.
Das Schwimmbad in Zündorf ist laut Bademeister Nickel auf jeden Fall auf den großen Ansturm an den heißen Tagen vorbereitet. Neidisch ist er auf seine planschenden Badegäste aber nicht: "Ich springe zu Hause ins Wasser, da habe ich einen eigenen Pool", sagt er und lacht.
Unsere Quellen:
- Rundgang im Zündorfbad mit Björn Nickel von den KölnBädern
- Gespräch mit Rettungsschwimmerin Marin Mauthe
- Informationen der KölnBäder
- Gespräche mit Besuchern
- Eindrücke des Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Das bedeuten die Hitzetage für Bademeister in Köln, 12.07.2026, 05:03 Uhr
