Tatverdächtiger im Fall Yosef aus Dormagen ermittelt | Video
39 Sek.. Verfügbar bis 06.02.2028.
Getöteter Yosef aus Dormagen: Verdächtiges Kind fühlte sich wohl gemobbt
Stand:
Im Fall des getöteten 14-jährigen Yosef aus Dormagen hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt. Dabei handelt es sich um ein zwölfjähriges Kind. Der Junge soll die Tat wohl geplant haben.
Der tatverdächtige 12-jährige Deutsche soll nicht im Affekt gehandelt, sondern die Tat offenbar geplant haben. Das wurde am Freitag aus Ermittlerkreisen bekannt. Hintergrund könnten Streitigkeiten zwischen den Kindern gewesen sein, der Zwölfjährige soll sich gemobbt gefühlt haben. Demnach gibt es zurzeit keine Hinweise darauf, dass die Tat rassistisch motiviert gewesen sei. Der getötete 14-Jährige stammte aus Eritrea.
Aus Ermittlerkreisen hieß es gegenüber dem WDR, dass man durch Auswertungen von Yosefs Handy auf den Minderjährigen aufmerksam geworden sei. Der Tatverdächtige sei jetzt in der Obhut des Jugendamtes, so die Polizei. Zwölfjährige sind laut Strafgesetzbuch schuldunfähig, erst ab einem Alter von 14 Jahren werden Jugendliche unter bestimmten Voraussetzungen für ihre Taten verantwortlich gemacht.
Polizei warnt vor falschen Verdächtigungen
Die Polizei aus dem Rhein-Kreis Neuss warnt in Bezug auf den Fall vor falschen Anschuldigungen in den Sozialen Medien. Dort werden gerade massenhaft Diskussionen zu möglichen Mittätern geführt und bestimmte Personen namentlich genannt und beschuldigt. Diese Spekulationen seien haltlos, es gebe aktuell keine Hinweise auf Mittäter, heißt es in einer Mitteilung der Polizei am Montag (09.02.2026).
Falsche Verdächtigungen und Verleumdungen sind auch im Internet Straftaten und werden von der Polizei verfolgt. Für die Verfasser kann es zu juristischen Folgen kommen, so die Polizei.
Dormagen nach Tod von Yosef "nachhaltig traumatisiert"
Der Tatverdächtige sei zuvor offenbar nicht polizeilich auffällig geworden, sagte Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) in einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz. Er zeigte sich bestürzt über die Tat: "Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Stadt durch den schlimmen Tod von Yosef nachhaltig traumatisiert sein wird. Dass ein Minderjähriger mutmaßlich diese Tat begangen hat, ist natürlich etwas, was uns umso betroffener macht, was uns das Blut in den Adern gefrieren lässt."
Psychologische Hilfe für Dormagener Schule
An der betroffenen Schule in Dormagen soll nun die psychologische Hilfe verstärkt werden. Der Schulgemeinschaft werde Betreuung und Beratung angeboten, teilte das NRW-Schulministerium mit. Ministerin Dorothee Feller (CDU) stehe mit der Schulleitung im Austausch. "Die betroffene Schule wird von einem Team von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen aus dem Regierungsbezirk und der Bezirksregierung Düsseldorf so lange wie nötig begleitet und unterstützt", sagte Feller.
Am Montag (09.02.2026) können die Schüler nach der bewegenden Trauerfeier vom Freitag (06.02.2026) zumindest etwas zur Ruhe kommen. Der Tag ist laut Bürgermeister Lierenfeld unterrichtsfrei, weil die Lehrerinnen und Lehrer auf einer Fortbildung sind. Das sei schon lange so geplant gewesen und habe mit dem Verbrechen nichts zu tun.
NRW-Innenminister für Debatte über frühere Strafmündigkeit
Herbert Reul
Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist schockiert: "Mein Hirn schafft es nicht, zu verstehen, dass 12-Jährige 14-Jährige umbringen." Ähnliche Fälle hätte es früher auch schon gegeben, man müsse auch darüber nachdenken, wie man solche Kinder oder Jugendliche auch sanktioniert.
Die Leiche des 14-jährigen Yosef wurde am 28. Januar an einem See in Dormagen-Hackenbroich gefunden. Bei der Obduktion des Jungen wurden Stich- und Schnittverletzungen festgestellt. Die Staatsanwaltschaft hatte in dieser Woche mitgeteilt, dass sie sicher von einem Tötungsdelikt ausgehe.
Trauerfeier für Yosef am Freitag
Der Fall aus Dormagen hatte für viel Anteilnahme gesorgt. Am Freitagmittag fand eine Trauerfeier auf dem Sportplatz des FC Delhoven statt - dem Fußballverein, bei dem Yosef trainierte.
Unsere Quellen:
- Polizei Rhein-Kreis Neuss
- Stadt Dormagen
- Dormagens Bürgermeister Lierenfeld
- Nachrichtenagentur dpa
- Strafgesetzbuch
- Polizei NRW: Lagebild Jugendkriminalität und -gefährdung
Hinweis der Redaktion vom 6. Februar 2026, 17.44 Uhr: Wir hatten zunächst geschrieben, dass der WDR aus Ermittlerkreisen erfahren habe, dass sich der mutmaßliche Täter gemobbt gefühlt habe. Diese Information liegt jedoch nur der dpa vor. Auf Nachfrage des WDR wollte sich die Polizei nicht zu einem möglichen Motiv äußern.
Sendung: WDR.de, Tatverdächtiger im Todesfall Yosef ermittelt, 06.02.2026, 11:30 Uhr