Große Anteilnahme nach dem Doppelmord in Herne 2017
Doppelmord in Herne 2017: Neunjähriger will helfen und wird getötet
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In Herne ereignet sich im März 2017 ein grausames Verbrechen. Der 19-jährige Marcel H. tötet zuerst den neunjährigen Nachbarsjungen Jaden und später seinen ehemaligen Schulfreund Christopher. Der Doppelmord schockiert nicht nur ganz Deutschland, sondern erschüttert selbst erfahrene Ermittler.
Herne 2017: Wie Jaden zum Zufallsopfer wird
Es ist Montagabend, der 6. März 2017, als es in Herne an der Haustür einer Familie klingelt. Der neunjährige Jaden öffnet die Tür. Vor ihm steht der 19-jährige Marcel H., der ihn um Hilfe bittet. Er müsse auf eine Leiter steigen und brauche jemanden, der sie festhält. Jadens Mutter und sein Stiefvater sind zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Der Junge geht bereitwillig mit, berichtet einer seiner Brüder später. Es ist das letzte Mal, dass er Jaden lebend sieht.
Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, welches schreckliche Ziel Marcel H. verfolgt. Kurz zuvor hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen, doch sein Plan scheiterte. Daraufhin fasst er den Entschluss, jemanden zu töten. Für den YouTube-Kanal Lokalzeit MordOrte hat sich Host Laura Larsson gemeinsam mit True-Crime-YouTuber Patrick Temp vom Kanal "Insolito" an die Orte der Verbrechen begeben. Sie haben mit Menschen gesprochen, die damals den Fall miterlebt haben.
Bis heute ist der Schock über das, was Marcel H. dem Nachbarsjungen Jaden antut, groß. Er geht mit dem Neunjährigen in den Keller seines ehemaligen, leerstehenden Elternhauses. Dort tötet er Jaden mit mehr als 50 Messerstichen. Anschließend fotografiert und filmt er seine Tat, posiert sogar neben dem Leichnam und flieht. Die Aufnahmen schickt er einem Freund per Messenger. Der stellt sie ins Internet.
Entsetzlicher Fund: Familie entdeckt Leichnam
Als Jaden nicht nach Hause kommt, machen sich sein Stiefvater und sein älterer Bruder auf die Suche nach ihm. Sie finden den blutüberströmten Körper des Jungen. Die Familie versucht, Jaden zu retten, doch jede Hilfe kommt zu spät. Als die Einsatzkräfte am Tatort eintreffen, sind selbst die erfahrenen Kriminalbeamten über die Grausamkeit des Verbrechens entsetzt.
Der zweite Mord
Der Verdacht fällt sofort auf H., eine großangelegte Fahndung beginnt. "Kindergärten haben sich entschlossen, die Kinder nicht im Außenbereich spielen zu lassen", erinnert sich der damalige Pressesprecher der Polizei, Volker Schütte. Er hat mehr als 40 Jahre lang bei der Polizei in Bochum gearbeitet.
Es ist sicherlich eines der grausamsten Verbrechen, das ich erlebt habe. Volker Schütte, Pressesprecher der Polizei Herne
Nach dem Mord an Jaden kommt H. bei seinem alten Schulfreund Christopher unter. Der 22-Jährige weiß nichts von dem Verbrechen und der Fahndung. Erst am nächsten Tag liest er online davon und konfrontiert Marcel H. Daraufhin greift H. erneut zum Messer. Er tötet Christopher - diesmal mit über 60 Messerstichen. Auch von dieser Tat macht er Aufnahmen. Diesmal stellt er sie selbst ins Netz und prahlt mit seiner Tat.
Spurensicherung nach dem Doppelmord in Herne 2017
Während die Polizei nach H. fahndet und hunderten Hinweisen aus der Bevölkerung nachgeht, bleibt der 19-Jährige zunächst verschwunden. Zwei Tage hält er sich mit Christophers Leiche in dessen Wohnung versteckt. Schließlich legt er dort ein Feuer und verlässt den zweiten Tatort.
