Mehr Kartenzahlung, weniger Bargeld
Aktuelle Stunde . 05.05.2026. 27:35 Min.. UT. Verfügbar bis 05.05.2028. WDR. Von Alexander Roettig.
Kartenzahlung immer beliebter : Kartenzahlung liegt im Trend
Stand:
Immer mehr Kunden zahlen im Supermarkt mit Karte. Gleichzeitig heben viele bei Rewe, Aldi, dm und Co. Bargeld ab. Für die Händler ein teurer Service, denn oft reicht das eingenommene Bargeld für die Auszahlungen nicht aus.
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Jetzt mitdiskutieren"Mit Karte, bitte!" Dieser Satz fällt an den Kassen immer öfter: 48 Prozent aller Einkäufe haben Kunden im vergangenen Jahr ohne Bargeld bezahlt. So viele wie nie zuvor. In diesem Jahr wird wohl die 50-Prozent-Marke geknackt. Die Karte verdrängt dann erstmals das Bargeld als beliebtestes Zahlungsmittel
Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI Retail, die am Dienstag (5. Mai 2026) auf einem Kongress in Bonn vorgestellt wurde. "Die Nutzung von Bargeld ist zuletzt stark gesunken, um etwa vier Prozentpunkte", sagt Studienautor Horst Rüter. Für die Untersuchung wurden knapp 500 Firmen mit 125.000 Geschäften befragt.
Mobiles Zahlen per Handy wird beliebter
Alexander Schäfer, Mitglied der Geschäftsführung bei Edeka Hundrieser in Essen
In den vier Supermärkten von Alexander Schäfer in Essen und Velbert ist der Trend noch deutlicher: Um die 10.000 Kunden sind dort jeden Tag unterwegs. Bargeld nutzt nur noch eine Minderheit zum Bezahlen: "Bei der Barzahlung sind wir inzwischen bei 20 Prozent, Tendenz fallend", erklärt der Geschäftsführer von Edeka Hundrieser.
Gleichzeitig sieht er, dass immer öfter mobil bezahlt wird. Mit digital hinterlegten Karten im Smartphone: "Die jüngere Generation ist da sehr stark mit dabei", sagt Schäfer. Doch auch bei den Älteren nehme das zu: "Heute sieht man auch ältere Kunden, die ganz stolz ihre Smartwatch nehmen und sagen: Ich möchte mit der Uhr bezahlen."
"Das mobile Bezahlen ist stark gestiegen im vergangenen Jahr", sagt auch EHI-Zahlungsexperte Horst Rüter. Fast zehn Prozent aller Einkäufe werden so bereits bezahlt. Ein Grund für den Boom sieht Rüter auch in den Karten von Direktbanken: Die würden oft an junge Kunden abgegeben. Für die gehöre das Zahlen per Smartphone zum Alltag.
Corona sorgte für Boom der Kartenzahlung
Ein Grund für den anhaltenden Boom beim bargeldlosen Bezahlen sei, dass in vielen Läden mittlerweile auch Kleinstbeträge mit Karte bezahlt werden können. "Corona hat da viel bewegt", sagt Rüter. Und viele Kunden, die damals erstmals die Karte genutzt hätten, seien dabei geblieben.
"Der Trend geht also klar Richtung digital und kontaktlos", erklärt Carina Peretzke vom Handelsverband NRW (HDE), der rund 100.000 Geschäfte vertritt. "Aber Bargeld wird im Alltag auch weiterhin genutzt." Das macht vielen Läden aber zunehmend Probleme – sie berichten von vorübergehenden Bargeld-Engpässen.
Bargeld abheben an der Kasse boomt
Kunden zahlen zwar immer seltener mit Bargeld. Aber sie nutzen immer häufiger das Angebot, beim Einkauf bis zu 200 Euro Bargeld abzuheben. Vor allem Lebensmittelhändler, Drogerien und Baumärkte bieten das an. Rund 15 Milliarden Euro hat der Handel auf diese Weise im vergangenen Jahr ausgezahlt. Auch das ein Rekordwert.
"Die Kunden nutzen uns relativ häufig als Geldautomat", sagt auch Supermarktbetreiber Schäfer. "Im Schnitt zahlen wir 150.000 Euro pro Woche aus. Wir können den Gesamtbetrag aber nicht über das Bargeld decken, das reinkommt." Die Folge: Um den Service weiter anzubieten, muss zusätzliches Bargeld bestellt werden. Das ist nicht umsonst: Für die Bargeldlogistik falle mittlerweile ein hoher fünfstelliger Betrag im Jahr an.
