Ein Bauarbeiter arbeitet am Ausbau eines Dachbodens.

Ein Bauarbeiter arbeitet am Ausbau eines Dachbodens.

Wohnungssuche bleibt Problem In NRW gibt es immer weniger Neubauten

Stand:

In Deutschland wird immer weniger gebaut - unter anderem Normen machen den Neubau teuer. Das merkt man bei der Wohnungssuche.

Wer in Deutschland bauen will, steht immer wieder vor Überraschungen - zum Beispiel, wenn Normen – also Standardvorgaben beim Bau – sich sogar widersprechen: "Eine Balkontür darf keine Schwelle haben, damit sie barrierefrei ist, darf aber auch nicht keine Schwelle haben, weil der Raum dann nicht vor Nässe geschützt ist", sagt Dietmar Walberg von der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE).

Gemeinsam mit dem Institut für Bauforschung haben sie am Dienstag eine neue Auswertung vorgestellt. Ihr Fazit: Normen machen den Neubau von Wohnraum "unnötig teuer".

Immer weniger Neubauten in NRW

Der Wohnungsmarkt ist so angespannt wie lange nicht mehr. Es wird dringend neuer Wohnraum gebraucht. Das Problem: Es werden immer weniger neue Wohnungen gebaut. Das zeigen aktuelle Zahlen des statistischen Landesamtes IT.NRW.

Im Jahr 2025 wurden in NRW nur rund 37.000 Wohnungen gebaut. Vor fünf Jahren waren es noch 10.000 mehr. Zum Vergleich: Der Verband der Wohnungswirtschaft GdW rechnet damit, das in diesem Jahr deutschlandweit rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt werden.

In NRW gibt es große regionale Unterschiede, das zeigt die Wohnungsbauquote 2025. In Köln wurden im Durchschnitt pro 10.000 Einwohner 42 neue Wohnungen. In Krefeld waren es weniger als zwei Wohnungen.

Zu wenige Investitionen in Neubau

Es wird immer mehr Geld in Bestandsimmobilien gesteckt. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Verbandes der Wohnungswirtschaft GdW hervor. Die Mitglieder des Verbands investieren 2026 voraussichtlich insgesamt 20 Milliarden Euro – nur 32 Prozent davon in Neubauprojekte.

Bauarbeiter auf Baugerüst in Köln-Ehrenfeld

Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle in Köln-Ehrenfeld.

2021 gingen noch rund 50 Prozent der Gesamtinvestitionen in Neubauten. Der Verband fordert deshalb, die Neubaukosten deutlich zu senken, und mehr Unterstützung für den sozialen Wohnungsbau.

Die Deutschen bauen zu komplex

Die Anforderungen an Neubauten in Deutschland sind hoch – zu hoch, findet Dietmar Walbert von der ARGE. Zum Beispiel gibt es komplexe Vorgaben beim Schallschutz, beim Bau eines Kellers, bei der Belüftung des Gebäudes oder der Wärmedämmung. Ohne strengere Normen und Standards "könnte es Einspareffekte von bis zu 1.000 Euro geben – pro Quadratmeter". Insgesamt liegen die aktuell laut Walbert im Schnitt bei mehr als 5.000 Euro.

"Für ein normales Mehrfamilienhaus werden mehr als 290 Normen angewendet." Dietmar Walberg
Bauforschungsinstituts ARGE

Die Normen machen Bauen nicht nur teuer, sondern auch mehr Arbeit, weil sich zum Beispiel Handwerker in die Materie einlesen und damit auseinandersetzen müssen, damit am Ende auch alles richtig ausgeführt wird.

Weniger Baustandard ist nicht schlechter

Auch die Bauindustrie sieht die Herausforderungen durch die Normen. Henning von Daake vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe findet Normen grundsätzlich nicht schlecht. Vor rund 25 Jahren haben die das Bauen wegen gleicher Standards sogar günstiger gemacht: "Wir müssen uns aber wieder auf einen vernünftigen Baustandard einigen, in dem jeder gut leben kann. Und wer mehr haben will, muss dann eben mehr zahlen."

"Wir haben uns an einen zu hohen Qualitäts- und Komfortanspruch gewöhnt. Ein Basisstandard ist nicht schlecht." Henning von Daake
Zentralverband Deutsches Baugewerbe
Bauarbeiter auf einem Gerüst vor einem Mehrfamilienhaus. Im Vordergrund stehen ein Kran und ein gelber Schuttcontainer.

Bauunternehmen investieren immer mehr in Bestandsimmobilien.

In der Branche wird häufig vom "Gebäudetyp E" gesprochen. Ein Gebäudetyp mit niedrigeren Standards, zum Beispiel beim Schallschutz – der aber immer noch gut ist, so von Daake. Eine ähnliche Variante gibt es schon in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen mit dem "Regelstand Erleichtertes Bauen". Laut Bauministerium Schleswig-Holstein würden sich dadurch 15 Prozent der Kosten einsparen lassen.

Von Daake sagt aber auch, die Normen sind nur ein Teil des Problems: "Der Konflikt im Nahen Osten, die hohen Treibstoffkosten, die hohen Baukosten, all das macht der Branche zu schaffen. Die Normen sind nur ein Teil davon."

In NRW wird immer weniger Wohnraum gebaut

WDR 07.07.2026 04:36 Min. Verfügbar bis 06.07.2028

Download

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz des Bauforschungsinstituts ARGE und des Institus für Bauforschung
  • Pressemitteilung vom Verband der Wohnungswirtschaft GdW
  • Daten zum Wohnungsbau von IT.NRW
  • Gespräch mit Henning von Daake vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 07.07.2026, 13.34 Uhr

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2