Grafik zu Tierseuchen

Drei Tierseuchen plagen NRW: "Tote Amsel ist kein Grund zur Panik"

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Vogelgrippe, Schweinepest und Blauzungenkrankheit - zurzeit hat NRW mit drei Tierseuchen gleichzeitig zu kämpfen. Was bedeutet das für das Land? Und welche Maßnahmen werden getroffen?

Von Catharina Coblenz, App-Reporterin im WDR NewsroomCatharina Coblenz

Die Vogelgrippe ist schon seit Oktober vergangenen Jahres sehr aktiv in NRW. Inzwischen hat sich die Lage hier aber etwas beruhigt. In diesem Jahr ist bislang ein Geflügelbetrieb in Kleve betroffen, außerdem gab es 56 Nachweise bei Wildvögeln - unter anderem in den Kreisen Kleve, Hamm, Krefeld und Duisburg.

Von der Schweinepest betroffen sind die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein. Hier sind in diesem Jahr zwölf Wildschweine positiv getestet worden. Außerdem wurde jetzt in der Nähe von Aachen ein Fall der Blauzungenkrankheit bestätigt. Um den betroffenen Hof herum wurde daher eine 150-Kilometer-Sperrzone eingerichtet, die viele Kreise in NRW umfasst.

Drei Tierseuchen mit weitgreifenden Konsequenzen

Elke Reinking ist Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). Sie erklärt, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass mehrere Tierseuchen gleichzeitig in einem Bundesland auftreten. "Das ist quasi eher die Regel", sagt sie. Es sei jedoch nicht die Regel, dass es drei so relevante und bekannte sind.

Es handele sich hier um drei Tierseuchen, die meistens weitgreifende Konsequenzen haben, stärker auftreten und letztendlich auch für die Tierhalter und die Wirtschaft eine große Bedeutung haben. Denn: Alle drei Tierseuchen seien anzeigepflichtig und könnten auch Handelsrestriktionen nach sich ziehen, erklärt Reinking.

Drei unterschiedliche Erreger

Das drei Tierseuchen gleichzeitig in NRW auftreten, mache die die Sache an sich jedoch nicht gefährlicher, sagt Reinking. Es seien drei komplett verschiedene Viren, die auch unterschiedlich übertragen werden.

Die Vogelgrippe wird durch Viren ausgelöst. Dabei gibt es zwei Varianten - die etwas harmlosere, aber auch eine stärkere Variante, die als Geflügelpest bezeichnet wird. Diese Variante ist hoch ansteckend, kranke Tiere bekommen Fieber, werden schwach, fressen kaum. Und oft verläuft diese Krankheit auch tödlich. Die Vogelgrippe ist in seltenen Fällen auch auf den Menschen übertragbar.

Die Afrikanische Schweinepest ist nicht zwischen Tier und Mensch übertragbar und gilt deswegen für Menschen als ungefährlich. Die Erreger sind aber sehr langlebig. Auch hier wird der Erreger nicht nur durch infizierte Tiere oder ihre Kadaver übertragen, sondern auch über Speiseabfälle und kontaminierte Gegenstände. Auch diese Krankheit verläuft oft tödlich.

Die Blauzungenkrankheit verläuft meist nicht tödlich. Sie wird durch kleine Stechmücken übertragen, also nicht von Tier zu Tier. Ebenso wie die Schweinepest wird sie nicht von Tier zu Mensch übertragen.

Eine Herausforderung für die Behörden

Elke Reinking vom FLI sagt, die Herausvorderungen bei drei Tierseuchen seien groß. Das Landwirtschaftsministerium habe in solchen Situationen richtig viel damit zu tun, die Maßnahmen umzusetzen.

"Also das ist eine ganze Menge Arbeit." Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts

Es müssen entsprechende Restriktionszonen eingerichtet werden, viele Proben genommen und untersucht werden und es müsse darauf geachtet werden, dass alles umgesetzt wird. Wenn eine solche Tierseuche auch in der Tierhaltung ausbricht, müsse unter Umständen auch noch der Grund für den Ausbruch untersucht werden.

