Carolina Wilga liest in der Stadtbibliothek Castrop-Rauxel

Ihre erste öffentliche Lesung in Castrop-Rauxel wurde von rund 100 Menschen besucht.

Bildquelle: WDR/Jürgen Kleinschnitger

Carolina Wilga aus Castrop-Rauxel Outback-Überlebende schreibt Buch

Stand:

Carolina Wilga, geboren 1999 in Castrop-Rauxel, arbeitete nach ihrer Ausbildung mehrere Jahre als Zerspanungsmechanikerin, bevor es sie 2021 nach Indonesien zog. Ihr großer Traum: am Strand zu leben. 2023 verkaufte sie alles, packte ihren Rucksack und zog los. Die Reise führte bis nach Australien. Mit einem Arbeitsvisum jobbte sie in einer Mine, um Geld für eine Yogalehrerinnen-Ausbildung in Indien zu sparen. Von dem Geld kaufte sie sich auch den Van, mit dem sie vor einem Jahr im australischen Outback verunglückte.

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Sonja Gerhardt

WDR: Carolina, wie geht es dir heute, ein Jahr nach deiner Rettung aus dem australischen Outback?

Carolina Wilga: Ein Jahr danach geht es mir eigentlich sehr gut. Ich würde auch echt behaupten, dass es mir besser geht, als vor dem Unfall. In dem Jahr ist auf jeden Fall einiges passiert und es war eine Achterbahnfahrt.

WDR: Was du da in diesen zwölf Tagen allein im australischen Outback durchgemacht hast - wie gut hast du das tatsächlich schon verarbeitet?

Carolina Wilga: Das ist schwer zu sagen, weil die menschliche Psyche ist ja doch immer ein bisschen komplizierter, als es vielleicht erstmal scheint. Aber darüber zu reden, fällt mir eigentlich schon sehr leicht. Vor allem hat mir auch das Buch, das ich schreiben durfte, dabei unglaublich geholfen. Ich glaube, in keiner anderen Therapie wäre ich so detailliert zurück in die Erlebnisse gegangen.

WDR: Muss ich mir das so wie in einem Tagebuch vorstellen, dass du im Prinzip rückblickend alles nochmal durchlebt hast?

Carolina Wilga: Ich habe mich tatsächlich dazu entschieden, das Buch auf den Philippinen zu schreiben. Dort habe ich mir eine ganz schöne Umgebung geschaffen. Vorher wurde ich auch begleitet von einer Psychologin. Und natürlich standen mir die ganze Zeit meine Eltern und meine Familie und Freunde zur Seite, mit denen ich jederzeit über alles reden konnte.

[...] Und außerdem Sport, auch der war wichtig. Ich hab parallel Yoga gemacht und konnte surfen gehen. Das hat auch noch mal körperlich sehr viel hochgeholt. Dadurch würde ich doch behaupten, dass ich das, glaube ich, schon sehr gut loslassen konnte. Also, dass es nicht mehr so tief sitzt.

Hunger, Durst und Kälte waren ihre Feinde

WDR: Kommen wir zu deinem Buch "Dem Outback entkommen", heißt es. Was sind aus deiner persönlichen Sicht die stärksten Momente, die du da verankert hast?

Carolina Wilga: Das ist echt schwer zu sagen, aber ein paar Stellen, die sind für mich auf jeden Fall sehr prägend. Ich habe mich beispielsweise einmal an einer Blume vergiftet und dann ist mir mein Hals zugeschwollen und dann bin ich beinahe verdurstet. Und da gab es halt mehrere Stellen, wo ich wirklich dachte: Okay, das war es jetzt. Ich hatte kein Essen und man hat großen Hunger und der Körper wird immer schwächer und auch dünner. Und dazu kamen dann eiskalte Nächte.

Carolina Wilga überlebte Australiens wilde Natur

Carolina Wilga überlebte zwölf Tage ohne Wasser und Essen im australischen Outback. Ein Jahr später hat sie darüber ein Buch geschrieben und zum ersten Mal daraus vor Publikum gelesen - in Castrop-Rauxel.

Carolina Wilga liest in der Stadtbibliothek Castrop-Rauxel

Rund 100 Gäste sind zur ersten Lesung am 01.09.2026 in Castrop-Rauxel erschienen. Darunter Familie und viele Freunde. 

Carolina Wilga liest in der Stadtbibliothek Witten

Die Lesung hatte die Castroper Buchhandlung Leselust organisiert.

Carolina Wilga liest in der Stadtbibliothek Witten

Carolina Wilga hatte mehrfach Tränen in den Augen, als sie Szenen aus ihrem Buch vorgelesen hatte.

Bilder von ihrer Reise

Carolina in ihrem Van, mit dem sie Australien erkundete.

Bilder von ihrer Reise

Schon immer wollte Carolina am Strand leben. Das sei ihr großer Traum gewesen.

Bilder von ihrer Reise

Tagelang suchte die australische Polizei vergeblich nach Carolina. Die ganze Welt berichtete über ihr Verschwinden.

Bilder von ihrer Reise

Nach ihrer Rettung wurde Carolina in ein Krankenhaus geflogen.

Bilder von ihrer Reise

Um sich eine Yogalehrerausbildung zu finanzieren, jobbte sie erst in einer Mine. Die Ausbildung half ihr später beim Überleben im Outback.

Bilder von ihrer Reise

Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass sie während des Überlebenskampfes 12 Kilogramm abgenommen hatte.

Rund 100 Gäste sind zur ersten Lesung am 01.09.2026 in Castrop-Rauxel erschienen. Darunter Familie und viele Freunde. 

