Wir haben aktuelle Studien ausgewertet, Daten erhoben und unsere Community befragt. In dieser 1LIVE Datenerhebung zeigen wir, wie sich Kokainkonsum entwickelt hat, wieso Kokain besonders für junge Menschen ein Thema ist, warum Kokain gerade beim Feiern für manche so eine große Rolle spielt und vieles mehr.
In Deutschland koksen insgesamt weniger Menschen als noch vor drei Jahren – aber bei den jungen Erwachsenen steigen die Zahlen.
"In meinem Freundeskreis ist es das neue Rauchen. Hasse es." - Anonymer Kommentar in der 1LIVE-Umfrage
Knapp ein Fünftel der 18- bis 25-Jährigen hat bereits eine illegale Droge ausprobiert. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Drogenaffinitätsstudie (DAS) 2025. Zu den Ergebnissen kommt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Das befragt regelmäßig Jugendliche und junge Erwachsene nach ihrem Konsum von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen.
Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren ist Kokain kurz nach Lachgas und Ecstasy die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland. In dieser Gruppe gab es in den letzten zehn Jahren einen deutlichen Anstieg derer, die angeben, dass sie im letzten Jahr Kokain konsumiert haben.
Bei den 18- bis 25-Jährigen hat sich der Kokainkonsum im Vergleich zu 2015 verdreifacht.
Um diese Zahlen mit anderen Altersgruppen zu vergleichen, lohnt sich der Blick in eine weitere aussagekräftige Studie, den Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA). Hier werden alle drei Jahre 18- bis 64-Jährige zu ihrem Konsum von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten befragt. In der aktuellen Befragung von 2024 haben 1,1% aller Befragten angegeben, dass sie im letzten Jahr Kokain genommen haben. Bei den 18- bis 25-Jährigen waren es bei der Drogenaffinitätsstudie mit 4,1% fast viermal so viele.
Der Epidemiologische Suchtsurveys zeigt außerdem, dass die Mitte 20- bis Ende 30- Jährigen am häufigsten Kokain nehmen – allerdings ein bisschen seltener als noch 2021.
Für Barbara Schneider, Chefärztin der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen in der Psychiatrie und Psychotherapie an der LVR-Klinik in Köln, befindet sich der Kokainkonsum in Deutschland mit Blick auf den Durchschnitt der Bevölkerung damit weiterhin auf einem hohen Niveau, ist im Vergleich zu anderen Drogen aber deutlicher niedriger: „Beim Cannabis sind es über 5 Millionen und beim Alkohol müssen wir davon ausgehen, dass 2,2 Millionen alkoholabhängig sind und auch fast 2 Millionen Menschen einen Alkoholmissbrauch betreiben.“
Auffällig ist: Beide Studien zeigen, dass in allen Altersgruppen Männer deutlich mehr konsumieren als Frauen.
"Mittlerweile ist es eine ganz normale Partydroge oder auch in vielen Fällen eine ganz normale Alltagsdroge." - Felix Strohbach, Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln
Dass inzwischen deutlich mehr junge Menschen Kokain konsumieren, spiegelt sich auch im Arbeitsalltag von Felix Strobach wider, Bereichsleiter der Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe in Köln. Er sagt, der Kokainkonsum habe in den letzten 10 Jahren zugenommen und sei viel alltäglicher und gesellschaftlich akzeptierter geworden:
13% der 15- und 16-Jährigen glauben, dass sie leicht an Kokain kommen.
Jugendsuchtberater Felix Strobach von der Drogenhilfe in Köln, glaubt, dass Kokain heute deutlich leichter verfügbar ist als noch vor einigen Jahren. Auch eine internationale Studie legt nahe, dass viele Jugendliche glauben, sich leicht Kokain besorgen zu können.
Die ESPAD Studie (European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs) untersucht alle vier Jahre das Konsum- und Risikoverhalten bei Jugendlichen in Europa.
2024 wurden 15- und 16-Jährige aus 39 Ländern in Europa befragt, wie leicht es für sie wäre, an Kokain zu kommen. Das Ergebnis: Im Durchschnitt aller teilnehmenden Länder geben 13% der befragten Jugendlichen an, dass sie es ziemlich einfach oder sehr einfach finden. Die Ergebnisse beziehen sich darauf, was die Befragten denken, nicht darauf, wie leicht oder schwer es tatsächlich ist.
Deutschland liegt damit genau im Durchschnitt, hier haben an der Befragung allerdings nur Jugendliche teilgenommen, die in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen leben.
Männer koksen mehr als Frauen
Das gilt in Deutschland für jede Altersgruppe, besonders zeigt sich das aber bei den jungen Erwachsenen.
Junge Männer haben im Vergleich doppelt so häufig mindestens eine illegale Droge ausprobiert, als junge Frauen. Das zeigt die Drogenaffinitätsstudie 2025 (DAS) bei der Befragung der 18- bis 25-Jährigen jungen Erwachsenen. Auch in Bezug auf Koks haben deutlich mehr junge Männer als junge Frauen bereits Erfahrungen gemacht.
Auf die Frage nach Kokainkonsum innerhalb des letzten Jahres haben 2025 fast 6% der jungen Männer angegeben, konsumiert zu haben. Bei den jungen Frauen waren es mit 2,4% weniger als die Hälfte. Für beide Geschlechter ist es der höchste Wert der letzten 10 Jahre.
Auch wenn junge Männer weiterhin deutlich häufiger koksen als junge Frauen, ist der Anstieg bei den Frauen größer. Seit 2015 hat sich ihr Konsum fast verfünffacht, bei den Männern mehr als verdreifacht. Dass sich die Veränderung bei jungen Frauen stärker auswirkt, liegt auch daran, dass der Wert 2015 sehr niedrig war. Damals haben nur 0,5% der jungen Frauen berichtet, gekokst zu haben.
In der Jungendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln, werden häufiger junge Männer als junge Frauen beraten, sagt Bereichsleiter Felix Strobach. In seiner Wahrnehmung unterscheiden sich vor allem die Gründe für den Kokainkonsum zwischen den Geschlechtern: „Meine Beobachtung ist da schon, dass es bei den Männern häufig einen Konsum-Hintergrund gibt, bei dem es viel um Leistung geht, um Performance, um Macht, vielleicht auch um Aggressivität." Bei jungen Frauen wiederum stehe eher der Umgang mit den eigenen Gefühlen im Mittelpunkt, weshalb aus Strobachs Perspektive eher MDMA oder Halluzinogene konsumiert werden „also beruhigende, entspannende Substanzen, die vielleicht auch Glücksgefühle ermöglichen".
Dass es zwischen den Geschlechtern unterschiedlich häufig Erfahrungen mit Kokain gibt, ist nicht nur bei den jungen Erwachsenen so, sondern spiegelt sich in allen Altersgruppen wider.
In der aktuellen Befragung des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) von 2024, haben 7% der 18- 64-jährigen Männer angegeben, in ihrem Leben schon mal Kokain ausprobiert zu haben – bei den Frauen waren es nur halb so viele. Auch hier sind die Unterschiede seit Jahren gleichbleibend.