Bargeld-Knappheit an vielen Kassen
Andere Läden reagieren auf Bargeld-Knappheit, indem sie zeitweise weniger auszahlen. Insgesamt berichtet schon jedes zweite Geschäft laut Studie von vorübergehenden Bargeld-Engpässen. Das Problem könnte sich verschärfen. Denn seit Jahren sinkt die Zahl der Geldautomaten. Carina Peretzke vom HDE: "Da ist die Möglichkeit, beim Einzelhändler Bargeld abzuheben, natürlich eine sehr praktische Lösung für dieses Problem."
"Jeder zehnte Kunde bei uns im Laden nimmt Bargeld mit." Alexander Schäfer, Mitglied der Geschäftsführung bei Edeka Hundrieser in Essen
Was viele Händler dabei ärgert: Sie übernehmen einen Teil der Bargeldversorgung, die klassischerweise Aufgaben von Banken ist, müssen dafür aber zusätzlich zahlen. Auch an die Banken: Allein für die Auszahlungen an den Kassen wurden Gebühren von 21 Millionen Euro fällig.
Unsere Quellen:
- EHI-Paymentstudie für den deutschen Handel 2026
- WDR-Interview Horst Rüter, EHI Retail Institut
- WDR-Interview Andreas Schäfer, Mitglied der Geschäftsführung bei Edeka Hundrieser, Essen
- WDR-Interview Carina Peretzke, Handelsverband NRW
- Bankstellenbericht 2023 der Deutschen Bundesbank
Sendung: WDR.de, "Bargeld ist out: Studie sieht Rekord bei Kartenzahlung", 05.05.2026, 05:03 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 05.05.2026, 18.45 Uhr
Erstveröffentlichung am 05.05.2026
23 Kommentare
Kommentar 23: Thomas aus Detmold schreibt am 08.05.2026, 15:18 Uhr :
Ein Tip an Alle, und auch unabhängig vom Thema: Wählen Sie die Option „Älteste zuerst“ und lesen die Kommentare in der Eingangsreihenfolge von oben nach unten. Das erleichtert es, auf bereits bestehende, ähnlichlautende Kommentare zu verweisen, und vermeidet unnötige Wiederholungen. Die Kommentare sind durchnumeriert, also bedarfsfalls einfach auf die Nummer und vielleicht das Verfasser-Pseudonym verweisen.
Kommentar 22: Cashcrops schreibt am 08.05.2026, 14:48 Uhr :
Tja, dann sollte jeder Kunde im Supermarkt, der mit Bargeld zahlt und die geschröpften Kassen wieder etwas auffüllt, eine kleine Belohnung bekommen, z.B. Mini-Packungen mit Schokolade oder Gummibärchen...
Kommentar 21: Franziska 1 schreibt am 06.05.2026, 23:16 Uhr :
Bargeld kann nur einmal ausgegeben werden. Ist der Geldbeutel leer, dann geht kein Shopping mehr. Bei einer Karte immer, bis Schulden auflaufen? Wie sollen Kinder lernen mit Geldwerte umzugehen, dass sie nicht mehr in den Händen haben? Mathematische Zahlen lesbar schützt weder Kind noch den Erwachsenen der nach dem Spruch lebt: Was kostet die Welt, ich lebe nur einmal auf der Erde! Mit Karte oder Handy zahlen hat diesen Effekt, einmal "Wisch und Weg" und jedes Bezahlen kostet zusätzlich Strom. Man beschwert sich über jeden Euro, wenn der Einkauf teurer wurde, liebt aber die bequeme Karte, weil Geldbeutel nicht mehr "IN" sind? Übriges nichts ist sicher, ob Karte oder Bargeld, beides kann gestohlen oder verloren werden. Solange nicht die Zahl-Art gesetzlich politisch festgelegt wird, solange genieße ich die freie Entscheidung beim Zahlen, nicht der kleine Einzelhändler. ?
Kommentar 20: Robert B. schreibt am 06.05.2026, 10:25 Uhr :
Ich zahle schon seit XX Jahren primär bargeldlos. So behält man einfach seinen Überblick über seine Ausgaben, es ist schneller und vor allem sicherer.
Kommentar 19: Coony schreibt am 06.05.2026, 08:03 Uhr :
Warum so viele mit Karte bezahlen, weil die Selbstbedienungs Kassen die immer mehr in unsren Geschäften kommen in machen Läden nur so funktionieren. Ich finde mich in dieser Hinsicht genötigt. Schade
Kommentar 18: Lobbybuster schreibt am 06.05.2026, 01:41 Uhr :
Das ist Lobbymeinung, unkritisch übernommen. Im Lobbyregister Bundestag ist EHI Retail Institute GmbH Mitglied der Lobby "Next Germany GmbH"; wie auch European Association of Payment Service Providers for Merchants - EPSM e.V., Bundesverband der Zahlungs- und E-Geld-Institute (BVZI) e.V., Bundesverband der electronic cash-Netzbetreiber (BECN) e.V., Hotelverband Deutschland (IHA) e.V., Bitkom e. V., Wirtschaftsrat der CDU e. V.. Nexi Germany GmbH hat im Lobbyregister die Registernummer R006252.
