Beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch sitzen Dieter Vatheuer, Christian Mankel und Bernhard Hoppe-Biermeyer auf dem Podium

Diskussion bei bestem Freibadwetter: Dieter Vatheuer, Christian Mankel und Bernhard Hoppe-Biermeyer

Personal, Sicherheit und Co. Wie lösen die Freibäder in NRW ihre Probleme?

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Wie werden Freibäder sicherer, ohne dass der Badespaß leidet? Wie löst man den Sanierungsstau? Das Thema im WDR Lokalzeit-Stadtgespräch aus Oberhausen.

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Stefan Weisemann

Rund 30 Grad, die Sonne knallt vom Himmel. Es ist ideales Freibadwetter an diesem Samstagmittag. Auch im Aquapark in Oberhausen. Die große Liegewiese füllt sich mit Badegästen, in den Becken draußen und drinnen spielen Kinder, durch die Luft weht ein Hauch von Pommes und Chlor.

Ein Schwimmbad, das Spaß und Erholung bringt. Aber auch Probleme kennt. Probleme mit Kindern, die nicht schwimmen können. Probleme mit Eltern, die nicht genug auf ihre Kinder aufpassen. Probleme dabei, Personal zu finden. Wie lassen sich diese Probleme in Oberhausen und in den anderen Bädern in NRW lösen?

Online-Tickets im Freibad für Entspannung

Antworten suchen ein paar Meter weiter die Teilnehmer beim WDR Lokalzeit-Stadtgespräch. Vor dem Eingang des Aquaparks sitzen im Schatten von Linden und Sonnenschirmen. Mit bestem Blick auf die Besucher-Schlange, die es trotz des Top-Freibadwetters an diesem Tag nicht gibt. Und auch sonst nicht mehr.

"Wir haben vor zwei Jahren auf Online-Buchung umgestellt. Wer eine Karte hat, weiß definitiv, dass er auch reinkommt", erklärt Dieter Vatheuer, Geschäftsführer des Aquaparks. Vorbei sind damit die Zeiten, als sich hunderte Menschen in der Schlange vor dem Bad gedrängt haben, es zu viel Unmut und auch mal zu Handgreiflichkeiten kam.

WDR-Reporterin Nastaran Amirhaji interviewt Security-Mitarbeiter Andreas Bolender vor dem Eingang des Aquaparks in Oberhausen

Gucken bei Taschenkontrollen genau hin: Andreas Bolender und seine Security-Kollegen

Es ist ein erster Ansatz für mehr Sicherheit im Bad. Ein zweiter: Taschenkontrollen. "Hier kommen auch mal Gäste mit einer ganzen Wassermelone", sagt Security-Mitarbeiter Andreas Bolender, "wenn wir fragen, wie sie die schneiden wollen, kommt als Antwort: 'Mit einem Messer'". Dabei sind Messer im Bad verboten, genauso wie Glasflaschen.

Personalprobleme in Freibädern in NRW

Für die Taschenkontrollen und mehr Harmonie am Beckenrand sind im Bad in Oberhausen bis zu sieben Security-Mitarbeiter im Einsatz. Das entlastet die Schwimmmeister. "Die sollen lieber gucken, dass keiner im Wasser ertrinkt", sagt Vatheuer.

Denn die Eltern tun das immer seltener. Der Blick auf das Handy scheint vielen wichtiger zu sein, als der Blick auf das eigene Kind. Der Chef des Bades sagt: "Es gibt viele uneinsichtige Eltern aus allen Kulturen." Da werden dann auch Hausverbote ausgesprochen, wenn zum Beispiel Kindern trotz Ermahnung keine Schwimmflügel angelegt werden.

Gut zu tun also für die Mitarbeiter. Von denen es insgesamt zu wenige gibt. "Nachwuchskräfte als Schwimmmeister zu bekommen ist unglaublich schwierig", sagt Vatheuer. Die Ausbildung dauert drei Jahre, am Wochenende arbeiten ist die Regel. Eine Lösung des Bades in Oberhausen: Die Security-Mitarbeiter werden zu Rettungsschwimmern ausgebildet, um beide Jobs machen zu können.

Hälfte der Grundschulkinder in NRW kann nicht schwimmen

Rund die Hälfte aller Kinder im Grundschulalter kann nicht ausreichend schwimmen. Das hat Gründe, sagt Christian Mankel, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen: "Schwimmen hat nicht mehr überall den Stellenwert, den es bräuchte, das fängt zuhause mit den Eltern an."

Und geht weiter mit zu wenigen Schwimmkursen und langen Wartelisten. "Wir bräuchten mehr Wasserzeit in den Bädern zu günstigeren Konditionen", sagt etwa Ulrich Brandt von der DLRG in Essen. Bemerkenswert: Er beobachtet, dass sogar Rettungsschwimmeranwärter mittlerweile nicht mehr so gut schwimmen können wie früher.

