Ehemalige Dorfbewohnerinnen erinnern sich an Wollseifen

Bildquelle: WDR/Anke Bardenberg

3 Min. 59 Sek. Verfügbar bis 02.09.2028

Verlassen, aber nicht vergessen Vor 80 Jahren wurde Wollseifen geräumt

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Vor 80 Jahren mussten die Einwohner von Wollseifen bei Schleiden ihr Dorf verlassen, denn es wurde Teil eines Truppenübungsplatzes.

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Anke Bardenberg

"Da vorne ist die Stelle, da haben wir gewohnt", sagt Christel Küpper. Die 91-Jährige läuft zielstrebig auf einen Platz zu, der in der Nähe der Kirche liegt. Ihr Gehwagen rumpelt über den unebenen Boden. Doch der Platz ist leer, von ihrem Elternhaus ist weit und breit nichts zu sehen.

Alles in Schutt und Asche gelegt

Früher gab es viele schöne Fachwerkhäuser in Wollseifen, in einem davon hat die 87-jährige Gisela Mey mit ihren Eltern gelebt. Sie steht neben Christel Küpper und blickt in die Richtung, wo es einmal gestanden hat. "Ich bin immer noch gerne hier", sagt sie. Auch wenn es Wollseifen streng genommen gar nicht mehr gibt.

So sah das verschwundene Dorf Wollseifen früher einmal aus.

So sah das verschwundene Dorf Wollseifen früher einmal aus.

Bildquelle: WDR/Traditions- und Förderverein Wollseifen e.V.

Denn das Eifeldorf auf der Dreiborner Höhe, nur einen Steinwurf von Vogelsang entfernt, war Zielscheibe von Panzerkanonen und schwerer Artillerie. Fast alle Gebäude wurden zerschossen und vollständig in Schutt und Asche gelegt. Nicht etwa im Zweiten Weltkrieg, sondern erst Jahre später. Obwohl es auch im Krieg viel Zerstörung im Ort gegeben habe, räumt Küpper ein. Kein Vergleich mit dem, was danach geschah.

Drei Wochen Zeit für die Räumung

Im Sommer 1946 war der Krieg ein Jahr vorbei. Die Bauern hatten die ersten Kartoffeln gepflanzt, das Korn wuchs wieder auf den Feldern. Etwa 550 Menschen lebten hier, darunter auffallend viele Kinder. Küpper war damals elf Jahre alt, Mey war sieben. Es herrschte Aufbruchstimmung im Ort. Bis zu jenem verhängnisvollen Sonntag im August: Der feierliche Gottesdienst war gerade vorbei, als die damalige britische Militärverwaltung in der Kirche den Räumungsbefehl verkündete.

"Alle waren aufgeregt, alle Leute - meine Eltern auch!" Gisela Mey
Gisela Mey und Christel Küpper haben als Kinder in Wollseifen gelebt.

Gisela Mey und Christel Küpper haben als Kinder in Wollseifen gelebt.

Bildquelle: WDR/Anke Bardenberg

Das Dorf sollte Teil des Truppenübungsplatzes Vogelsang werden. Bis zum 1. September, also nur knapp drei Wochen, hatten die Dorfbewohner Zeit, ihr Hab und Gut zu packen. Dabei wusste keiner wohin, sagt Mey.

Und auch Christel Küpper erinnert sich.

"Da hab ich gedacht - das kann doch nicht wahr sein! Jetzt ist der schlimme Krieg vorbei, und da wollen die hier Schießen üben?" Christel Küpper

Viele putzten noch einmal gründlich ihr Haus. Dass es ein Abschied für immer werden würde, wollte kaum jemand wahrhaben, erklärt Küpper. Ihre Familie sei im Nachbarort untergekommen, Mey und ihre Eltern zogen von einem Ort zum anderen. Wohnraum war knapp, manche mussten in Scheunen übernachten.

Attrappen statt Wohnhäuser

80 Jahre ist das jetzt her. Nach den britischen Streitkräften nutzten die Belgier den Truppenübungsplatz - "Camp Vogelsang" genannt. Später übten auch NATO-Truppen hier. Erst 2006 wurde das einstige militärische Sperrgebiet wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Die Kirche erinnert als eines der letzten Gebäude an das alte Wollseifen.

Die Kirche erinnert als eines der letzten Gebäude an das alte Wollseifen.

Bildquelle: WDR/Anke Bardenberg

Heute zeugen nur noch wenige Gebäude von der traurigen Vergangenheit Wollseifens, darunter die Kirche.

Die Attrappen-Häuser dienten militärischen Schießübungen.

Die Attrappen-Häuser dienten militärischen Schießübungen.

Bildquelle: WDR/Anke Bardenberg

Und etwa 20 Häuser, die gar keine sind: Attrappen - vom Militär gebaut, um hier den Häuserkampf zu trainieren.

Verein will Erinnerung bewahren

Ganz ohne Leben ist dieser verlassene Ort aber nicht: Ehemalige Dorfbewohner und ihre Angehörigen sorgen dafür, dass Wollseifen nicht in Vergessenheit gerät. Sie haben sich zum "Traditions- und Förderverein Wollseifen" zusammengeschlossen und engagieren sich ehrenamtlich hier, darunter auch Küpper und Mey.

In der wiederaufgebauten Schule hat ein Verein eine Ausstellung organisiert.

Wiederaufgebaute Schule mit Ausstellung.

Bildquelle: WDR/Anke Bardenberg

Der Verein hat die alte Dorfschule in Eigenleistung wieder aufgebaut und hier eine Dauerausstellung auf die Beine gestellt: mit alten Fotos, Erklärungen und Zeitzeugen-Berichten wird die wechselhafte Geschichte von Wollseifen erzählt. Das liegt inzwischen ganz friedlich mitten im Nationalpark Eifel: Ein Ort, den heute nur noch die Natur erobert!

Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Zeitzeuginnen
  • Traditions- und Förderverein Wollseifen

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 01.09.2026, 19:30 Uhr

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