Glasscherben vor einem Geschäftsgebäude, ein Mann kehrt vor dem Eingang

Dieser Geldautomat in Dormagen-Horrem wurde zum zweiten Mal gesprengt.

GPS Tracker im Fluchtauto Telefonat wird Automatensprengern zum Verhängnis

Stand:

Ein abgehörtes Telefonat deckt auf, wie Geldautomatensprenger Fluchtautos organisieren. Was die Täter nicht wussten: Im Auto war ein GPS-Tracker versteckt.

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Ein abgehörtes Telefon

Es war ein lukratives Geschäftsmodell, das sich ein Vater und sein Sohn aus Gronau überlegt haben - aber auch ein illegales. Ihren schwarzen Mercedes E63 S AMG vermieteten sie an Männer, die bundesweit gezielt Geldautomaten sprengten. Normalerweise kommunizierten die Autovermieter verschlüsselt, doch als 2021 der hochmotorisierte Wagen nicht zurückgebracht wird, wird der Sohn nervös. Auf die Frage seines Vaters, wer das Auto gerade habe, antwortet er:

"Das ist dieser Idiot von der Automatensprengung." Autovermieter

Ein entscheidender Satz für die Ermittler, die die beiden Männer seit längerem überwachen. "Es war das erste Mal, dass wir belegen konnten, dass die beiden Männer vorsätzlich gehandelt haben und wussten, dass das Fahrzeug für Geldautomatensprengungen eingesetzt wurde", sagt Julius Sterzel.

Julius Sterzel, Staatsanwalt aus Düsseldorf.

Julius Sterzel, Staatsanwalt und Pressesprecher ZeOS

Sterzel ist Staatsanwalt und Pressesprecher der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in NRW, kurz ZeOS. Die Behörde konzentriert sich auf mafiöse Strukturen, international agierende Drogenbanden und Geldautomatensprenger.

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Ein geheimer GPS-Tracker

2021, als in Deutschland 189 Geldautomaten gesprengt werden, werten das Bundeskriminalamt und die zuständigen Polizeidienststellen der betroffenen Bundesländer Funkzellendaten aus. Sie wollen wissen: Welche IMEI-Kennung hat sich immer dort und dann eingewählt, als ein Geldautomat gesprengt wurde? Die IMEI-Kennung ist eine individuelle Nummer, die zum Beispiel das Navi an einen Sendemast sendet, sobald das Auto eingeschaltet wird.

Die Beamten finden heraus, dass dieselbe Kennung während 15 vollendeten und zwei versuchten Geldautomatensprengungen eingebucht war. Das eingewählte Gerät war ein zum Diebstahlschutz professionell eingebauter GPS-Tracker, den selbst die Detektoren der Geldautomatensprenger nicht finden konnten.

Festnahme und Geständnis

Vater und Sohn werden festgenommen, ihre Wohn- und Geschäftsräume in Gronau und Enschede durchsucht. Die Beamten beschlagnahmen das Tatfahrzeug und werten den GPS-Datenschatz von 287.304 Standortdaten aus. So können sie präzise nachvollziehen, wo sich das Auto zu welchem Zeitpunkt befand. Informationen, die sie brauchen werden, um unter anderem einen Fahrer zu verurteilen.

Vor Gericht gestehen Vater und Sohn, dass sie über Social-Media ihren 600-PS-starken AMG-Mercedes gezielt an Geldautomatensprenger vermietet haben. Laut Anklage haben sie mit diesem illegalen Nebenverdienst 28.000 Euro eingenommen. Der Vater wurde zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Bei seinem Sohn, der bei der Tat 19 Jahre alt war, wurde das Jugendstrafrecht angewandt. Er bekam eine Verwarnung.

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Die Männer lieferten den Behörden wichtige Informationen zu den Automietern, wodurch nicht nur die sogenannten Logistiker gefasst werden konnten, deren Aufgabe es ist, schnelle Autos zu organisieren und bereitzustellen. Die Beamten wussten damit auch, wer einer der Fahrer ist. Und der passt in das Profil der Geldautomatensprenger.

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Wer hinter den Sprengungen steckt

In den meisten Fällen sind es Männer, zwischen 21 und 25 Jahren, die über die Grenze aus den Niederlanden kommen und dann arbeitsteilig vorgehen. Viele haben einen marokkanischen Hintergrund, sagt Europol-Sprecher Jan Op Gen Ooth. "Normalerweise würden wir sagen, es ist eine niederländische Gruppierung, weil es sich um niederländische Bürger handelt. Aber in diesem Fall ist es schon wichtig, weil es zeigt, wie ein gemeinsamer Kulturkreis, vielleicht eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Gewohnheiten schon Vertrauen aufbauen können."

Europol-Sprecher Jan Op Gen Ooth

Europol-Sprecher Jan Op Gen Ooth

Geldautomatensprengungen in NRW sind rückläufig. Das liegt an erfolgreichen Festnahmen und teilweise hohen Haftstrafen, aber auch daran, dass die Polizei Banken berät, wo es strategisch klug wäre einen Automaten hinzustellen und wo nicht. Und Banken investieren in bessere Sicherungstechnik: Unter anderem in Vernebelungssysteme oder Farb-Kleb-Patronen, die die Geldscheine unbrauchbar machen, sobald es zu einer Explosion kommt. 2022 war mit 298 vollendeten Sprengungen das Jahr mit den meisten Fällen. 2023 gingen die Zahlen nur leicht zurück.

Hohe Haftstrafe für Fahrer

2024 als die Fallzahlen deutlich gesunken sind, wird ein Fahrer, der den Mercedes der beiden Männer aus Gronau gemietet hat, vom Landgericht Düsseldorf verurteilt - zu zwölf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe. Das Gericht konnte ihm nachweisen, dass er an neun Sprengungen beteiligt war.

Geldautomatensprengungen finden derzeit vermehrt unter anderem in Belgien, Frankreich oder Luxemburg statt. Dazu sagt Jan Op Gen Ooth von Europol: "Basierend auf dem Erfahrungsschatz und Austausch zwischen den Ländern, in denen das Phänomen schon stattgefunden hat und Ländern, in denen es gerade versucht, Fuß zu fassen, ist diesem Phänomen zeitlich irgendwann an eine Grenze gesetzt."

Unsere Quellen

  • WDR-Interview mit Europol
  • WDR-Interview mit ZeOS NRW
  • 2024 Bundeslagebild "Angriffe auf Geldautomaten" vom BKA
  • "Runder Tisch Geldautomatensprengungen - Evaluierung"
  • Urteil LG Düsseldorf vom 16.09.2025

Dieser Beitrag liefert Informationen zum WDR Verbrechen YouTube-Video "Jagd auf Geldautomatensprenger?" vom 13.07.2026, 17 Uhr.

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