Thementage Koks: Party

So sehr gehören Kokain und Feiern zusammen

Stand:

In der Popkultur spielt Kokain vor allem im Partykontext eine Rolle. Bekannt ist es darüber hinaus auch als Leistungsdroge.

Mit Zahlen lässt sich bislang nicht belegen, aus welchen Gründen Menschen in Deutschland am häufigsten Kokain konsumieren, dazu fehlen repräsentative Studien. Hinweise darauf, was Beweggründe für Kokainkonsum sein können, liefert der European Web Survey on Drugs (EWSD) von 2024, eine Umfrage der European Drugs Agency (EUDA).  

In der nicht repräsentativen Online-Befragung wurden rund 67.000 Menschen über 18 Jahren zu ihrem Drogenkonsum befragt, 62% der Teilnehmenden waren unter 35 Jahre alt. Die Grafik zeigt die Antworten der Teilnehmenden aus der EU und Norwegen, darunter rund 2.000 Personen aus Deutschland.

Am häufigsten wurde Geselligkeit als Motivation genannt: ein Großteil der Befragten gab an, zu koksen, um unter Leuten zu sein und soziale Kontakte zu pflegen. Ein entscheidender Faktor hat für viele aber auch die aufputschende Wirkung von Kokain gespielt, und das Bedürfnis, danach die Wirkung von Alkohol zu verringern. Das könnte darauf hindeuten, dass Kokainkonsum vor allem im Party- und Clubkontext stattfindet. Darauf deutet auch das Abwasser-Monitoring hin, das ebenfalls von der European Drug Agency (EUDA) durchgeführt wird.  

Seit 2011 findet das Abwasser-Monitoring jährlich in verschiedenen europäischen Städten statt. Am letzten Monitoring 2025 haben insgesamt 115 Städte teilgenommen. Aus Deutschland haben sich insgesamt elf Städte an dem Monitoring beteiligt, mit Dortmund war auch eine Stadt aus NRW mit dabei. Getestet wurde das Abwasser auf unterschiedliche Drogenrückstände, um herauszufinden, ob und inwiefern die Werte sich unter der Woche und am Wochenende unterscheiden.  

Insgesamt zeigt das Abwasser-Monitoring: In den europäischen Städten steigt der Kokainkonsum seit 2016 an, auch bei den deutschen Städten, die teilgenommen haben. Rückstände von Kokain, MDMA und Ketamin wurden häufiger am Wochenende als unter der Woche gefunden. Das kann ebenfalls ein Hinweis dafür sein, dass der Konsum vor allem mit Freizeit verbunden ist, wie beispielweise beim Feiern.  

Felix Strobach arbeitet bei der Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe in Köln. Er kennt das Muster: Kokainkonsum funktioniert aus seiner Erfahrung für junge Menschen beim Feiern oft als Ventil. Bei den Beratungsgesprächen mit den jungen Erwachsenen wird laut Strobach meistens schnell klar, dass die Konsumierenden unter einem hohen Leistungsdruck stehen. Der Rausch und der Konsum wirken dann wie eine Belohnung.

"Da geht es viel um intensive Spaßerfahrung und Hochgefühle, mit dem Ziel, einen Ausgleich zu schaffen zu Frustration und Stress im Alltag." - Felix Strobach, Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln

Das Problem ist: wer regelmäßig konsumiert, gerät schnell in einen Kreislauf, so Strobach: Nach einem Hoch kommt unweigerlich auch ein Tief. Damit kehren Frustration, Stress und die schwierigen Gefühle des Alltags mit voller Wucht zurück, die man versucht hat zu verdrängen. „Dann kommt auch nochmal stärker der Wunsch, wieder feiern zu gehen und wieder diesen Rausch zu erleben“, so Felix Strobach. Außerdem weist er noch auf Folgendes hin, das ihm bei seiner Arbeit aufgefallen ist:  Wer beim Feiern zu Kokain greift, mischt es häufig auch mit anderen Drogen.

"Kokain ist immer so ein kleiner Beiläufer neben dem Alkohol."  Anonyme Kommentar aus der 1LIVE Reportage
"Wenn ich betrunken bin, ist das für mich eingeplant, dass ich ziehe. Wenn ich unterwegs bin, weiß ich: das wird auf jeden Fall stattfinden"  Anonyme Kommentar aus der 1LIVE Reportage

So wirkt Kokain im Körper 

Kokain wird aus der Koka-Pflanze hergestellt, die in bestimmten Gebieten in Südamerika wächst. Die Kokablätter werden mit Chemikalien versetzt, um darauf Kokapaste zu gewinnen. In dieser festen Form wird Kokain dann meistens aus Südamerika in die ganze Welt geschmuggelt — auch nach Deutschland, beispielsweise über den Seeweg in Containern. Damit aus der Kokapaste dann final Kokainpulver wird, werden in einem letzten Schritt wieder unterschiedliche Chemikalien hinzugefügt. Übrig bleibt am Schluss Kokainhydrochlorid: das ist Kokain in Form von weißem Pulver, so wie man es herkömmlich auch kennt. Aus Kokainpulver kann dann auch Crack hergestellt werden. 