Die Lesung hatte die Castroper Buchhandlung Leselust organisiert.

Carolina Wilga hatte mehrfach Tränen in den Augen, als sie Szenen aus ihrem Buch vorgelesen hatte.

Carolina in ihrem Van, mit dem sie Australien erkundete.

Schon immer wollte Carolina am Strand leben. Das sei ihr großer Traum gewesen.

Tagelang suchte die australische Polizei vergeblich nach Carolina. Die ganze Welt berichtete über ihr Verschwinden.

Nach ihrer Rettung wurde Carolina in ein Krankenhaus geflogen.

Um sich eine Yogalehrerausbildung zu finanzieren, jobbte sie erst in einer Mine. Die Ausbildung half ihr später beim Überleben im Outback.

Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass sie während des Überlebenskampfes 12 Kilogramm abgenommen hatte.

Unbändiger Lebenswille und Atemübungen haben ihr geholfen

WDR: Und du hattest ja nur ein Kleid an und einen dünnen Schal und keine Schuhe. Stellst du dir auch noch die Frage: Wie konnte ich das überleben?

Carolina Wilga: Ich würde sagen, ich hatte einfach einen ganz, ganz starken Willen zu überleben. Und dass ich zurück zu meiner Familie wollte, war auch ein ganz großer Punkt, der mich getragen hat, vor allem die Liebe zu meiner Familie. Und dann hatte ich irgendwie so kleine Tools an der Hand, wie ich mich selbst beruhigen konnte. Vor allem mit Atemübungen, die ich durch eine Yogalehrerausbildung lernen durfte vorher.

Das war ein Riesenglück, denn wahrscheinlich bin ich daher auch zum größten Teil bei Verstand geblieben und konnte eben auch diese superkalten Nächte durchstehen. Man zittert halt so unfassbar, man gibt Laute von sich und durch das Atmen konnte ich meinen Körper beruhigen.

WDR: Hast du zu jeder Zeit daran geglaubt, dass du gerettet wirst?

Carolina Wilga: Es gab Punkte, wo ich die Hoffnung verloren hatte und wo ich aufgeben wollte. Ganz klar, weil man hat diesen ganzen Schmerz, seelisch und körperlich. Weil man nicht weiß, wie lange dauert es noch und wie schmerzhaft wird es noch und was kann mein Körper überhaupt noch aushalten. Aber in jeder Situation, auch wenn ich eigentlich aufgeben wollte, war da noch dieser Kampfgeist, der sich dann wieder an die Oberfläche gekämpft hat und der mir dann gesagt hat: Sei stark, wir wollen doch leben!

"Ich bin jetzt wirklich zurück in der Zivilisation, und ich werde jetzt nicht mehr sterben." Carolina Wilga

WDR: Dann kam nach zwölf Tagen dieser Moment, als du dann an dieser Straße angekommen warst und eine Autofahrerin kam. Wie erinnerst du dich daran?

Carolina Wilga: Ja, unglaublich. Ich bin an dieser Straße rumgeirrt und hatte schon überlegt: Oh nein, jetzt bald wird es wieder dunkel und kälter. Ich hatte schon geguckt, wo kann ich mich denn hinlegen, dass ich trotzdem wach werde, falls irgendwie ein Auto vorbeifährt. Und dann tatsächlich, habe ich etwas gehört und habe mich umgedreht. Das ist ein immer noch wirklich unbeschreiblicher Moment. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie doll man sich freuen kann. Und dann dauert das ein bisschen, bis es wirklich Klick macht, um zu verstehen: Ich bin jetzt wirklich zurück in der Zivilisation und ich werde jetzt nicht mehr sterben!

Wiedersehen mit der Familie: Geweint und gelacht

WDR: Der Moment des Wiedersehens mit deiner Familie: den stelle ich mir am schönsten und prägendsten vor. Wie hast du den in Erinnerung?

Carolina Wilga: Das stimmt, das war so besonders! Ich wurde mit dem Krankenrücktransport nach Castrop-Rauxel ins Krankenhaus gebracht. Und da habe ich dann zum ersten Mal meine Familie getroffen. Und der erste Moment, der war ganz, ganz vieles gleichzeitig. Wir haben viel geweint und uns natürlich umarmt. Aber dann saß ich im Krankenbett und vom Gefühl war es dann tatsächlich so, als ob ich gar nicht weg gewesen wäre. Und meine Familie hat mir nur den Vogel gezeigt und gesagt: Weißt du, was wir uns für Sorgen gemacht haben? Und dann haben wir zusammen gelacht, Humor musste auch sein. Wir haben dann auf jeden Fall sehr, sehr viel Zeit miteinander verbracht und ich habe ganz viel gegessen. (Lacht)

WDR: Wo und wie hast du dich in deinem Leben dadurch am stärksten verändert?

Carolina Wilga: Am meisten hat mich auf jeden Fall dieser Überlebenskampf an sich verändert. Ich möchte einfach nur sein: Das Wichtigste für mich im Leben ist, dass man einfach existiert und das Leben versucht zu genießen, so wie es ist. Es ist auf jeden Fall das Innere, das sich bei mir unfassbar verändert hat. Es hat mir jetzt im Nachhinein eine große Ruhe gegeben, das Leben einfach so hinzunehmen, wie es ist und es viel mehr wertzuschätzen.

Outback-Überlebende schreibt Buch über ihre Erlebnisse

WDR 02.09.2026 1 Min. 34 Sek. Verfügbar bis 02.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Gespräch WDR-Reporterin mit Carolina Wilga

Sendung: WDR.de, Outback-Überlebende schreibt Buch über ihre Erlebnisse, 02.09.2026, 14:31 Uhr

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