Preise über zwei Euro pro Liter - mittlerweile ein gewohnter Anblick.
Bildquelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.Hohe Preise an der Zapfsäule : Was Tankrabatt und Preisdeckel bringen könnten
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Tanken kostet wieder deutlich mehr als zwei Euro pro Liter. Besonders für Pendler und Haushalte mit wenig Einkommen kann das zur Belastung werden. Die Politik diskutiert deshalb über neue Entlastungen - vom Tankrabatt bis zum Preisdeckel. Doch jede der Ideen hat einen Haken.
Die Spritpreise in Deutschland sind seit dem Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni wieder auf deutlich über zwei Euro pro Liter gestiegen. Das sie bald wieder sinken, gilt als unwahrscheinlich. Auch die anhaltende Krise am Persischen Golf sorgt für Unsicherheit auf den Energiemärkten.
Für viele Haushalte werden die hohen Preise damit zunehmend zur Belastung. Besonders stark können die hohen Energiepreise Menschen mit geringem Einkommen treffen. Im Niedriglohnsektor - mit einem Stundenlohn von weniger als 14,32 Euro - arbeiteten in NRW nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 1,5 Millionen Menschen (April 2025). Das entspricht fast 18 Prozent aller Jobs im Bundesland.
Rund fünf Millionen Pendler in NRW
Betroffen sind auch Millionen Pendlerinnen und Pendler. Rund fünf Millionen Menschen in NRW pendelten im Jahr 2024 über die Grenzen ihres Wohnortes hinaus zur Arbeit, so das Statistische Landesamt. Das meistgenutzte Verkehrsmittel ist dabei das Auto.
Tanken ist in diesen Monaten ein echtes Ärgernis - vor allem für Vielfahrer und Pendler.
Bildquelle: dpa/Sven HoppeDie Frage ist deshalb: Wie lassen sich Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der hohen Energiepreise entlasten? Darüber diskutieren Parteien, Ökonomen sowie Sozial- und Wirtschaftsverbände. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat unter anderem Direktzahlungen ins Spiel gebracht. Doch auch ein neuer Tankrabatt, eine niedrigere Stromsteuer oder ein Preisdeckel werden diskutiert - und jeder Vorschlag hat Vor- und Nachteile.
Was würde ein neuer Tankrabatt bringen?
Von Anfang Mai bis Ende Juni 2026 senkte die Bundesregierung die Steuern auf Diesel und Benzin. Durch die Steuersenkung von 14,04 Cent pro Liter und den zusätzlichen Effekt bei der Mehrwertsteuer zahlten Autofahrerinnen und Autofahrer 16,7 Cent weniger pro Liter.
Tankrabatt - was sind die Vor- und Nachteile?
Bildquelle: Philip Dulian/dpaDie Maßnahme senkte die Spritpreise zeitweise, war allerdings teuer und wenig zielgerichtet. Denn vom Rabatt profitierten unabhängig vom Einkommen alle Autofahrer mit einem Diesel- oder Benzinfahrzeug, also auch Gutverdienende und Menschen mit großen, verbrauchsstarken Autos. Die Bundesregierung veranschlagte für den Tankrabatt Steuerausfälle von 1,6 Milliarden Euro. Die Linke hat aktuell in einer Kleinen Anfrage im Bundestag nachgefragt, ob diese Schätzung tatsächlich eingetroffen ist.
Würde eine niedrigere Stromsteuer helfen?
Eine andere Idee ist, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Dafür plädiert Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch. Der Sprit an der Tankstelle würde dadurch zwar nicht günstiger. Haushalte könnten aber an anderer Stelle bei ihren Energiekosten entlastet werden.
Sprit teuer, Strom günstig - eine Möglichkeit, um Kosten zu sparen?
Bildquelle: picture alliance / ZoonarAuch dieser Vorschlag hätte seinen Preis: Dem Staat würden Steuereinnahmen entgehen. 2025 lagen die Einnahmen aus der Stromsteuer bei 5,9 Milliarden Euro. Zudem wäre auch eine niedrigere Stromsteuer keine gezielte Unterstützung für Menschen mit geringem Einkommen, sondern würde grundsätzlich alle Haushalte entlasten.
Kann ein Preisdeckel den Sprit günstiger machen?
Der Sozialverband Deutschland, die Gewerkschaft Verdi und Politiker der SPD fordern stattdessen einen Preisdeckel, also einen staatlich festgelegten Höchstpreis für Benzin und Diesel. Als Vorbild wird unter anderem Luxemburg genannt.
SPD-Fraktionsvize Armand Zorn schlägt ein Modell vor, bei dem auf Basis des Ölpreises sowie der Verarbeitungs- und Vertriebskosten ein maximaler Abgabepreis für Benzin und Diesel im Einzel- oder Großhandel bestimmt wird. Dieser soll anhand einer transparenten Formel in Verhandlungen zwischen Mineralölkonzernen und Regierung festgelegt werden. Auch ein Preisdeckel würde allerdings nicht gezielt Menschen mit geringem Einkommen entlasten. Kritiker warnen zudem vor möglichen Marktverzerrungen.
Wäre eine Übergewinnsteuer besser?
Auch die sogenannte Übergewinnsteuer ist wieder Teil der politischen Debatte. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will sich erneut auf EU-Ebene dafür einsetzen, teilte ein Sprecher des Finanzministeriums mit. Die Idee dahinter: Besonders hohe Gewinne von Mineralölkonzernen sollen zusätzlich besteuert werden. Der Staat könnte dadurch einen Teil dieser Gewinne abschöpfen und zusätzliche Einnahmen erzielen.
Allerdings ist auch dieser Vorschlag umstritten. Viele Volkswirte kritisieren, dass sich nur schwer festlegen lässt, ab wann ein Gewinn tatsächlich als "Übergewinn" gilt.
Eine einfache Lösung gibt es nicht
Damit werden im Wesentlichen dieselben Instrumente diskutiert wie bereits zu Jahresbeginn. Eine einfache und gleichzeitig zielgerichtete Lösung gegen die hohen Spritpreise zeichnet sich nicht ab: Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen könnten Verbraucherinnen und Verbraucher zwar entlasten, würden den Staat aber viel Geld kosten oder unabhängig vom Einkommen auch Menschen zugutekommen, die nicht auf Unterstützung angewiesen sind.
Deshalb wird auch über Entlastungen jenseits der Zapfsäule diskutiert. Eine Möglichkeit wäre etwa eine Neuauflage des Neun-Euro-Tickets für den ÖPNV. Der Wirtschaftsrat der CDU, ein CDU-naher Lobbyverband, fordert zudem ein härteres Vorgehen des Bundeskartellamts gegen Mineralölkonzerne.
Unsere Quellen:
- Statistisches Landesamt IT.NRW
- Bundestag
- Nachrichtenagenturen
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 15.09.2026, 13:35 Uhr.