In der Regel fühlt man sich durch Kokain wacher, aufmerksamer und euphorischer, weshalb Kokain auch als Party- oder Leistungsdroge gilt. Das liegt an den Glücksgefühlen, die durch Kokain ausgeschüttet werden, denn Kokain wirkt sich stark auf unser Belohnungssystem im Gehirn aus. Dort bringt es die chemische Balance durcheinander, und sorgt dafür, dass die Botenstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin länger im Gehirn wirken als normalerweise. Koksen kann sich neben dem gefühlten High, körperlich, aber auch negativ auswirken, erklärt die Chefärztin in der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen, Psychiatrie und Psychologie des LVR-Klinikums in Köln, Barbara Schneider. 

"Kokain führt zu Blutdrucksteigerung, zu Unruhe und Angst. Auch Symptome wie Übelkeit, Brustschmerzen und Fieber können auftreten." - Dr. Barbara Schneider, Suchtmedizinerin

Schlimmstenfalls können, laut Schneider, Krampfanfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Herzrhythmusstörungen Folgen von Kokainkonsum sein. 

Mischkonsum erhöht das Gesundheitsrisiko

Expertinnen und Experten bestätigen, dass durch Mischkonsum (Kokain mit anderen Drogen) das gesundheitliche Risiko steigt.  

Da es bisher keine aussagekräftigen Studien zur Häufigkeit von Mischkonsum gibt, haben wir die 1LIVE-Community in der Instagram Umfrage dazu befragt.  

Hier mischen die meisten Kokain nicht mit anderen Substanzen. Insgesamt 29% der konsumierenden Befragten aber geben an, Kokain meistens zusammen mit Alkohol zu konsumieren.  

Das Thema Mischkonsum spielt laut Felix Strobach auch in Beratungen eine große Rolle:  

"Wir beobachten das sehr besorgt, dass den Menschen, die sich bei uns beraten lassen, meist nicht klar ist, welche Risiken bestehen, wenn man bestimmte Substanzen zusammen konsumiert." - Felix Strobach, Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln

Im Fall von Mischkonsum von Alkohol und Kokain liegt die Gefahr vor allem darin, dass beim gemeinsamen Abbau der Stoffe Cocaethylen entsteht, was die Herz-Kreislauf-Belastung erhöht. Kokain sorgt außerdem dafür, dass man den Alkohol weniger stark spürt — einzuschätzen, wie betrunken man ist, fällt also durch gleichzeitigen Kokainkonsum deutlicher schwerer. 

Barbara Schneider beobachtet als Chefärztin für Suchterkrankungen sehr häufig Mischkonsum: “Viele Menschen konsumieren eben Kokain, um diese euphorisierende Wirkung zu haben, und anschließend Alkohol, um wieder in Anführungszeichen 'runterzukommen'.” Das macht auch den Entzug deutlich komplizierter, so Barabara Schneider, weil zwei unterschiedliche Drogen mit gegensätzlicher Wirkung entzogen werden müssten.  

Wie gefährlich Mischkonsum sein kann, zeigt auch ein Blick auf die Rauschgifttoten in NRW. Laut dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen gab es 2025 insgesamt 709 Rauschgifttodesfälle. Auffällig ist: Nur 6% der Rauschgifttoten starben an einer Vergiftung durch eine einzige Droge, in den meisten Fällen wurde mehrere Drogen konsumiert, auch Alkohol wird hier dazu gezählt. Bei jedem fünften Rauschgifttoten wurde Kokain oder Crack nachgewiesen. Durch die Statistik des LKAs werden aber vermutlich nicht alle Drogentoten erfasst, denn Rauschgifttote werden erst registriert, wenn die Polizei ein Todesermittlungsverfahren einleitet. Das war 2025 nur in 14,9% aller Sterbefälle in NRW der Fall. Die tatsächliche Zahl der Drogentoten könnte als höher liegen. 

Für Felix Strobach, von der Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln, ist sowohl bei dem Thema Mischkonsum als auch bei Drogenkonsum allgemein vor allem Prävention und Aufklärung sehr wichtig. Die brauche es nicht nur für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst, sondern vor allem auch für Eltern, Lehrer und Lehrerinnen. Dazu gehöre auch, dass die erwachsenen Bezugspersonen über die Lebensrealitäten und Herausforderungen von jungen Menschen Bescheid wissen sollten: 

"Damit Jugendliche, junge Menschen die Möglichkeit haben, sich anzuvertrauen, sich zu öffnen und eben nicht diese Erfahrung machen: 'Ich bin konfrontiert mit Herausforderungen, mit Entwicklungsaufgaben und habe den Eindruck, ich muss das allein lösen für mich'" - Felix Strobach, Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln