Die Hoffnung in der freien Szene war groß. Denn eigentlich war alles längst klar: Aus dem Depot in Mülheim, in dem das Schauspiel viele Jahre interimsmäßig untergebracht war, sollte ein Zentrum für die freie Szene werden. Ein Ort, an dem freie Szene und Stadttheater zusammenkommen, mit dem besonderen Schwerpunkt Tanz.
Rückzug auf Raten
Doch dann hat sich die Stadt Stück für Stück aus dem Projekt zurückgezogen. Erst wollte sie das Depot gemeinsam mit dem Musicalproduzenten Apiro Entertainment nutzen, doch seit Kurzem steht fest: Ab der Spielzeit 2027/28 übernimmt die Firma das Depot komplett. Als Grund nennt die Stadt Köln die Kosten. Das versprochene Zentrum existiert also nur bis zum Sommer.
Immerhin, Apiro Entertainment gehört dem milliardenschweren Unternehmer Frank Blase, und der hat versprochen, die freie Szene künftig mit einer Million Euro im Jahr zu unterstützen. Außerdem soll sie weiter die Möglichkeit bekommen, den kleineren Saal im Depot als Spielort zu nutzen. In der freien Szene bekommt er dafür Lob. Doch die Kritik an der Stadt reißt nicht ab.
Zentrum dringend gesucht
Das Argument der freien Szene: Geld ersetzt keine Infrastruktur. Finanzielle Förderung kann zwar Produktionen ermöglichen, schildert der WDR-Reporter Peter Grabowski, aber sie schafft keinen Spielort, keine Proberäume und keine eigene Produktionsstruktur. Genau diese Leerstelle sollte das Zentrum schließen.
Kritik gibt es auch von Stefan Bachmann. Er hat das Schauspiel elf Jahre lang geleitet und ist heute Direktor des Wiener Burgtheaters. Er sagte im Kölner Stadt-Anzeiger, er sei schockiert von den Entwicklungen. Wie man in Köln mit den Menschen und der Kultur umgehe sei erschütternd. Seine Teilnahme an der Eröffnung des Schauspiels sagte er ab.
Unsere Quellen:
- Eigene Recherche von WDR-Reporter
- Interview mit Stefan Bachmann im Kölner Stadt-Anzeiger
Sendung: WDR 3, Mosaik, 22.09.2026, 07:10 Uhr