Mamadou Tanou Diallo wurde mit der NRW-Rettungsmedaille ausgezeichnet
Herner beweist Mut: Auszeichnung nach Amoklauf in Hamm
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Sein Leben einsetzen, um andere zu retten - Mamadou Tanou Diallo hat das ohne zu zögern gemacht, als 2022 ein Amokläufer mit einem Messer an seiner Uni auf andere Menschen einstach. Für seinen Mut wurde der 41-jährige Herner mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen geehrt.
Es ist der 10. Juni 2022. Mamadou Tanou Diallo hat sich auf diesen Tag gefreut. Heute darf der Student nach wochenlanger Arbeit endlich die Ergebnisse seines Projektes in Umwelttechnik vorstellen. Er sitzt im größten Hörsaal der Hochschule Hamm-Lippstadt mit über 100 anderen Studierenden. Gerade hat ein Gastdozent seinen Vortrag beendet, als plötzlich ein junger Mann mit einem Messer hereinstürmt.
Fünf Studierende überwältigen Amokläufer
Diallo hat ihn vorher noch nie gesehen. Der Mann geht auf eine junge Dozentin zu. "Er sagte: 'Jetzt bist du dran!' Das habe ich immer noch im Ohr", erinnert sich der heute 41-Jährige. Der Amokläufer sticht der jungen Frau das Messer in die Brust, es bricht Chaos im Hörsaal aus. Diallo will aber helfen.
Erst springen Studierende in der Nähe der Dozentin auf, dann rennt auch er von weiter oben im Saal runter. Zu fünft halten sie den Amokläufer fest. Erst später realisiert Diallo, dass auch er hätte verletzt werden können. "Da haben meine Knie gezittert", sagt der gebürtige Guineer.
Mamadou Tanou Diallo erinnert sich an die entscheidenden Augenblicke
00:22 Min.. Verfügbar bis 19.09.2027.
Die Zahl der Messerattacken ist in NRW in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Demnach gab es 2024 knapp 7300 Fälle, in denen ein Messer als Tatmittel eingesetzt beziehungsweise damit gedroht wurde. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Warum haben offenbar immer mehr Menschen eine potenziell tödliche Waffe dabei? Und warum sollte man Statistiken dazu aber vorsichtig betrachten? Hier haben wir mit einem Polizeiwissenschaftler über das Thema gesprochen.
Amoklauf in Hamm: drei Verletzte und ein Todesfall
Bei dem Vorfall an der Hochschule Hamm-Lippstadt wurden insgesamt vier Menschen von dem Amokläufer verletzt. Die Dozentin aus Diallos Kurs so stark, dass sie kurz darauf starb. Der Amokläufer - ein ehemaliger Student - wurde später nach dem Gerichtsprozess in eine Psychiatrie eingewiesen. Er habe Wahnvorstellungen gehabt und sich von einem Clan verfolgt gefühlt, hieß es im Urteil. Alle Menschen, die er verletzte, seien Zufallsopfer gewesen.
Auch Diallo hätte ein solches Opfer sein können. Er hat sein Leben riskiert, um zu helfen. Zusammen mit 13 weiteren Preisträgern erhielt er dafür im August von Ministerpräsident Hendrik Wüst die Rettungsmedaille des Landes NRW. Er lobte den Mut der Ausgezeichneten.
Mamadou Tanou Diallo wurde für seinen Mut mit der NRW-Rettungsmedaille ausgezeichnet
Diallo ist stolz auf diese Ehrung. Trotzdem hat der Vorfall ihn traumatisiert. "Seitdem bin ich vorsichtiger. Besonders bei Menschenmassen am Bahnhof. Ich achte immer auf meine Umgebung", sagt der 41-Jährige.
Zum Helfen erzogen
Seine Familie gibt ihm Halt. Gespräche und Spaziergänge mit seiner Frau beruhigen den Vater eines zweijährigen Sohnes. Seine Frau hatte große Angst um ihren Mann, als er nach Hause kam und ihr von der Messerattacke erzählte. "Er hätte auch verletzt werden können oder sogar getötet", sagt sie. Allerdings weiß sie auch, warum sie sich in ihren Mann verliebt hat: Er hat ein gutes Herz. Und er wurde zum Helfen erzogen, das hat sein mittlerweile verstorbener Vater ihm beigebracht.
Warum für Mamadou Tanou Diallo selbstverständlich ist, zu helfen
00:24 Min.. Verfügbar bis 19.09.2027.
Wenn Diallo heute an die verstorbene junge Frau denkt, wird er traurig. Sie war erst 30 Jahre alt. Ihr Leben konnte er nicht retten. Aber er weiß trotzdem: Ohne seine Hilfe hätten noch mehr Menschen sterben können.
Über dieses Thema haben wir auch am 26.08.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.