Kommentar 17: Franziska 1 schreibt am 05.05.2026, 20:09 Uhr :
Im Internet behaupten einige Menschen, Bargeld ist bald out im Land, dass hätte mancher Handel gerne. Bargeld bleibt nach dem EU-Recht, es ist nicht geplant es abzuschaffen. Wer mit Bargeld bezahlt, behält den Überblick über seine Finanzen. Gedankenlos die Karte anwenden, weil man sich einbildet einen ungeplanten Wunsch "muss" man sich beim Shopping noch erfüllen, da kommt das große Erwachen , wenn man schon wieder das Konto überzogen hat, was weiter Kosten erzeugen kann. Eine Zahlkarte ist bequem, aber dazu sollte jeder eine Liste über die tägl. Ausgaben führen. Machen das alle? Der Markt regelt Bargeldlos mit Karte? Ich habe noch kein Geschäft erlebt vor Ort, dass nur die Karte nimmt. Außer bei Hotels in Deutschland, wo man ohne Vorabzahlung ohne vorab Buchung es in Anspruch nimmt. Im Ausland dient eine Kreditkarte auch den Hotels usw. als Sicherheit. Beim Einzelhändler Geld abheben, war keine gute Idee, warum muss immer ein weiterer Kosten - Hasenfuß dabei sein?
Kommentar 16: Angelika Görtz schreibt am 05.05.2026, 20:03 Uhr :
Bei uns gibt es nur 2 Banken , und Geld abheben bei fremden Banken ist teuer . Also zum Supermarkt und dort Bargeld holen . Also sorry , nicht meine Schuld .
Kommentar 15: Ich schreibt am 05.05.2026, 19:10 Uhr :
Also es ist ja so etwas von unverschämt, ein Geldinstitut ist verpflichtet mich mit MEINEM Geld zu versorgen, schließt Filialen, entfernt Geldautomaten, lädt diesen Service auf Supermärkte ab, dabei kassiert er auch noch reichlich Gebühren von diesem zu meinen dazu..... der Supermarkt will auch kein Verlust machen, ergo Preiserhöhungen. Wo soll das noch enden?
Kommentar 14: Willi Otto schreibt am 05.05.2026, 17:32 Uhr :
Ein Großteil der Menschen ist leider zu dumm zu erkennen, daß wenn das Bargeld abgeschaft würde, dann auch die Gebühren anziehen werden, da kein Ausweichen mehr möglich sein wird. Das einzige für den Bürger kostenfreie Geld ist das Bargeld. Dies wird jedoch bewusst von staatlicher Seite schlecht geredet. Bargeld ist gelebte Freiheit, der einzige Weg, anonym zu zahlen! Der Staat selbst hat ein Interesse daran, den Bürgern das Bargeld madig zu machen, z. B. bei Bargeldobergrenzen im Zahlungsverkehr. Auch während der Corona Zeit wurde Bargeld als "schmutzig" dargestellt. Das hat System.
Kommentar 13: Maximilian schreibt am 05.05.2026, 17:28 Uhr :
Bargeld ist oft dreckig. Einige Leute falten die Scheine und führen diese in verschwitzter Hosentasche mit sich. Es wird leider auch immer gefährlicher Bargeld mitzuführen. Imbisse, Eiscafés, Kioske beschildern jedoch ihre Tresen oft mit dem Hinweis: Keine Kartenzahlung möglich. Oder sie verweisen auf einen Mindestumsatz. Mir ist unverständlich, dass der Fiskus dies duldet. Dennoch brauchen wir "alternativ" auch weiterhin Bargeld. Wenn jeder Zahlvorgang ausgewertet wird, werden wir als Menschen manipulierbar.
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 06.05.2026, 11:20 Uhr :
Die Meinung, dass Bargeld dreckig ist, hängt von den individuellen Erfahrungen und den gesellschaftlichen Normen ab. Während einige Menschen den Kontakt mit Bargeld als unhygienisch empfinden, gibt es auch die Ansicht, dass es nicht notwendig ist, Bargeld zu meiden, wenn alle regelmäßig Händewaschen würden. Bazillenübertragung kann unterwegs immer passieren ohne mit Bargeld in Berührung zu kommen. Wie viele Dinge langen, tapsen wir an und geben unseren Fingerabdruck ab, wenn wir unterwegs sind? Da hatten schon Hunderte, Tausende Menschen ihre Finger dran. Banknoten werden oft ausgewechselt, bei Bargeld abheben schauen die meisten Geldscheine annehmbar sauber aus. Zu viele Menschen haben nach Corona vergessen, dass Händeschütteln weg zulassen. Da steckt die Gefahr sich Bazillen und Viren ebenfalls zuholen.