Von Taylor Swift bis Iron Maiden: Die elf Dortmunder Plattenläden bieten viel Stoff zum Stöbern
Bildquelle: WDR/Olaf TackDie Dichte an Plattenläden in Dortmund ist hoch: Elf Vinyl-Geschäfte gibt es hier im Umkreis weniger Kilometer. "Es liegen quasi jetzt zwischen Delicate Groove Records ganz im Osten und uns ganz im Westen keine zwei Kilometer Luftlinie", sagt Valentin Gube, Inhaber des Plattenladens Black Plastic. In anderen Städten wie Köln sei es "nicht so, dass man elf Läden wirklich fußläufig erreichen kann".
Aber: Wer hätte das gewusst?
Gemeinsam den Standort voranbringen
Eine Initiative um den Vinyl-Verkäufer Michael Lohrmann will die Vorzüge der Ruhrgebietsstadt für Plattenliebhaber deutschlandweit bekannter machen. Unter dem Namen „Vinylstadt Dortmund – Elf Läden, eine Stadt“ haben sie sich zusammengeschlossen - denn zusammen lassen sich Anzeigen in Musikmagazinen leichter schalten, Veranstaltungen professioneller organisieren, Auftritte in Social Media besser bespielen.
"Das ist ein Kräftebündeln, überhaupt keine Konkurrenz zueinander", sagt Vinylstadt-Initiator Lohrmann. "Eher von außen die Leute hierher ziehen, die dann direkt elf Läden auf einmal besuchen können."
Gemeinsame Schlagkraft und Kundschaft, die wie bei der Brautmoden-Meile in Duisburg-Marxloh aus ganz Europa anreist - in etwa solche Effekte wünscht er sich.
Lohrmann hat Erfahrung mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen. Vor einigen Jahren wurde er bekannt, als er als Vinylbus-Fahrer mit einem dieser gelben amerikanischen Schulbusse voller Platten von Kiel bis Freiburg fuhr und überall Vinyl verkaufte. Der Vinylbus ist inzwischen in Rente, dafür plant Lohrmann einen befristeten Pop-up-Plattenladen aus seinen rund 25.000 Scheiben.
Platten im Aufwind
Die Dortmunder können sich auf einen Trend stützen: Laut Bundesverband Musikindustrie stiegen die Plattenverkäufe im ersten Halbjahr 2026 um knapp zehn Prozent. Popstars wie Ariana Grande, Olivia Rodrigo oder Billie Eilish geben ihre Alben auf Vinyl heraus. Junge Menschen stellen sich Vinylalben wie Bilder ins Regal, selbst wenn sie keinen Plattenspieler haben.
Und auch Techno-DJs in Clubs legen immer häufiger Vinyl auf, sagt Valentin Gube, Inhaber des Black Plastic. "Und die brauchen natürlich auch genauso ihre Läden. Und es gibt halt niemanden, der das anbietet, im ganzen Ruhrgebiet nicht."
Träume von Vinyltourismus in Dortmund
Uli Tienes, seit 40 Jahren Betreiber des Ladens "Archiv" sieht bei BVB-Heimspielen Autos aus Münster, Bremen oder Osnabrück oder aus den Niederlanden in der Nähe seines Plattenladens parken.
Ein Mann mit seinen beiden Söhnen komme einmal im Monat aus der Schweiz angereist. "Und die kommen dann immer erstmal noch Platten kaufen. Und so denke ich mir: Wenn das dann noch mehr bekannt ist, wie viele Läden es hier gibt, dann wird das auch schon noch mehr Leute ziehen."
Auch junge Menschen kaufen wieder Vinyl
Bildquelle: WDR/Olaf TackDie Dortmunder Vinylhändler sehen also genug Potenzial. Uli Tienes hofft, dass er das mit seinen Kollegen von der "Vinylstadt Dortmund" gemeinsam besser heben kann.
Vielleicht sogar Menschen zum Vinyltourismus anzulocken: "Viele wahrscheinlich werden dadurch jetzt wieder neu dann in die Stadt kommen. Vielleicht machen sie wirklich dann mal so einen Kurzurlaub: Mal drei Tage hier dreimal in den Laden gehen."
Unsere Quellen:
- Eindrücke von WDR-Reporter Oliver Rustemeyer vor Ort
- WDR-Gespräch mit Initiator Michael Lohrmann
- WDR-Gespräch mit Plattenladen-Betreiber Uli Tienes
- WDR-Gespräch mit Plattenladen-Inhaber Valentin Gube
Sendung: WDR 3, Westart, 15.09.2026, 12:10 Uhr