Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor, die im April 2026 veröffentlicht wurde. Erfasst werden hier allerdings nur bekannt gewordene Fälle, ob es später auch zu einer Verurteilung kam, zeigen die Zahlen nicht. Eine Steigerung bei den Straftaten kann auch bedeuten, dass vor allem mehr ermittelt und kontrolliert wird.
Unter den rund 7.500 erfassten Delikten im Zusammenhang mit Kokain und Crack werden unterschiedliche Straftaten zusammengefasst, dazu zählen Besitz, sowie Handel, Herstellung und Schmuggel.
Kokain besitzt man, wenn man es zum Beispiel in geringer Menge bei sich in der Hosentasche hat, für den eigenen Konsum. Von Handel spricht man wiederum, wenn Kokain an andere weitergegeben wird, meistens gegen Geld. Beim Schmuggel wird Kokain unerlaubt nach Deutschland eingeführt, oft über den Seeweg. Rechtlich macht das einen Unterschied, denn wer mit Kokain handelt, oder es in größeren Mengen schmuggelt, wird in Deutschland deutlich härter bestraft als jemand, der nur geringe Mengen für den eigenen Konsum besitzt.
Von 2022 auf 2023 gab es den deutlichsten Anstieg bei Kokain-Delikten: Innerhalb eines Jahres sind die Straftaten um 25% gestiegen. Laut dem Landeskriminalamt in NRW hängt die Zunahme der Straftaten zum einen mit verbesserten Kontrollen durch die Polizei zusammen. Zum anderen spiele auch die Verfügbarkeit von Kokain eine entscheidende Rolle: Wenn durch Schmuggel und Handel mehr Kokain für Menschen verfügbar ist, werden durch Kontrollen der Polizei auch mehr Kokaindelikte festgestellt. Die Verfügbarkeit in Deutschland nimmt zu, weil in Südamerika mehr Kokain produziert wird. Zwar wurden innerhalb der EU 2024 weniger Tonnen Kokain sichergestellt als noch 2023 (330 statt 419 Tonnen), insgesamt gab es laut dem aktuellen European Drug Report der EU-Drogenagentur (EUDA) jedoch mehr einzelne Sicherstellungen. Das würde eher darauf hindeuten, dass nicht weniger Kokain im Umlauf sei, sondern dass sich die Methoden und Schmuggelrouten verändert hätten.
Für unsere Recherche haben wir zwölf Polizeibehörden über NRW verteilt angefragt, zu allen Straftaten in Zusammenhang mit Kokain und Crack. Die beiden Substanzen werden polizeilich nicht getrennt erfasst. Die in der Grafik dargestellten Namen der Polizeibehörden, spiegeln nicht immer das vollständige Einzugsgebiet der jeweiligen Behörde wider.
Der Vergleich der Straftaten in Bezug auf den Besitz von Kokain und Crack zeigt: Fast überall gab es einen Anstieg in den letzten zehn Jahren. Je nach Region und Stadt fällt der aber unterschiedlich stark aus.
Auffällig sind die Entwicklungen vor allem in zwei Städten in NRW: in Düsseldorf und Münster. Die Polizei Düsseldorf zählt im Verhältnis zur Einwohnerzahl für 2025 mit Abstand die meisten Straftaten. Hier haben sich die erfassten Delikte seit 2015 mehr als vervierfacht. Laut der Pressestelle der Polizeibehörde in Düsseldorf beobachte man einen gesteigerten Konsum von Kokain und Crack. Grund dafür seien niedrigere Preise und auch eine erhöhte Nachfrage. Um dagegen vorzugehen, gebe es seit Jahren unterschiedliche Maßnahmen, zu denen regelmäßige Drogenkontrollen und Schwerpunkteinsätze zählen. Die Pressestelle schreibt: „Wir zeigen verstärkte Präsenz an Brennpunkten. Im Rahmen des 2024 ins Leben gerufene Projekts Sicherheit im Bahnhofsumfeld (SiBu) arbeiten wir zusätzlich eng mit Stadt, Bundespolizei und Staatsanwaltschaft zusammen.“
In Münster sind die Delikte in den letzten zehn Jahren im Vergleich am stärksten gestiegen, und haben sich mehr als verneunfacht. Das sich die Zunahme der Delikte in Münster so stark auswirkt, liegt auch daran, dass der Ausgangswert im Jahr 2015 vergleichsweise niedrig war. Verschärft wurde der Kontrolldruck in Münster laut der Pressestelle der Polizeibehörde allerdings nicht. Grund für den Anstieg seien aus ihrer Sicht vor allem, dass der Preis von Kokain gesunken ist und sich der Konsum von Herion zu Kokain verlagert habe.