Sanierung von Bädern in NRW läuft schleppend

Schwimmkurse scheitern mal am fehlenden Personal. Immer öfter aber auch daran, dass Bäder teilweise oder ganz geschlossen bleiben müssen. Schäden an Fliesen und Beton, kaputte Pumpen oder Leitungen. Der Sanierungsstau in den Bädern ist groß. In Dortmund zum Beispiel sind zwei große Freibäder seit Jahren geschlossen.

"Das Problem ist wachsend und hat sich noch verschärft, weil die Energiepreise deutlich gestiegen sind", sagt Bernhard Hoppe-Biermeyer, Vorsitzender des Sportausschusses im NRW-Landtag. Die ohnehin klammen Kommunen haben kein Geld, das sie in die Bäder pumpen können.

Förderprogramme von Land und Bund sollen helfen, sind aber "nur ein Tropfen auf den heißen Stein", räumt der CDU-Politiker ein. Beispiel: Der Bund hat zuletzt 250 Millionen Euro für die Sanierung von Bädern ausgelobt. Allein hier haben Kommunen laut der Gesellschaft für das Badewesen aber einen Bedarf in Höhe von drei Milliarden Euro angemeldet. Ihr Chef Mankel sagt deshalb: "Die Unterfinanzierung in der öffentlichen Infrastruktur ist nicht auf einen Schlag auflösbar. Aber: Wenn nichts getan wird, droht ein Bädersterben."

Ideen für schnellere Bäder-Sanierung

Wie könnte eine günstigere Lösung für eine schnellere Auflösung des Sanierungsstaus aussehen? Politiker Hoppe guckt dabei auf zwei Ansätze in NRW: "In Bonn gibt es Bäder von der Stange, in drei Größen. Das macht das Bauen einfacher. Und in der Nähe von Paderborn haben die Menschen privat ein Schwimmbad gebaut, für zehn Millionen statt für 17 Millionen Euro."

Nicole Räupke und Florian Last sitzen beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch vor dem Aquapark in Oberhausen

Badegäste Nicole Räupke und Florian Last: "Kinder müssen alle schwimmen lernen"

"Warum nicht?", sagt Badegast Florian Last, der aus Arnsberg in den Aquapark nach Oberhausen gekommen ist. "Jeder der handwerklich begabt ist, kann mit anpacken, Privatleute können auch mauern, Fugen glattziehen". Eine mögliche Lösung also für kleinere Bäder, nicht aber für die großen.

Konflikte in NRW-Freibädern

"Bäder sind die teuersten Gebäude einer Kommune", räumt der Chef der Gesellschaft für das Badewesen ein, "aber sie geben etwas zurück". Er verweist auf Touristen, die zum Schwimmen kommen. Auf junge Familien, die beim Umzug auf die Nähe zu einem Schwimmbad achten. Auf Rettungsschwimmer, die dort ausgebildet werden.

Sie sind aber auch ein Ort für Konflikte. Immer wieder gibt es Meldungen über Auseinandersetzungen und Angriffe in Bädern, zuletzt wurde Ende Juni das Freibad in Bochum-Werne deshalb geräumt. "Das ist kein flächendeckendes Problem", sagt Mankel, aber: "Bäder sind ein Spiegel der Gesellschaft. Wir erleben hier auch die Probleme, die größer werden."

Bochum, Herne oder Essen haben darauf mit einer Ausweispflicht in den Bädern reagiert. Das ist eine "symbolische Geschichte, aber die Symbolwirkung ist schon da", sagt Sportpolitiker Hoppe.

Bäder in NRW sollen Menschen zusammenbringen

Der macht auch Hoffnung insgesamt auf eine Bäder-Besserung: "Schwimmen ist im NRW-Sportausschuss das Top-Thema Nummer 1 neben Olympia." Mit weiteren Fördergeldern sollen die Bäder in NRW wieder auf Vordermann gebracht werden, "Schritt für Schritt".

Das lohnt sich, findet auch der Chef der Gesellschaft für das Badewesen: "Bäder sind einer der besten Orte, um alle Menschen zusammenzubringen."

Stadtgespräch Oberhausen: Die Freibadkrise im Westen; 11.07.26

Lokalzeit Stadtgespräch 11.07.2026 54:48 Min. Verfügbar bis 10.07.2028 WDR 5

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Unsere Quellen:

  • Bernhard Hoppe-Biermeyer, Sportausschuss im NRW-Landtag
  • Dieter Vatheuer, Geschäftsführer Aquapark Oberhausen
  • Christian Mankel, Deutsche Gesellschaft für das Badewesen
  • Andreas Bolender, Security-Mitarbeiter im Aquapark Oberhausen
  • Ulrich Brandt, DLRG Essen
  • Besucher des Aquaparks Oberhausen
  • bisherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR5, WDR Lokalzeit Stadtgespräch, 11.07.2026, 13:03 Uhr

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