Festnahme im Imbiss
Es ist Donnerstagabend, seit dem Mord an Jaden sind drei Tage vergangen. Der 19-jährige H. betritt einen Imbiss. In der einen Hand hält er einen Regenschirm, in der anderen einen Sack Zwiebeln. "Er sagt zu mir: 'Wissen Sie, wer ich bin?' Ich sage: 'Nein.' - 'Ich bin der Marcel. Mein Bild steht im Internet, bei Facebook.' - Und dann habe ich es kapiert", schildert Imbissbesitzer Georgios Chaitidis die Begegnung mit dem Doppelmörder. Chaitidis Frau wählt den Notruf. H. selbst spricht mit den Polizisten und erklärt, er sei derjenige, nach dem sie suchen.
Nach seiner Festnahme legt H. ein Geständnis ab und schildert seine Taten bis ins Detail. Der 19-Jährige erklärt außerdem, er sei frustriert gewesen: über eine Absage der Bundeswehr, fehlendes Internet in seinem neuen Elternhaus und seinen gescheiterten Suizidversuch.
Beerdigung von Jaden und Christopher
Eine Woche später werden Jaden und Christopher in Herne beigesetzt. Hunderte Menschen nehmen an den Trauerfeiern teil. Unter ihnen sind auch Mitglieder der rivalisierenden Motorrad- und Rockerclubs "Hells Angels" und "Bandidos". Bei letztgenannten ist Jadens Stiefvater Mitglied.
Die Anteilnahme nach dem Doppelmord in Herne ist groß
Der Prozess gegen Marcel H.
Der Prozess gegen H. beginnt ein halbes Jahr nach dem Doppelmord. Zahlreiche Journalisten, Angehörige und Freunde der Opfer verfolgen die Verhandlung im holzvertäfelten Saal. Marcel H. erscheint in einem schlabbrigen, grau-braunen Pullover und Badelatschen. Er entschuldigt sich für sein Erscheinungsbild. Niemand aus seiner Familie sei bereit gewesen, ihm Kleidung ins Gefängnis zu bringen.
Marcel H. beim ersten Prozesstag am Bochumer Landgericht
Vor Gericht äußert H. den ungewöhnlichen Wunsch, bei der Berichterstattung nicht anonymisiert zu werden. Das ist normalerweise üblich, um unter anderem Persönlichkeitsrechte zu schützen. In diesem Beitrag wird H. dennoch verpixelt, um ihm keine Bühne zu bieten.
Im Angesicht des Mörders der eigenen Kinder
Beim Prozess sitzen die Mütter der beiden Opfer H. gegenüber. Als Nebenklägerinnen hoffen sie auf Antworten und eine gerechte Strafe. Dafür ertragen sie die schrecklichen Details der Morde. Der Angeklagte zeigt während des gesamten Prozesses kaum eine Regung. Er starrt vor sich hin, wirkt emotionslos und meidet die Blicke der Frauen. "Ich habe eine solche Persönlichkeit in meinen vielen Berufsjahren nie erlebt", sagt damals der Anwalt einer Mutter.
Laut der psychiatrischen Gutachten ist H. narzisstisch, sadistisch und neigt zu impulshaften Aggressionen. Trotzdem sei er in der Lage, sich zu kontrollieren. Die Gutachterinnen schätzen H. als voll schuldfähig ein. Seine Persönlichkeit sei außerdem so gefestigt, wie die eines Erwachsenen.
Bleibt Marcel H. für immer hinter Gittern?
H. wird deshalb nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Er bekommt eine lebenslange Haftstrafe mit besonderer Schwere der Schuld und zusätzlicher Möglichkeit der Sicherungsverwahrung. Mit anderen Worten: H. hat kaum eine Chance, je wieder freizukommen.
