Im Schnitt sechs Cent pro Liter Superbenzin war die Gewinnmarge in den ersten zwei Wochen nach Einführung der 12-Uhr-Regel höher als in den zwei Wochen davor. Die Mineralölkonzerne haben die Preise für Benzin also stärker erhöht als nötig und so mehr Gewinn gemacht.
Forscherinnen und Forscher des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) haben zusammen mit Kollegen des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Preise vier Wochen lang beobachtet und verglichen.
Zu den Gewinnmargen beim Diesel können die Studienmacher allerdings keine eindeutige Aussage treffen, weil die Preise in dieser Zeit zu stark schwankten.
Vor allem kleinere Ketten verdienen
Die Preise an rund 15.000 Tankstellen haben die Forschenden mithilfe der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe verglichen. Dabei stellten sie auch fest, dass vor allem kleinere Tankstellenketten und freie Tankstellen von höheren Gewinnmargen profitiert haben.
Größere Ketten wie Shell, Aral oder Jet hätten sich anscheinend nicht getraut, höhere Preise aufzurufen, weil sie kartellrechtliche Prüfungen fürchteten.
Studie zur 12-Uhr-Regel bei Benzinpreisen
WDR Studios NRW. 26.04.2026. 00:35 Min.. Verfügbar bis 25.04.2028. WDR Online.
Hintergrund sind vor kurzem beschlossene Verschärfungen beim Kartellrecht. Marktbeherrschende Konzerne müssen bei Preissprüngen neuerdings darlegen können, ob diese sachlich gerechtfertigt sind. Würden die Großen der Branche ihre Margen jetzt stark erhöhen, könnte für sie außerdem die Gefahr wachsen, dass die Politik stärker in ihre Preisgestaltung eingreift.
Preise im Süden höher als im Westen
Die Analyse der Tankpreise zeigt aber auch: In Süddeutschland waren die Preise an der Zapfsäule sogar noch ein bisschen höher als bei uns in NRW. Die Studienmacher schätzen, dass das daran liegt, dass vor allem in Baden-Württemberg und Bayern das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen höher ist als bei uns. Also die Menschen dort generell mehr Geld zur Verfügung haben.
Dort ist im Analysezeitraum der Liter Benzin im Schnitt noch über einen Cent teurer gewesen als in NRW, was zum Teil aber auch an Unterschieden in den Lieferketten und der Art der Rohölbeschaffung gelegen haben könnte.
Was hatte sich die Politik von der 12-Uhr-Regel versprochen?
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die Einführung der Regel vor allem mit mehr "Verlässlichkeit bei der Preisinformation" und "mehr Wettbewerb" begründet. Zuvor hatten verschiedene Tankstellen-Ketten ihre Preise im Laufe eines Tages so häufig geändert, dass die Suche nach dem billigsten Anbieter extrem schwer werden konnte. Die Bundesregierung ging davon aus, dass die bessere Vergleichbarkeit automatisch zu mehr Konkurrenz und zu niedrigeren Preisen führen werde.
12-Uhr-Regel hat eher das Gegenteil bewirkt
„Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich“, sagt die Autorin der Studie Leona Jung vom DICE. Immerhin: Dadurch, dass die Tankstellen nur um 12 Uhr ihre Preise erhöhen dürfen, können Autofahrer ihre Tankfüllung besser planen.
Gab es vorher innerhalb eines Tages noch viele Preisschwankungen in beide Richtungen, sinken die Preise seit Beginn der 12-Uhr-Regel innerhalb von 24 Stunden kontinuierlich ab, bis sie am nächsten Tag um 12 Uhr wieder erhöht werden.
Vormittags sind die Preise am niedrigsten
Zwischen 11 und 12 Uhr ist Tanken momentan am günstigsten. "Die Margen sind vormittags am kleinsten, aber nicht unbedingt kleiner als vor Einführung der 12-Uhr-Regel", sagt DICE-Direktor Justus Haucap. Heißt: Wer kann, sollte vormittags oder zumindest morgens tanken.
Doch nicht jede Person hat Zeit, so früh zur Tankstelle zu fahren. Vor Beginn der Regelung haben das viele Autofahrerinnen und -fahrer am Abend zu oft relativ günstigen Preisen erledigt. Es fehlen öffentliche Daten, wie viele Menschen jetzt stattdessen am Vormittag tanken.
Ölkonzerne profitieren von 12 Uhr - Regelung
WDR. 27.04.2026. 05:16 Min.. Verfügbar bis 26.04.2028. WDR Online. Von Louisa Schmidt.
Ob die Sprit-Preise ohne die 12-Uhr-Regel gesunken wären, geht aus der Studie nicht hervor. Was aber feststeht: Gesunken sind die Preise seitdem nicht. "Vieles spricht dafür, dass die Folgen der neuen Regel im Durchschnitt negativ sind", so Haucap.
Nachbesserungen bei 12-Uhr-Regel gefordert
Der Ökonom empfiehlt eine Änderung nach dem Vorbild Österreich. Dort erscheinen in Preisvergleichsapps nur 50 Prozent der Tankstellen, und zwar die günstigsten. "Analysen belegen recht deutlich, dass dieser Mechanismus zu Preissenkungen führt." Denn jede Tankstelle versuche, in den Apps angezeigt zu werden. "Dummerweise haben wir diesen Teil der Regel nicht übernommen."
Auch über den Zeitpunkt, zu dem die Tankstellen die Preise einmalig erhöhen dürfen, könne man nachdenken. "Um 20 Uhr könnte ein besserer Zeitpunkt sein", so Justus Haucap. Denn viele Menschen tanken normalerweise zwischen 18 und 20 Uhr. Das wäre dann vor dem Zeitpunkt, zu dem die Takstellen ihre Preise eröhen. Aktuell ist vorgesehen, dass das Gesetz zur 12-Uhr-Regel nach einem Jahr überprüft wird.
Unsere Quellen:
- Studie des Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) zusammen mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
- Interview mit Leona Jung vom DICE
- Interview mit Justus Haucap vom DICE
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 26.4.2026, 12.45 Uhr
Kommentare zum Thema
Jeder der auf ein Auto angewiesen ist, hat Mal Pech, Mal Glück beim Tanken. Ich zahlte heute am Nachmittag 214,9 € für Super Benzin. Als ich 40 Km weiter weg war, las ich 222,9 € und höher. Um so öfter ich an Ballungsgebiete vorbei kam, um so mehr teuer wurde der Spritpreis. Die große Nachfrage, die Auto- Schlangen da setzen die Konzerne anscheinend den Preis höher als in ländlichen Gegenden. Wer kann es von uns ändern? Wir müssen es hinnehmen, gerade dann, wenn der Tank anfängt leer zu werden.
⛽214,9 Cent! ( Bezeichnung € war gedankenlos von mir! ) Sorry!
Wundert sich wirklich ernsthaft irgendjemand darüber?!
Besonders lustig fand ich ja auch den Zufall, dass nach der Ankündigung der Preisänderung zum 01.05.2026 am Ende der letzten Woche wie von Geisterhand ein Defekt in der Markttransparenzstelle dafür gesorgt hat, dass am Wochenende keine Daten in der App ADAC Drive zwecks Preisvergleich zur Verfügung standen. Bin ja meilenweit davon entfernt, an irgendwelche Verschwörungstheorien zu glauben. Aber es gibt in der Kriminalstatistik durchaus Menschen, die behaupten, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines zufälligen Ereignisses sei mathematisch so gut wie ausgeschlossen 🙈