Eine Rutsche und ein Sandkasten in Westerkappeln. Auf diesem Spielplatz schaufelten die drei Kumpels ein Grab.

Auf diesem Spielplatz in Westerkappeln schaufelten drei Jugendliche ein Grab.

Grab auf Spielplatz ausgehoben Jugendliche schmieden tödlichen Racheplan

Stand:

Drei Jugendliche schaufeln im Jahr 2018 auf einem Spielplatz im idyllischen Westerkappeln ein Grab. Sie wollen einen ehemaligen Freund erschießen und seine Leiche verschwinden lassen. Doch es kommt anders als geplant.

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Ein mörderischer Racheplan

Im Westerkappeln eskaliert 2018 ein Streit unter Jugendlichen. Die Tat dreier Freunde erschütterte die 11.000-Einwohner-Kleinstadt im Tecklenburger Land. Im Mittelpunkt des Falls stehen der 16-jährige Haupttäter Felix K. (Name geändert) und sein 22-jähriger Bekannter, das spätere Opfer Michael N. (Name geändert). Sie gehören zu einem größeren Freundeskreis, doch im März 2018 kommt es zwischen ihnen zum Bruch.

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Felix K. behauptet, Michael N. habe ihm falsche Drogen verkauft. Zudem soll er seiner Cousine und seiner Ex-Freundin heimlich Drogen ins Getränk gemischt haben. Als der 16-Jährige von einer weiteren Ex-Freundin erfährt, dass Michael N. ihr gegen ihren Willen an den Po gefasst hat, platzt Felix der Kragen.

Gemeinsam mit drei Freunden verprügelt er Michael N. Wenige Tage nach der Prügelei soll N. aus Rache wiederum auf der Suche nach Felix gewesen sein - ohne Erfolg. Nachdem Felix davon erfährt, ist er außer sich. Er will seinem Konflikt mit Michael N. ein Ende setzen.

Jugendliche schaufeln auf Spielplatz ein Grab

Felix will seinen Widersacher umbringen und schmiedet gemeinsam mit einem 17- und einem 18-jährigen Freund einen Tötungsplan. Sie verabreden sich für den Abend des Ostersonntags 2018. Auf einem Spielplatz in Westerkappeln heben sie ein Grab für Michael N. aus - 1,2 Meter lang und 80 Zentimeter breit. Darin wollen sie ihn nach seinem Tod vergraben. Ein makabres Detail, das die Polizei hinterher ermitteln wird.

Das Trio bewaffnet sich mit einem Baseballschläger, einem Teleskopschlagstock und einer halbautomatischen Pistole. Diese hat Felix heimlich aus dem Safe seines Vaters gestohlen, der als Jäger einige Schusswaffen zu Hause hat.

In der Nacht zum Ostermontag 2018 klopfen sie mit vorgehaltener Waffe an die Wohnungstür von Michael N., doch der öffnet nicht. In der Annahme, dass dieser unterwegs sei, wollen sie in seiner Wohnung auf ihn warten. Sie versuchen, sein Badezimmerfenster aufzuhebeln, um in die Wohnung zu gelangen. Ein Fehler.

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Kann sich das Opfer retten?

Denn was die jungen Männer nicht wissen: Michael N. ist zu Hause und schläft, doch er wird durch die lauten Geräusche der Einbrecher wach. Sofort alarmiert er die Polizei, die einen Streifenwagen schickt. Noch mit einem Polizeibeamten am Ohr, geht Michael N. ins Badezimmer und versucht, die Einbrecher zu vertreiben - wie genau, ist in den Ermittlungsakten und Gerichtsunterlagen festgehalten.

Michael N. schlägt das Fenster zu, wodurch die Hand von Felix eingeklemmt wird. Dieser zückt seine Waffe und schießt durch das Badezimmerfenster dreimal auf Michael N. Zwei Kugeln treffen ihn lebensgefährlich im Oberkörper und verfehlen nur knapp sein Herz, seine Haupt- sowie Lungenschlagader. Die Rettungskräfte sind schnell da. Der 22-Jährige wird direkt notoperiert und überlebt den Angriff knapp.

An einem Fenster mit Sprossen sind rote Pfeile angebracht, die auf die unteren Scheiben verweisen, welche Einschusslöcher haben.

Einschusslöcher als Beweise für die Tat

Doch das wissen Felix und seine beiden Komplizen zu dieser Zeit noch nicht. Sie gehen davon aus, Michael N. getötet zu haben und fliehen, als die Polizei kurz nach den Schüssen am Tatort eintrifft. Sie befürchten, dass die Tat auf sie zurückfällt. Denn die Patronenhülsen sind noch am Tatort und lassen sich eindeutig der Waffe von Felix' Vater zuordnen. Ihr eigentlicher Plan war gescheitert. Das Grab hatten die drei Jugendlichen umsonst geschaufelt.

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Das Ende einer Flucht

Nachdem Felix die Waffe unbemerkt zurück in den Safe seines Vaters legt, packt er Kleidung und etwas Geld. Dann flieht er gemeinsam mit einem seiner Komplizen in ein Hotel im nahegelegenen Osnabrück. Von dort aus wollen sie später nach Polen ausreisen. Der dritte Tatbeteiligte versteckt sich in seinem Elternhaus und steht per Handy-Chat im Kontakt mit seinen Kumpels.

Auf seiner Flucht erfährt Felix, dass Michael N. seinen Angriff überlebt hat. Daraufhin fordert er einen weiteren Freund auf, den Schwerverletzten im Krankenhaus zu töten, und so den geplanten Mord zu vollenden. Doch dazu kommt es nicht. Die Ermittler haben inzwischen Zugriff auf die Handydaten der geflüchteten Tatverdächtigen, finden sie in ihrem Versteck und verhaften sie.

Felix und seine beiden Mittäter werden Ende 2018 wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt - von vier Jahren, fünf Jahren sowie sechs Jahren und drei Monaten. Auch gegen weitere Freunde des Trios hat es zum Teil Ermittlungen gegeben, wegen des Verdachts der Mitwisserschaft. Diese Vorwürfe ließen sich aber nicht erhärten, hieß es vor Gericht.

Mehrere Personen sitzen in einem Gerichtssaal des Landgerichts Münster. Die Gesichter von drei Personen sind gepixelt.

Die Angeklagten beim Prozess vor dem Landgericht Münster

Das Gericht befand auch den Vater des Hauptangeklagten Felix für mitschuldig. In einem gesonderten Verfahren am Amtsgericht Tecklenburg wurde er wegen des fahrlässigen Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie der fahrlässigen Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 140 Tagessätzen verurteilt und musste einen mittleren fünfstelligen Betrag zahlen.

Unsere Quellen:

  • Landgericht Münster
  • Interview mit Henning Barton, Richter und Gerichtssprecher am Landgericht Münster

Dieser Beitrag liefert Informationen zum WDR MordOrte YouTube-Video "Jugendliche planen Mord in Westerkappeln" vom 30.06.2026, 17 Uhr.

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