Hochwasserschutz

Einfach aber effektiv: Hochwasserschutz mit Holzplatten und ein paar Sandsäcken

Bildquelle: Josef Kaiser/WDR

Im Notfall reagieren Ein Schal, ein paar Sandsäcke - und jeder kann helfen

Stand:

Die Feuerwehr ist schnell. Oft sehr schnell. Aber wenn es doch mal etwas länger dauert, müssen andere einschreiten. Wie das funktioniert, wurde beim Aktionstag für Selbst- und Nachbarschaftshilfe in Euskirchen gezeigt.

Von Josef Kaiser

Die Vorführung kann beginnen: Wasser wurde gestaut, auf dem Boden davor stehen senkrecht zwei Holzplanken, die von ein paar Sandsäcken festgehalten werden - und daneben ein gespanntes Publikum. Dann zieht ein THWler den Sicherungsstift aus der Klappe, die das Wasser staut. Es ergießen sich mehrere hundert Liter Wasser auf dem Boden. Doch weit fließt es nicht, denn die Konstruktion hält das meiste Wasser auf.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer sind beeindruckt. "Ich dachte, für so was braucht man ein paar 100 Sandsäcke", sagt eine ältere Dame. Nein, braucht es nicht. "Die Konstruktion ist so aufgebaut, dass wenige Sandsäcke reichen", erklärt Markus Eichorn vom THW Euskirchen. "Denn bei Druck stabilisiert sich die Konstruktion von selbst."

Beim Feuerlöschen zählt Übung statt Theorie

Bei dem Aktionstag in Euskirchen geht es darum, Tricks und Tipps für den Notfall mitzugeben. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen - und zur Nachbarschaftshilfe. An einer weiteren Station geht es um die richtige Bedienung des Feuerlöschers. Viele haben einen zuhause, aber wirklich Erfahrung damit haben die meisten Besucherinnen und Besucher nicht. "Theoretisch weiß man das ja", sagt ein älterer Herr, "Aber wenn man ihn dann wirklich braucht, kommt man ins Nachdenken."

Umgang mit Feuerlöscher

An dieser Station ging es um die richtige Bedienung eines Feuerlöschers

Bildquelle: Josef Kaiser / WDR

Genau deshalb nutzen viele die Chance, einen Feuerlöscher heute endlich mal live auszuprobieren. Auch Landrat Markus Ramers (SPD), der sich vorher sicherheitshalber noch einmal kurz einweisen lässt. "Ich bin dem THW super dankbar, dass wir hier heute diesen Tag veranstalten, weil es für die Bevölkerung wichtig ist, sich zu informieren. Es gibt einfach so viele Dinge, die unbekannt sind."

Die ersten Helfer wohnen nebenan

"Wenn wir oder die Feuerwehr mal länger brauchen, sind die Nachbarn die ersten, die einem helfen können." Markus Wollschläger, THW Euskirchen

Genau das sei der zentrale Gedanke des Aktionstages, sagt Markus Wollschläger. Und gerade dann sei es wichtig, dass "man das Schwarmwissen sammelt und das zusammenbringt."

Beim Sicherungskasten wissen viele nicht weiter

Stromstation

An dieser Station gab es Tipps rund um die Stromversorgung

Bildquelle: Josef Kaiser / WDR

Eine weitere Wissenslücke ist bei vielen das Innenleben eines Sicherungskastens, weiß Leon Heinen, gelernter Elektriker und heute in Euskirchen an der Stromstation im Einsatz. Er erzählt, es gebe viele einfache Tipps, so dass man im Notfall als auch im Alltag nicht bei jeder Kleinigkeit die Profis rufen müsse.

Mit einem Schal mal eben 80 Kilo heben

Und noch eine andere Botschaft ist heute von zentraler Bedeutung: Schnelle Hilfe ist oft kein Hexenwerk. Das gilt auch an einer Station, bei der aus einem einfachen Schal ein Tragering wird, mit dem auch schwächere oder kleinere Personen zu zweit ohne Mühe eine 80 Kilogramm schwere Puppe tragen können.

Wichtig vor allem, um ältere oder gebehinderte Menschen schnell aus einer Gefahrenzone zu bringen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe", sagt eine etwas zierliche Frau, die kaum glauben kann, was sie da gerade geschafft hat.

Die Flut hat gezeigt, wie wichtig Selbsthilfe ist

Solche Aha-Effekte gibt es heute auf dem THW-Gelände in Euskirchen immer wieder. Und wer weiß, wozu dieses Wissen am Ende gut ist. Die Rettungsdienste sind statistisch gesehen zwar schnell, manchmal sehr schnell. Aber gerade in so Lagen, wie die Flut vor fünf Jahren, zeigt sich, dass das nicht immer so ist.

Und so entstand auch die Idee für den Aktionstag zur Selbst- und Nachbarschaftshilfe, bei dem die Malteser, das DRK und die DLRG mit unterstützt haben. Denn damals waren viele Menschen zum Teil tagelang auf sich alleine gestellt, weil die Retter nicht an die Einsatzstellen kamen.

Ein Schal, ein paar Sandsäcke - und jeder kann helfen

WDR 14.09.2026 42 Sek. Verfügbar bis 13.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • THW Euskirchen
  • Kreis Euskirchen
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Ein Schal, ein paar Sandsäcke - und jeder kann helfen, 14.09.2026, 13.03 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Euskirchen

1 / 2