Menschen in Langenberg bauen ihr eigenes Schwimmbad

WDR 02:26 Min. Verfügbar bis 29.05.2037

Schwimmbäder in NRW Menschen in Langenberg bauen ihr eigenes Schwimmbad

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Ein Bürgerverein will ein eigenes Schwimmbad bauen, ohne die Kommune zu belasten. Das Modell aus dem Kreis Gütersloh könnte Schule machen.

Wenn 20 Kinder im Alter von etwa zehn Jahren ihr Schwimmtraining in einem kleinen Hallenbad absolvieren, dann ist es so laut, dass ein Schützenfest wie ein friedlicher Ort der Ruhe und der inneren Einkehr wirkt.

Schwimmtrainerin mit Leidenschaft

Katja Löppenberg steht, von dieser Soundkulisse völlig unbeindruckt und routiniert, am Beckenrand, verschränkt die Arme und blickt auf das Wasser. "Kopf runter, Arme durch!" Ein Junge korrigiert seinen Zug, sie nickt. Zwei Kinder am anderen Ende brauchen eine Pause, Löppenberg ist schon da, sagt etwas, beide lachen, dann geht es weiter.

Schwimmtrainerin Katja Löppenberg steht am Beckenrand.

Kann sich Langenberg ohne Schwimmbad kaum vorstellen: DLRG-Übungsleiterin Katja Löppenberg.

In der Halle riecht es nach Chlor, die Kacheln glänzen feucht. Draußen ist es ein ganz normaler Donnerstagabend in Langenberg im Kreis Gütersloh. Hier drin ist, wie immer, Hochbetrieb.

Erinnerungen aus der Schulzeit

Löppenberg, 37, ist Übungsleiterin bei der DLRG Langenberg. Sie schwimmt in dieser Halle, seit sie denken kann. Mit 13 Jahren hat sie hier angefangen, ehrenamtlich als Trainerin mitzuarbeiten. Mit 15 kam der Leistungssport, Weltmeisterschaften mit der DLRG.

"Diese Halle war während meiner Schulzeit mein zweites Zuhause", sagt sie. "Ich hab zwischenzeitlich überlegt, einfach eine Luftmatratze reinzulegen und gar nicht mehr nach Hause zu fahren." Fünfmal die Woche Training, dreimal die Woche Trainingstätigkeit, neben der Schule. Jetzt trainiert sie die nächste Generation. Aber wie lange noch?

Lehrschwimmbecken in Langenberg: Risse, Schäden, keine Perspektive

Das Lehrschwimmbecken in Langenberg ist marode, Wasser versickert, der Keller ist nass und gleicht einer Tropfsteinhöhle. Die Südwand wird mit einer Behelfskonstruktion aus Betonklötzen und Holzpfosten abgestützt. Das Gebäude weist irreparable Schäden auf, ein Neubau ist unausweichlich.

Das Problem: Die Gemeinde hat rund 8.500 Einwohnerinnen und Einwohner und kann sich weder Sanierung noch Neubau aus eigener Kraft leisten. Rund 11 bis 16 Millionen Euro würde ein Ersatzbau kosten. Kaum eine Kommune dieser Größe kann sich so etwas leisten.

Feuchter Keller unterhalb des Schwimmbeckens.

Wasser tropft durch die Decke in den Keller.

Eine kreative Lösung aus der Bürgerschaft

Carsten Pilz, 49, ist Geschäftsführer der Langenbad gGmbH. Er ist einer von drei Bürgern, die sich zusammengetan haben, um eine Lösung zu suchen. Ihr Modell: ein Förderverein in Kombination mit einer gemeinnützigen GmbH. Weil die gGmbH nicht an das öffentliche Vergaberecht gebunden ist und keine Umsatzsteuer zahlt, würden die Baukosten deutlich sinken.

Eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die ausschließlich gemeinnützige Zwecke verfolgt. Weil sie keine Gewinne ausschüttet, ist sie von Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit und zahlt keine Umsatzsteuer.

Außerdem ist sie nicht an das öffentliche Vergaberecht gebunden, das für Kommunen gilt. Beides macht Bauprojekte deutlich günstiger als in kommunaler Hand. Finanziert wird sie über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Kredite und Fördermittel.

"Wir als Kommune können es alleine nicht", sagt Pilz. "Die gGmbH ist im Grunde die einzige Möglichkeit, die wir haben."

Carsten Pilz vom Förderverein Langenbad e.V. steht vor dem alten Gebäude.

Carsten Pilz will mit dem Förderverein Langenbad e.V. ein neues Bad bauen.

Über 1.000 Mitglieder

Innerhalb von etwa einem halben Jahr hat der Förderverein mehr als 1.000 Mitglieder gesammelt, jeder achte Einwohner im Ort. "Die Leute sagen damit: Ja, ich will das", sagt Pilz. Den Kredit für den Neubau will die gGmbH über die NRW.Bank aufnehmen, was eine sechsstellige Ersparnis an Zinslast bringen würde.

Die Kommunalpolitik unterstützt das Vorhaben, soll aber dennoch einen finanziellen Beitrag zur Unterhaltung des Bades leisten. Auch dafür fehlt noch die Grundlage: Fördergelder des Landes NRW.

Der Blick nach Düsseldorf

Am Dienstagabend, 2.Juni, kommen Landtagspräsident André Kuper (CDU), Grünen-Fraktionsvorsitzende Wibke Brems, SPD-Landtagsabgeordneter Thorsten Klute und Britta Götz von der NRW-Staatskanzlei nach Langenberg.

Sie sehen sich die marode Schwimmhalle an und diskutieren mit Bürgerinnen und Bürgern. "Wir versuchen, den Scheinwerfer auf Langenberg zu legen", sagt Pilz.

"Nehmt uns wahr! Seht, was wir hier machen!" Carsten Pilz, Geschäftsführer Langenbad gGmbH

Vorbildprojekt für andere Kommunen

Pilz ist überzeugt, dass das Modell weit über Langenberg hinaus relevant ist. Viele kleine Kommunen stehen vor denselben Fragen: Wie finanziert man notwendige Infrastruktur, wenn das Geld fehlt? Läuft alles nach Plan, soll Ende 2026 der Spatenstich erfolgen. Ab 2028 könnte in Langenberg im bürgerfinanzierten Neubau geschwommen werden.

Katja Löppenberg würde das gerne erleben. An diesem Abend ist das Traininger für sie und ihre Jungs beendet, die nächste Gruppe wartet schon.

Menschen in Langenberg bauen ihr eigenes Schwimmbad

WDR 30.05.2026 01:39 Min. Verfügbar bis 29.05.2028

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Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Förderverein Langenberg e.V.
  • Langenbad gGmbH

Sendung: WDR.de, Bürgerschwimmbad Langenberg, 29.05.2026, 10:20 Uhr

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 29.05.2026, 19:30 Uhr

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