Segelschule in Heimbach feiert Jubiläum
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergWDR. 03:20 Min.. Verfügbar bis 09.07.2028.
Es ist kurz nach halb zehn Uhr morgens und am Steg der Segelschule "RurseeZeit" in Heimbach ist schon eine Menge los: Rund ein Dutzend Segelschüler in grell-roten Rettungswesten macht sich startklar für eine Ausbildungsfahrt auf dem Rursee.
Die einen auf der Jolle, wie die kleinen Segelboote genannt werden, die anderen auf dem Motorboot. Wer mag, kann in den zehntägigen Kompaktkursen zum Sportbootführerschein Binnen beides gleichzeitig lernen. Von oben sieht die "RurseeZeit" so aus, wie eine Insel im Wasser: Mit Yachthafen, Bootsshop und angegliedertem Ausbildungszentrum.
Segeln lernen auf dem Rursee: Beim Steuern umdenken
Hier werden auch Jugendliche ab 14 Jahren unterrichtet. Doch diesmal sind nur Erwachsene da. Eine bunt gemischte Gruppe Männer und Frauen, alle zwischen Ende 30 und Anfang 80. Segellehrer Günter Becker beobachtet genau, was seine Schützlinge machen. Der 59-jährige ist schon seit 30 Jahren Segellehrer.
Mit Jollensegeln fängt alles an.
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergIhm entgeht nichts: "Du sitzt zu weit hinten! Wenn du dir die Pinne blockierst, kannst du nicht lenken", erklärt er einem Teilnehmer, der in einem der kleinen rot-weißen Segelboote sitzt. Mit "Pinne" ist ein Hebel aus Holz gemeint, der mit dem Ruderblatt verbunden ist. Damit steuert man das Boot. Manchen falle das anfangs richtig schwer, weiß Günter Becker. Und so einfach wie es scheint, ist das Segeln auf dem Rursee ohnehin nicht.
"Was den See hier schwierig macht, ist die Lage. Wir haben rundum Berge und dadurch keinen gleichmäßigen Wind." Günter Becker, Segellehrer
Anweisungen per Funk
Heute ist es ohnehin ungewöhnlich windig. Jetzt geht es mit den Booten jeweils zu zweit raus auf den Rursee. Der Lehrer bleibt am Steg, ist per Funk mit den Schulbooten verbunden. "Fahrt eine Wende", spricht der 59-jährige in sein Funkgerät. Was er damit meint: Die Boote sollen die Fahrtrichtung ändern, um den Wind anders nutzen zu können.
Das klappt auf Anhieb erstaunlich perfekt. Dabei sind alle hier Anfänger und erst zum dritten Mal auf dem Wasser. Bis vor ein paar Jahren war Günter Becker der Chef auf der "RurseeZeit". Inzwischen unterrichtet er nur noch, hat den Wassersport-Betrieb abgegeben.
Teilnehmer nicht nur aus der Region
Der neue Leiter heißt Mario Rothe und steht im Bootshop vor einem aufgeklappten Laptop. Hier werden auch Boote verliehen oder Segeltörns mit Skipper organisiert. Die zehntägigen Segelschulungen sind fast immer ausgebucht. Und die Teilnehmer nehmen zum Teil oft weite Wege auf sich, kommen aus Aachen, Köln oder Düsseldorf.
Mario Rothe und Günter Becker sind das Team der Segelschule "RurseeZeit"
Bildquelle: WDR/Anke BardenbergSogar aus München oder Ulm seien schon Leute da gewesen, erklärt er. Darunter zwei Brüder, deren Vater auch schon hier Segeln gelernt hat. "Wenn ihr das hier könnt, dann könnt ihr das überall", habe der seinen Söhnen gesagt, erinnert sich Mario Rothe.
Plötzlich kommt Hektik auf: Jolle kentert auf dem Rursee
Aber dass der Rursee seine Tücken hat, zeigt sich auch heute: Eine der Jollen ist gekentert. Blitzschnell springen Günter Becker und der dazu geeilte Mario Rothe in ein kleines Motorboot. Doch bevor sie das umgekippte Boot erreichen, haben die beiden Verunglückten das Segel schon aus eigener Kraft aus dem Wasser gezogen und die Jolle so wieder aufgerichtet.
Triefend nass, aber fröhlich lachend stehen sie einige Zeit später am Steg. Passiert ist ihnen nichts. So ein Missgeschick sei nichts Ungewöhnliches, sagt ihr Segellehrer: "Kentern gehört zum Segeln dazu. Wer nicht gekentert ist, ist nicht gesegelt."
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit dem Team der "RurseeZeit" vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 10.07.2026, 19:30