Graffitibilder in Wegberg beschäftigen Kunsthistoriker
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergWDR. 3 Min. 21 Sek.. Verfügbar bis 15.09.2028.
Graffitis zu sprühen ist nicht überall erlaubt. Mit ein Grund, warum Street-Art-Künstler oft unerkannt bleiben wollen. Auch wenn sie richtige Kunstwerke hinterlassen und und private Hauswände bewusst meiden. Bekanntestes Beispiel ist ein Brite mit dem Pseudonym "Banksy", dessen Motive wie "Mädchen mit Ballon" weltberühmt sind.
Auch in Wegberg tauchen seit Jahren farbenfrohe und oft ironische Graffitis eines anonymen Künstlers auf. Unter dem Namen "434" hat er überall im Ort Spuren hinterlassen.
Der Kunsthistoriker Rainer Schnettler und die städtische Kulturmanagerin Alexandra Singer finden die Graffitis von „434“ sehenswert.
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergAnspielung auf Telefonvorwahl von Wegberg?
Farbenfroh, witzig und oft perfekt an ihre jeweilige Umgebung angepasst: Wie ein Affe, der sich an eine Regenrinne klammert oder ein Widder in Jeans und T-Shirt, der lässig an einer Wand lehnt. Doch wer die Graffitis dorthin gesprüht hat, weiß niemand. Einziger Hinweis ist die Signatur "434", die der unbekannte Künstler auf seinen Werken hinterlässt.
Möglicherweise eine Anlehnung an Wegbergs Telefonvorwahl 02434, vermutet Kunsthistoriker Rainer Schnettler. Als er vor einigen Jahren nach Wegberg gezogen ist, sprangen ihm die Motive von “434” direkt ins Auge: Die würden den öffentlichen Raum beleben, sagt er.
"Ich bin sicher, dass der künstlerisch schon was drauf hat!" Rainer Schnettler, Kunsthistoriker
Sachbeschädigung bleibt so etwas natürlich trotzdem - egal wie gut ein Graffiti sei, räumt der Kunstexperte ein. Immerhin scheint der unbekannte Street-Art-Künstler niemanden verärgern zu wollen. Private Hauswände scheinen ihm tabu zu sein, er verziert nur öffentliche Einrichtungen wie Toilettenhäuschen, Schaltkästen oder Trafostationen.
Stadt Wegberg als Ausstellungsraum
Vielleicht mit ein Grund, warum auch die Stadt Wegberg Interesse an dem unbekannten Künstler zeigt. Die Werke von "434" seien keinesfalls mit irgendwelchen Schmierereien zu vergleichen, die man sonst oft findet, sagt die städtische Kulturmanagerin Alexandra Singer.
Kunsthistoriker Rainer Schnettler organisiert Radtouren zu Werken des Street-Art-Künstlers „434“.
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergDarum unterstützt die Stadt Rainer Schnettler bei der Veranstaltung von besonderen Kunstführungen: Etwa sechs Kilometer lange Radtouren zu rund 15 Werken von "434". Eine etwas andere SightseeingTour, die sehr gut angenommen werde, erklärt die städtische Kulturmanagerin. Auf diese Weise werde ganz Wegberg zu einem einzigen Ausstellungsraum.
"Ich sehe es auf jeden Fall als Bereicherung für die Stadt!" Alexandra Singer, Kulturmanagerin
So sieht es auch der 72-jährige Rainer Schnettler, der früher als Kunstlehrer gearbeitet hat. Und sich auf die Spuren eines rätselhaften Phantoms wie "434" zu begeben, fänden viele Menschen spannend. Doch wie schafft es der unbekannte Sprayer eigentlich unerkannt zu bleiben? Eine Frage, die auch den Kunsthistoriker umtreibt. Vermutlich würde der Sprayer nachts oder in den frühen Morgenstunden arbeiten, wenn es noch dunkel ist.
Kunst auf Stromkasten
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergGraffiti-Kunst in Wegberg: Motive passend für jeweilige Stelle
Doch wie er die teilweise großflächigen Motive ohne viel Licht aufträgt, bleibt rätselhaft. Und auch, warum er das Ganze überhaupt macht. Auf jeden Fall sei "434" keiner, der einfach nur irgendwo seine Markierung hinterlassen wolle. Denn er würde sich von den jeweiligen Stellen, wo er seine Kunst anbringt, inspirieren lassen.
So wie bei dem Affen, der sich an einer Regenrinne hochhangelt und mit der anderen Hand auf mehrere Mülltonnen zeigt, die an dieser Stelle stehen. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass man seinen Müll trennen soll, überlegt Schnettler. Vielleicht wolle der unbekannte Künstler der Stadt gerne etwas hinzufügen.
"Und dann erfindet er was für diesen Ort, vielleicht ist es für diese Stadt." Rainer Schnettler, Kunsthistoriker
Ob sich '434' jemals zu erkennen gibt, weiß niemand in Wegberg. Aber schon jetzt steht fest: Der Unbekannte hat die Stadt verändert – und viele schauen heute anders auf ehemals graue Wände, Stromkästen und Regenrinnen.
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Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Rainer Schnettler, Kunsthistoriker
- WDR-Gespräch mit Alexandra Singer, Kulturmanagerin der Stadt Wegberg
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: wdr.de, Graffitibilder in Wegberg beschäftigen Kunsthistoriker, 15.09.2026, 12:10 Uhr
