Die Freude ist riesig. Nach 14 Jahren Bauzeit und insgesamt rund anderthalb Milliarden Euro Kosten ist die Kölner Oper wieder geöffnet. Nach einem stark besuchten Eröffnungsfest für die Kölner Stadtgesellschaft am vergangenen Wochenende steht nun am nächsten Sonntag die erste Premiere an, der "Rosenkavalier" von Richard Strauss.
Das Konzert überträgt der WDR im Hörfunk auf WDR 3 am 27. September ab 15:04 Uhr, 3sat sendet zeitversetzt im Fernsehen ab 20:15 Uhr. Doch wird die Oper Köln auch wieder ein Haus mit internationaler Bedeutung? Der Spielplan der ersten Saison löst bei Experten wenig Begeisterung aus.
Übernahmen aus anderen Opernhäusern
"Wieso muss ich heute in Köln, wo es überhaupt keinen Bezug zu dem Stück gibt, mit dem Rosenkavalier ein Opernhaus wieder eröffnen?" fragt Manuel Brug von der "Welt" im Gespräch mit dem WDR. Er vermisst beim Blick auf die weiteren Stücke neue Produktionen, die in Köln erstmals zu sehen sind:
"Der Spielplan ist zu großen Teilen aus Übernahmen aus anderen Häusern, sei es Essen, sei es Bregenz, sei es Venedig zusammengestellt. Es ist ein Spielplan, der die großen Kracher von Verdi, Wagner, Puccini, Strauss, Dvorak, Smetana bringt, lediglich einen kleinen Henze als modernes Feigenblatt. Da wäre doch viel mehr möglich gewesen, man hätte etwas riskieren können. Ich hoffe, das wird sich in den künftigen Spielzeiten ändern."
Konventioneller Spielplan
"Das Haus hat Tradition", sagt Wolfram Goertz, Musikredakteur der Rheinischen Post in Düsseldorf, dem WDR "aber zu dieser Tradition zählt auch, dass die Kölner Oper in den letzten Jahrzehnten im internationalen Ranking eher keine Rolle gespielt hat. Die Häuser in Deutschland, auf die man schaute, waren Frankfurt, Stuttgart, München auch nur in Maßen Berlin und Hamburg."
Auch Goertz findet den ersten Spielplan der neuen Saison ziemlich konventionell und verweist auf die vielen Inszenierungen, die schon woanders zu sehen waren. Da komme natürlich keine überregionale Kritik, um zu schauen, wie eine vor elf Jahren in Bregenz erstmals aufgeführte Produktion von "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach nun in Köln aussehe.
Aber Wolfram Goertz meint: "Es geht ja darum, was die Kölner Oper den Kölner Musikfreunden anbietet. Und da kann man schon sagen, das ist doch schon sehr ehrenwert. Ich wünsche der Kölner Oper als Düsseldorfer von reinem Herzen nur das Beste."
Topstars fehlen in NRW
Auch beim Blick auf die Besetzungsliste ist kein internationaler Topstar dabei. Da tauchen schon ein paar Gastsolisten auf, die schon mal in Bayreuth oder bedeutenderen Stadt- und Staatstheatern gesungen haben. Aber Namen wie Asmik Grigorian, Cecilia Bartoli oder andere Stars, die auch über den engen Kreis der Opernfans bekannt sind, haben sich in Köln nicht angekündigt. Das kann sich in NRW auch kaum noch ein Theater leisten, vielleicht noch ein Festival wie die Ruhrtriennale.
Probleme bei der Planung
Für Opernintendant Hein Mulders war es allerdings auch schwer, einen interessanten Spielplan zusammenzustellen. Weil die Eröffnung des sanierten Opernhauses immer wieder verschoben wurde, musste er ständig umdisponieren. Das Musiktheater hat lange Planungsvorläufe. Immerhin hat er eine ordentliche Spielzeit zusammengestellt, die zwar nach der allseits beachteten Eröffnung überregional wenig Wirkung haben wird, aber den Kölner Opernfans einiges bietet.
Manuel Brug von der "Welt" sagt zum sanierten Bau: "Es ist ein schönes Haus geworden. Es ist zwar nicht das allerschönste in Deutschland, aber man kann sich darin wohlfühlen, und das sollen die Kölner doch bitte tun." Und Wolfram Goertz ergänzt: "Das ist ein Haus, das gut klingt und das auch erwartbar in Zukunft gut klingen wird."
Unsere Quellen:
- Eigene Recherche von WDR-Reporter
- Programm Oper Köln
Sendung: WDR 3, Westart, 22.09.2026, 12:10 Uhr