Asiatische Hornisse rückt immer näher
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 27.07.2028.
Es ist ein kurzer Moment auf einer Terrasse in Refrath bei Bergisch Gladbach. Eine dunkle Hornisse schwebt durch die Luft, kreist über dem Garten und verschwindet wieder. Für viele Menschen wäre die Begegnung schnell vergessen. Für Imker Lucas Ulrich ist sie ein Warnsignal.
Asiatische Hornisse: Tier kann Bienenvölker dauerhaft schwächen
Der Imker erkennt, dass es sich möglicherweise nicht um eine heimische Hornissenart handelt. Er dokumentiert die Sichtung, sichert das Tier und lässt es bestimmen. Der Fund steht für eine Entwicklung, die Imkerinnen und Imker in Nordrhein-Westfalen zunehmend beschäftigt.
Lucas Ulrich, Imker
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich seit Jahren in Europa aus und wurde inzwischen auch in NRW mehrfach nachgewiesen. Die ursprünglich aus Südostasien stammende Art gilt als invasive Art, weil sie sich in einem neuen Lebensraum etabliert und dort heimische Ökosysteme beeinflussen kann. Besonders im Fokus stehen Honigbienen: Die Hornisse jagt vor Bienenstöcken und kann Bienenvölker dauerhaftt schwächen.
Gefahr für heimische Bienen wächst
Die genau Bestimmung bestätigt schließlich Ulrichs Verdacht: Es handelt sich tatsächlich um eine Asiatische Hornisse: "Sie hat ein oranges Gesicht und orange Füße, eigentlich ist sie sehr markant."
Für den Imker ist klar, dass der Fund nicht ignoriert werden darf. Denn die Tiere suchen gezielt die Nähe zu seinen Bienenvölkern. Vor den Fluglöchern warten sie auf heimkehrende Sammelbienen, fangen diese im Flug und bringen sie als Nahrung für ihre eigene Brut zum Nest.
"Wenn die asiatische Hornisse mein Bienenvolk quasi anfällt, kann das sehr stark dezimiert werden bis auch zur kompletten Vernichtung. Deswegen muss man wirklich was dagegen tun." Lucas Ulrich
Asiatische Hornisse: Ein Fund mit Folgen
Die Gefahr entsteht vor allem dann, wenn aus einzelnen Tieren ganze Staaten werden. Besonders im Spätsommer steigt die Aktivität, wenn der Nachwuchs versorgt werden muss und der Nahrungsbedarf wächst. Unterstützung bekommt Ulrich von Jutta Kalff. Die Imkerin beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Asiatischen Hornisse und hat bereits zahlreiche Nester aufgespürt und entfernt.
Außerdem versucht sie, einzelne Tiere lebend zu fangen, um die Ausbreitung besser nachvollziehen zu können. Beim Versuch in Refrath bleibt der Fang einer Hornisse zwar ohne Erfolg. Für Kalff ist der Termin dennoch wichtig. Denn: "Jede dokumentierte Sichtung liefert Informationen darüber, wo sich die Art ausbreitet und wie schnell sie neue Gebiete erreicht."
Imker schlagen Alarm
Für Imker im Oberbergischen bedeutet die Entwicklung eine zusätzliche Herausforderung. Viele Bienenhalter kämpfen bereits mit Problemen wie der Varroamilbe, schwindenden Lebensräumen und den Folgen des Klimawandels. Die Asiatische Hornisse kommt als weiterer Belastungsfaktor hinzu.
In anderen Teilen im Bergischen Land ist die Hornisse bereits seit längerem unterwegs und bedroht dort die heimischen Arten, beispielsweise in Wuppertal.
Imker warnen: Niemand sollte selbst gegen Asiatische Hornisse vorgehen
Fachleute raten deshalb dazu, verdächtige Tiere zu fotografieren und Sichtungen zu melden. Wer eine Asiatische Hornisse entdeckt, sollte nicht selbst gegen das Tier vorgehen. Nur durch genaue Beobachtung und Zusammenarbeit können Behörden die Ausbreitung besser einschätzen.
Der Fund in Refrath zeigt: Die Asiatische Hornisse ist längst kein weit entferntes Problem mehr. Ein einzelnes Tier auf einer Terrasse kann ein Hinweis darauf sein, dass globale Veränderungen direkt vor der eigenen Haustür angekommen sind.
Unsere Quelle:
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 24.07.2026, 19:30 Uhr