Trainer Dirk Eisenblätter mit erhobener Faust einem Kursteilnehmenden gegenüber. Im Hintergrund weitere Kursteilnehmende.

Trainer Dirk Eisenblätter leitet den Kurs

Bildquelle: WDR/Heiko Dolle

Gewalt in der Notaufnahme: Krankenpfleger lernen Selbstverteidigung

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Die Krankenschwestern und Pfleger aus der Notaufnahme im Klinikum Lüdenscheid lernen, sich zu wehren. Denn die Übergriffe auf Pflegepersonal in Krankenhäusern nehmen immer mehr zu.

Von Heiko Dolle

Lisa Meyknecht hört ihrem Trainer Dirk Eisenblätter gespannt zu. Denn jedes seiner Worte könnte einmal nützlich für sie sein, wenn betrunkene oder aggressive Patienten sie bedrängen. Demonstrativ klatscht er in die Hände: "Das sind meine Waffen", sagt Eisenblätter und hebt seine Fäuste. "Und die zeige ich. Ich muss sie nicht einsetzen, aber ich kann sagen: Bitte bis hierhin und nicht weiter."

Aggressivität in Krankenhäusern: Übergriffe auf Krankenpfleger steigen

Das Interesse an dem Kurs für Selbstverteidigung und Deeskalation ist groß. Schwester Lisa Meyknecht hat nicht lange gezögert, als er vom Klinikum Lüdenscheid angeboten wurde. Die 29-Jährige arbeitet seit mehr als sechs Jahren im Krankenhaus. Auch sie musste schon Beschimpfungen und Beleidigungen ertragen. "Das macht einem schon manchmal ein bisschen Angst", sagt sie. Und Meyknecht ist kein Einzelfall.

Krankenschwester Lisa Meyknecht über ihre Erfahrungen mit Gewalt in der Notaufnahme

Bildquelle: WDR

00:24 Min. Verfügbar bis 20.11.2027

Nach einer Umfrage des deutschen Krankenhausinstituts aus dem Jahr 2023 gaben 75 Prozent aller befragten Krankenhäuser in Deutschland an, dass die Zahl der Übergriffe auf Beschäftigte in Kliniken gestiegen sei. In jedem zweiten Krankenhaus war es vor allem die Notaufnahme, wo es Probleme gab. Häufige Ursachen seien lange Wartezeiten, betrunkene Patienten, Personalmangel und Zeitdruck. Viele Krankenhäuser haben deshalb auch mittlerweile einen Sicherheitsdienst, der bei Zwischenfällen in der Notaufnahme dazwischengehen kann.  

Deswegen sei es so wichtig, dass das Personal auch lernt, typische Anzeichen für Aggressionen frühzeitig zu erkennen, sagt Dirk Eisenblätter: "Der Blick und die Körperhaltung veränderen sich. Eine aggressive Körperhaltung zeigt sich dadurch, dass ein potenzieller Aggressor Fäuste bildet."

In seinem Hauptberuf ist er Polizist und erlebt solche Situationen nahezu täglich. "All das sind Dinge, die höchste Warnsignale darstellen und die die Schwestern und Krankenpfleger dazu veranlassen sollten, die Distanz zu vergrößern und sich aus dieser Gefahr herauszubewegen."

Trainer Dirk Eisenblätter zeigt eine Selbstverteidigungstechnik

Bildquelle: WDR

00:15 Min. Verfügbar bis 20.11.2027

Im Kurs lernen die Teilnehmer, wie sie sich schützen können, wenn sie mal am Boden liegen. Wenn ein aggressiver Patient sie treten und verletzen will. Mit ausgestreckten Beinen hält sich Lisa Meyknecht ihren Gegenüber vom Leib.

Selbstschutz, aber auch Hilfe für Patienten

Bei all den stressigen Situationen dürfen die Schwestern und Pfleger allerdings eins nicht außer Acht lassen: Die allermeisten Patienten kommen in die Notaufnahme, weil sie dringend Hilfe brauchen. Das zu unterscheiden, sei aber manchmal sehr schwierig. Vor allem dann, wenn sie alleine sind, sagt Lisa Meyknecht. "Bei bestimmten Nachtschichten weiß man schon vorher, dass Groß-Events anstehen, bei denen Alkohol ein bisschen mehr eine Rolle spielt. Das zu wissen, kann mir dann schon ein bisschen Sorge und Angst nehmen."

Sie weiß jetzt, wie sie sich richtig verteidigen kann, wenn es zu einem Notfall kommt. Und die Pfleger und Schwestern aus Lüdenscheid können etwas entspannter zur Arbeit in ihrer Notaufnahme gehen.

Über dieses Thema haben wir auch am 31.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.

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