Kreis Wesel baggert für den Vogelschutz
Bildquelle: WDR/Kai Toss2 Min. 44 Sek.. Verfügbar bis 11.09.2028.
Max Brinkheim sitzt in der Kabine seiner Planierraupe. Statt eine Straße zu bauen oder Rohre zu verlegen, ist der 22-Jährige im Auftrag des Naturschutzes unterwegs. So groß wie ein Fußballfeld ist die "Blänke", die er gerade anlegt. Dafür werden hunderte Tonnen Erde bewegt.
Max Brinkheim freut sich, die Natur mit seiner Arbeit unterstützen zu können
Bildquelle: WDR/Kai TossUnter dem Begriff "Blänke" versteht man Senken, in denen sich Wasser sammeln soll - wie eine XXL-Badewanne. Auch wenn sich der Rhein nach einem Hochwasser wieder ins Flussbett zurückgezogen hat, soll die Fläche nicht austrocknen. Der gelernte Landwirt arbeitet seit zwei Jahren im Tiefbau und ist stolz auf diesen Job.
"Wenn ich mal Kinder haben sollte, kann ich mit denen hierhin kommen und sagen: Das hat der Papa gemacht. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich um sechs Uhr morgens auf der Maschine sitze und es hier losgeht!" Max Brinkheim, Fahrer einer Planierraupe
Die EU und das Land NRW zahlen dafür alleine im Kreis Wesel laut Biologischer Station rund 1 Million Euro. Landesweit werden für das Projekt "LIFE Wiesenvögel NRW" sogar knapp 19 Millionen Euro von der Europäischen Union und vom Land NRW ausgegeben.
Naturschutz mit Baggern und Planierraupen
"Wasser ist Leben", so bringt es Thomas Traill von der Biologischen Station im Kreis Wesel auf den Punkt. Er koordiniert das Naturschutzprojekt und nimmt den WDR mit auf die Baustelle: "Insgesamt legen wir im Kreisgebiet 23 Blänken an. Hinzu kommen zwei Kleingewässer, die im Gegensatz zu den Blänken immer mit Wasser gefüllt sein sollen."
Normalerweise ist die Planierraupe im Straßenbau im Einsatz
Bildquelle: WDR/Kai TossVögel leiden unter zunehmender Trockenheit
Naturschützer raufen sich seit Jahrzehnten die Haare: Wegen einer immer industrialisierteren Landwirtschaft verschwinden wichtige Feuchtwiesen am Niederrhein. Uferschnepfen und Bekassinen sind vielerorts bereits ausgestorben, die Bestände von Kiebitzen und Rotschenkeln sind dramatisch zurückgegangen oder stagnieren auf einem niedrigen Niveau.
Die Vögel brauchen Feuchtwiesen, um auf ihnen brüten und nach Nahrung suchen zu können. Aber es wird immer trockener. Das liegt auch daran, dass sich der Rhein tiefer in sein Bett gräbt. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel. Hinzu kommt der Klimawandel mit immer heißeren Sommern.
Schon im kommenden Jahr soll begonnen werden, den Erfolg der Maßnahme zu kontrollieren. Thomas Traill hofft auf neue Brutpaare von Rotschenkel, Kiebitz und anderen Arten, die sich ansiedeln sollen. "Das kann aber auch mehrere Jahre dauern, bis die Blänken angenommen werden“, sagt er. Die Motivation der Baggerfahrer trübt das nicht.
Unsere Quellen:
- Biologische Station im Kreis Wesel, Thomas Traill
- Gespräche vor Ort mit Mitarbeitern der Tiefbaufirma LTU
Sendung: WDR.de, Kreis Wesel baggert für den Vogelschutz, 14.09.2026, 6:05 Uhr