Mitten im Wald stehen Ruinen des Märchenwalds "Drießens Busch" in Dingden und der ehemalige Mühlenturm.

Lost Places in NRW Dornröschens Schloss-Ruine in Hamminkeln

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Ein schmaler Weg führt in den dichten Wald am Rand der Dingdener Heide in Hamminkeln am Niederrhein. Zwischen Buchen, Eichen und Farnen tauchen schließlich moosbewachsene Mauern und steinerne Fundamente auf. Sie gehören zu den letzten sichtbaren Spuren des Märchenwaldes von Dingden. Wo heute eine Ruine steht, befand sich einst eine Ritterburg mit Zugbrücke und Wassergraben.

"Mein Bruder hat sie nach einer Abbildung in einem Lexikon nachgebaut", erinnert sich Maria Rütten. Gemeinsam habe ihre Familie am Rhein Kieselsteine für das Bauwerk gesammelt. Rütten ist die Tochter von August Drießen, dem Gründer des Märchenwaldes.

Vom privaten Spielplatz zum beliebten Ausflugsziel

In den 1960er-Jahren kaufte der Unternehmer das Waldgelände zunächst als Spiel- und Erholungsort für seine Kinder. Auch Nachbarn und Freunde durften dort Geburtstage und Feste feiern. Als Dank brachten sie Märchenfiguren, Gartenzwerge oder Spielgeräte mit. Drießen sammelte die Geschenke und stellte sie im Wald auf. So entstand nach und nach der Märchenwald "Drießens Busch". Eine alte Eintrittskarte nennt einen Preis von 60 Pfennig, eine Jahreskarte kostete sechs D-Mark. Darin war sogar Ponyreiten enthalten.

Der Märchenwald wuchs zu einem beliebten Ausflugsziel heran. Neben der Ritterburg gab es unter anderem eine Schneewittchen-Grotte, den Brunnen des Froschkönigs, Karussells, einen Autoscooter und eine große Rutsche. An besonders gut besuchten Tagen kamen Hunderte, teilweise sogar mehrere Tausend Menschen. Autos und Reisebusse stauten sich auf den Zufahrtswegen.

Nach dem Tod des Gründers begann der Verfall

Der "Märchenwald" in Dingden: Alte Mauerreste auf einer Waldlichtung.

Heute erinnern nur noch alte Mauerreste an die Attraktionen im einstigen Märchenwald.

Bildquelle: Mathis Trapp / WDR

Mit dem Tod von August Drießen im Jahr 1972 endete auch die Blütezeit des Märchenwaldes. Seine älteren Kinder versuchten zunächst, die Anlage weiterzuführen. Doch immer wieder wurden Figuren gestohlen und Gebäude beschädigt. "Jedes Mal, wenn meine Schwestern herkamen, fehlte wieder irgendetwas", sagt Maria Rütten. Innerhalb von kaum zwei Jahren sei fast alles zerstört worden.

Was Menschen nicht mitgenommen haben, hat sich allmählich die Natur zurückgeholt. Der frühere Märchenrundweg ist heute von Sträuchern und jungen Bäumen überwuchert. Das Wasserrad am Bach dreht sich nicht mehr. An den Resten des gemauerten Froschkönig-Brunnens läuft man beinahe vorbei.

Kinder und Jugendliche nutzen die Ruinen bis heute als Abenteuerspielplatz. Besonders beliebt ist ein gemauerter Turm, der früher zu einer Windmühle gehörte. Deren Flügel sind längst verschwunden. Für viele Kinder ist das Bauwerk deshalb heute der Rapunzelturm.

Viele Menschen haben hier Erinnerungen gesammelt und so sagt ein Besucher des ehemaligen Märchenlandes: "Wenn der Wald Geschichten erzählen könnte, da würden sich sämtliche Dingdener, egal ob alt oder jung, hinsetzen und stundenlang zuhören."

Lost Places in NRW: Warum verfiel der Märchenwald Dingden?

Westart | WDR 24.08.2026 5 Min. 53 Sek. Verfügbar bis 24.08.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR Reporter Mathis Trapp

Sendung: WDR 3, Westart, 25.08.2026, 12:40 Uhr 

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