Verschiedene Seuchen, verschieden Maßnahmen

Gerade bei der Vogelgrippe und der Schweinepest sei es wichtig zu verhindern, dass das Virus in die Nutztierbestände kommt, denn dann müssen alle Tiere gekeult werden. Das sei EU-rechtlich so vorgeschrieben, erklärt Reinking.

Vogelgrippe: Hygiene und Abschottung

Die Gänse von Geflügelbauer Gerhard Trapp in Wülfrath

Die Gänse von Geflügelbauer Gerhard Trapp in Wülfrath

WDR-Reporterin Susi Makarewicz war bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz dabei - hier hat der Landtag über das aktuelle Seuchengeschehen in Nordrhein-Westfalen gesprochen. Sie erklärt, welche Maßnahmen getroffen werden um die Tierseuchen zu bekämpfen und einzudämmen.

Bei der Vogelgrippe habe das Landwirtschaftsministerium darauf hingewiesen, wie wichtig die Rolle der Geflügelhalter sei, sagt Makarewicz. Sie könnten verhindern, dass das Virus auf ihre Bestände übergreift, zum Beispiel indem sie ihre Tiere oder die Futterstellen gut von Wildvögeln abschirmen und Hygienevorschriften beachten.

Schweinepest: Zäune und Suchhunde

Bei der Schweinepest setze man dagegen auf Zäune. Makarewicz sagt, das Land habe 28 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Schweinepest zu bekämpfen. Davon wurde zum Beispiel ein 186 Kilometer langer Zaun errichtet, der verhindern soll, dass Wildschweine das Virus weitertragen.

Wildschwein

Jäger sind angehalten, Wildschweine abzuschießen.

Eine weitere Maßnahme sei, dass die Jäger dazu angehalten werden, Wildschweine abzuschießen, um die Bestände zu verkleinern und dann auch zu untersuchen, sagt Makarewicz. Außerdem werde in den betroffenen Gebiete mit Drohnen und speziell ausgebildeten Hunden nach toten Wildschweinen gesucht. Tote Wildschweine seien schwer zu finden, erklärt auch Elke Reinking, weil sie sich normalerweise zurückziehen, wenn sie sterben.

Blauzungenkrankheit: Impfung

Bei der Blauzungenkrankheit werden auch Proben genommen und untersucht. Außerdem dürfen die Tiere dann zum Teil nicht transportiert werden, sagt Reinking. Hier könne jedoch auch schon vorbeugend eine wichtige Maßnahme getroffen werden: Bei der Blauzungenkrankheit besteht die Möglichkeit, die Tiere freiwillig impfen zu lassen.

Eine tote Amsel ist noch kein Grund zur Panik

Doch wie sollte man reagieren, wenn man beim Spaziergang beispielsweise einen toten Vogel findet? Sollte man das dann gleich bei den Behörden melden? Elke Reinking sagt:

"Wenn irgendwo eine tote Amsel liegt, dann müssen Sie nicht das Veterinäramt benachrichtigen." Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts

Aber wenn man beispielsweise an einem See spazieren ginge und einem auffiele, dass da mehrere tote Wildenten oder Schwäne liegen, sollte man die Behörden informieren. Denn dann müssten die Tiere entfernt und auch untersucht werden.

Aktuelle Stand der Schweine-und Geflügelpest

WDR 5 Westblick - aktuell 14.01.2026 05:32 Min. Verfügbar bis 14.01.2027 WDR 5


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Unsere Quellen:

  • Interview mit Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts
  • Interview mit WDR-Reporterin Susi Makarewicz
  • Website des Friedrich-Loeffler-Instituts
  • Website des Landesamts für Verbraucherschutz und Ernährung

Sendung: WDR 5, Westblick, 14.01.2026, 17:05 Uhr

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