Ein Autofahrer steckt an einer Tankstelle einen Diesel-Zapfhahn in die Tanköffnung seines Fahrzeugs.

Kritik vom Ifo-Institut Nicht alle haben gleich viel vom Tankrabatt

Stand:

Zwölf bis 16 Cent pro Liter wurden im Mai an der Zapfsäule weitergegeben, bis zu 17 Cent wären möglich gewesen. Während Vielfahrer sparen, fühlen sich manche Familien und Pendlerinnen in NRW von der Entlastung kaum erreicht. Das Ifo-Institut kritisiert die pauschale Steuersenkung. Was Pendler in NRW zum Rabatt sagen und Experten jetzt fordern.

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Julia Küppers

Nachdem Ende Februar wegen des Iran-Krieges die Spritpreise extrem angestiegen waren, hatte die Bundesregierung für Mai und Juni einen Tankrabatt eingeführt, um Autofahrer zu entlasten. Doch wie viel davon kam wirklich bei den Bürgerinnen und Bürgern an?

Wie viel günstiger wird Sprit durch den Tankrabatt?

Nach einer Auswertung des Ifo-Instituts wurden über den gesamten Mai beim Diesel durchschnittlich zwölf Cent pro Liter weitergegeben, bei Super E5 16 Cent, bei Super E10 15 Cent. Der Rabatt beträgt bis zu 17 Cent pro Liter und gilt noch bis Ende Juni.

Tankrabatt kommt offenbar an - aber nicht bei allen gleich

WDR Studios NRW 08.06.2026 00:58 Min. Verfügbar bis 07.06.2028 WDR Online

Ein Teil der 1,6 Milliarden Euro eingesetzten Steuermittel landeten also nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern, sondern bleiben bei den Mineralölkonzernen hängen, so die Einschätzung der Ifo-Ökonomen. Auch der ADAC hatte bereits darauf aufmerksam gemacht, dass nicht der gesamte Tankrabatt weitergegeben werde.

Wer profitiert vom Tankrabatt und wer nicht?

Vor allem Vielfahrer und Besitzer von Fahrzeugen mit hohem Verbrauch haben etwas vom Tankrabatt. Einkommensschwache Pendlerinnen und Pendler hingegen werden nicht gezielt entlastet. Genau das kritisiert das Ifo-Institut: Die pauschale Steuersenkung treffe nicht die, die am dringendsten Hilfe bräuchten.

Gerade in NRW trifft das viele. Laut Statistischem Landesamt ist jede fünfte Person im Bundesland armutsgefährdet. Nur in vier anderen Bundesländern ist diese Quote höher. Gleichzeitig pendeln in NRW so viele Menschen wie kaum in einem anderen Bundesland. Rund fünf Millionen Menschen fahren hier über die Grenze ihres Wohnorts zur Arbeit.

Sprit in Deutschland im EU-Vergleich: Darum ist er hier so teuer

Wie stehen also die Bürgerinnen und Bürger in NRW zum Tankrabatt? Wir haben in Erkelenz nachgefragt.

Wenn es nach Pendler Jens Fuhrmann geht, kann der Tankrabatt wieder abgeschafft werden. Er versteht nicht, warum der Sprit in Deutschland überhaupt so teuer ist: "In anderen Ländern klappt es ja auch, dass die Menschen weniger zahlen müssen."

Pendler Jens Fuhrmann

Pendler Jens Fuhrmann

Tatsächlich gehört Deutschland zu den EU-Ländern, die eher höhere Spritpreise abrufen. Am 1. Juni meldete das Statistische Bundesamt für Deutschland einen Tagesdurchschnitt von 1,96 Euro pro Liter Super und 1,86 pro Liter Diesel.

Die Preise in vielen Nachbarländern wie Polen, Tschechien, Luxemburg, Belgien oder Österreich sind oft deutlich niedriger. Ein Hauptgrund sind unterschiedliche Steuern und Abgaben in den EU-Ländern. In NRW weichen in der deutsch-belgischen Grenzregion beispielsweise einige Autofahrer zum Tanken nach Belgien aus.

"Jeden Monat ein Rechenexempel"

Elisabeth Müller, die ihren echten Nachnamen lieber nicht Nennen möchte, ist mit ihrer kleinen Tochter Marie viel mit dem Auto unterwegs. Sie ärgert sich, dass der Tankrabatt ausgerechnet zur Urlaubszeit endet: Ihr graue es jetzt schon, in den Urlaub zu fahren.

Elisabeth aus Erkelenz hält ihre Tochter Marie auf dem Arm

Elisabeth Müller (Nachname geändert) und Tochter Marie

"Es ist ja so schon schwierig. Aber dann kommt es dicke oben drauf. Da können wir bestimmt mit dem Doppelten rechnen, obwohl das Budget eh schon klein ist." Wirklich viel habe der Tankrabatt ihr auch nicht gebracht. Der Sprit sei nach wie vor über 1,90 Euro. Sie schaffe es wegen der Arbeit und ihrem Kind nicht immer vor 12 Uhr zu tanken.

"Nachmittags tanken ist die Hölle. Es ist schwer genug mit allen anderen Ausgaben. Es ist jeden Monat ein Rechenexempel." Elisabeth Müller (Nachname geändert) aus Erkelenz

"So wirklich hat man den Tankrabatt nicht gemerkt", sagt Lucie Benke aus Erkelenz. Sie vergleiche mit Apps die Preise an den Tankstellen und meint: Es gäbe bessere Möglichkeiten als diesen Tankrabatt. Ihr Ehemann stimmt ihr zu.

Peter Benke neben seiner Ehefrau Lucie Benke

Peter und Lucie Benke

Rentner Peter Benke sagt: "Tagsüber kann man nicht tanken. Meinung nach war das keine gute Entscheidung." Er hätte eher die Arbeitnehmerpauschale für die Arbeitnehmer hochgesetzt.

Was empfehlen die Experten?

Auch das Ifo-Institut spricht sich gegen eine Verlängerung des Tankrabatts aus. Stattdessen seien gezieltere Maßnahmen nötig, etwa eine Reform der Einkommensteuer, um einkommensschwache Haushalte direkt zu entlasten.

Unsere Quellen:

  • Ifo-Institut
  • Statistisches Landesamt NRW
  • Straßenumfrage in Erkelenz vom WDR

Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 08.06.2026, 13:00 Uhr

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