Zeitzeugin Elke Rosin

4 Min. 20 Sek. Verfügbar bis 10.08.2050

Deutsch-deutsche Geschichte Elke Rosin - Flucht im letzten Moment

Stand:

Am frühen Morgen des 13. Augusts 1961 beginnt die DDR mit dem Mauerbau in Berlin. Besonders dramatisch ist die Situation an der Bernauer Straße, wo auch Elke Rosin wohnt.

Elke Rosin (geb. Mathern) wurde 1945 in Berlin geboren und lebte mit ihren Eltern, ihrer jüngeren Schwester und ihrer Großmutter bis zum Mauerbau 1961 in der Bernauer Straße. Am 17. August teilten die Eltern ihnen am Mittagstisch mit, dass sie nach dem Essen fliehen würden. In kürzester Zeit packten sie ein paar ihnen wichtige Dinge (Elke Rosin nahm unter anderen eine Postkarte von den Niagara-Fällen mit) und verließen ihre Wohnung. Der Vater reichte noch Gegenstände aus dem Fenster heraus. So floh die Familie in den Westen – das war in der Bernauer Straße der Gehweg direkt vor ihrem Haus. Ein Kameramann und ein Fotograf waren durch Zufall vor Ort und machten Aufnahmen von der Flucht von Elkes Familie.

Von Berlin in die Provinz

Nach einem Aufenthalt im Flüchtlingslager Gießen zog die Familie ins hessische Pfungstadt, wo Elke Rosin eine kaufmännische Lehre absolvierte. Sofort im Anschluss zog sie allein nach Kanada, wo sie drei Jahre lebte und arbeitete. Nicht nur ihr Traum von den Niagara-Fällen ging jetzt in Erfüllung.

Ende der 1960er Jahre kehrte sie in ihre Heimatstadt Berlin zurück und gründete eine Familie. Seitdem lebt sie in Berlin-Dahlem, wo sie mehrere Jahre lang einen literarischen Salon veranstaltete. Nach dem Fall der Mauer 1989 fand sie ihre beste Schulfreundin wieder, von der sie sich im August 1961 nicht einmal verabschieden konnte.

Elke Rosin ist seit vielen Jahren als Zeitzeugin für die Stiftung Berliner Mauer aktiv. Das Foto ihrer Flucht aus dem Fenster zählt zu den bekanntesten Bildern der deutschen Teilung.