65 Jahre Freilichtmuseum Kommern
03:21 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
Die Sonne blinzelt durch die Bäume und wirft tänzelnde Schatten auf die Hauswand eines großen Fachwerkhofs. Laut schnatternd watscheln ein paar Gänse vorüber. Aus einem winzigen schiefergedeckten Gebäude klopft und hämmert es im Takt. Drinnen steht der Museumsschmied vor einem brennenden Feuer. Mit kräftigen Schlägen bearbeitet er ein Stück glühendes Eisen.
Und auch nebenan, in der Backstube unter dem Schulhaus, wird der alte Tuffsteinofen mächtig eingeheizt. Bald darauf weht der Duft von frisch gebackenem Streuselkuchen über die Dächer der historischen Häuser. Im Freilichtmuseum Kommern reisen die Besucher durch 500 Jahre dörflichen Lebens im Rheinland.
Mit der Bockwindmühle fing in Kommern alles an
Das Museum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ist eines der größten seiner Art in Europa. Am 20. Juli 1961 wurde es nach dreijähriger Bauzeit feierlich eröffnet. Damals konnten zunächst elf historische Bauwerke besichtigt werden. Darunter die Bockwindmühle aus Spiel bei Titz im Kreis Düren - das erste historische Gebäude, das in das neue Museum einziehen durfte.
Die Bockwindmühle aus Spiel ist das erste im Freilichtmuseum wiedererrichtete Baudenkmal.
Und das Interesse an der Ausstellung unter freiem Himmel war groß: Schon im ersten Jahr strömten rund 60.000 Besucher auf den "Kahlenbusch". So heißt das hoch gelegene Gelände, auf dem das Museum errichtet wurde und das Besuchern einen steilen Aufstieg beschert.
Tauziehen um Standort des LVR-Freilichtmuseums
Warum das Museum ausgerechnet hier in der Eifel beheimatet ist, sei der Pfiffigkeit der Gemeinde Kommern zu verdanken, weiß Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig. Als der "Provinzialverband", wie der Landschaftsverband damals hieß, sein neues Museum plante, konnten sich Ortschaften im ganzen Rheinland als Standort bewerben. Favorit war zunächst Krefeld-Linn.
Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig vor "Helgas Büdchen" aus Bonn.
Doch die Gemeinde Kommern war so gewitzt, kurz vor Ende des Wettbewerbs noch ein paar entscheidende Dinge in die Waagschale zu werfen, schmunzelt Vorwig: Nämlich das Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen, eine Museums-Gastwirtschaft auf Kosten der Gemeindekasse zu bauen und eine Telefonleitung bis auf den Berg zu legen.
"Das hat damals den Ausschlag gegeben, dass der Zuschlag für Kommern kam." Dr. Carsten Vorwig, Museumsleiter
Wie ein Spaziergang durch alte Dörfer in NRW
Im Laufe der Zeit ist das Museum immer weiter gewachsen. Inzwischen stehen hier rund 80 historische Gebäude: Bauernhöfe, eine Schule, verschiedene Werkstätten, Wind- und Wassermühlen - und seit Kurzem sogar ein alter Bahnhof. Alle an ihren ursprünglichen Standorten fachgerecht abgetragen und im Museum wieder aufgebaut. Manche wurden sogar am Stück versetzt, so wie eine kleine Trafostation.
Auf dem weitläufigen Gelände schlendert man durch verschiedene Baugruppen, die wie richtige Dörfer aussehen und nach der jeweiligen Region benannt sind, aus der die Gebäude stammen: Bergisches Land, Eifel, Niederrhein, Westerwald.
Im Freilichtmuseum Kommern schlendert man durch Baugruppen, die wie richtige Dörfer aussehen.
Alle Museumsorte sehen anders aus. Und das ist kein Zufall, erklärt der Museumsleiter: "In den einzelnen Regionen haben sich unterschiedliche Baustile entwickelt, weil unterschiedliche Materialien zur Verfügung standen."
Geschichte im Freilichtmuseum zum Leben erweckt
Hin und wieder trifft man auch auf kostümierte Darsteller, die Geschichte zum Leben erwecken: von der Bäuerin, über die feine Dame bis zum Kriegsheimkehrer.
Ergänzt durch verschiedene Ausstellungen können die Besucher so hautnah erleben, wie die Menschen im Rheinland einst gelebt und gearbeitet haben. Und das begeistert offenbar viele: Bis zu 250.000 Besucher zählt das Freilichtmuseum pro Jahr.
"Ich glaube, das ist die Faszination, in die eigene Geschichte zurückzukehren." Dr. Carsten Vorwig, Museumsleiter
Noch viele Pläne für den Kahlenbusch in Kommern
Und auch in die jüngere Vergangenheit können Interessierte eintauchen: Auf dem "Marktplatz Rheinland" gibt es neben anderen Sehenswürdigkeiten eine originale Milchbar aus den 1950er Jahren, ein Fertighaus aus dem Versandkatalog, eine typisch rheinländische Gaststätte und einen Bahnhof von der Ahr - vermutlich nicht der letzte Neuzugang hier.
Denn Museumsleiter Vorwig hat noch manche Pläne. Ein Tante-Emma-Laden, eine Kfz-Werkstatt oder eine Landarztpraxis zum Beispiel. Zum Glück ist auch nach 65 Jahren noch etwas Platz auf dem Kahlenbusch in Kommern.
Unsere Quellen:
- Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, 65 Jahre Freilichtmuseum Kommern, 09.07.2026, 5:02 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 09.07.2026
