Mordprozess gegen Pfleger in Würselen
Bildquelle: WDR/Thomas WenkertAktuelle Stunde . 05.11.2025. 24:15 Min.. UT. Verfügbar bis 05.11.2027. WDR. Von Susanna Zdrzalek.
Mord an zehn Patienten: Lebenslange Haft für ehemaligen Krankenpfleger
Stand:
Das Landgericht Aachen hat einen ehemaligen Pfleger des Rhein-Maas-Klinikums Würselen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Für das Gericht steht fest, dass der heute 44-Jährige für zehn Morde und 27 versuchte Morde verantwortlich ist.
Das Gericht hat außerdem die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das bedeutet: Eine Freilassung nach 15 Jahren wird es nicht geben. Und es sprach sich für ein lebenslanges Berufsverbot als Krankenpfleger aus. Damit folgte das Gericht in weiten Teilen den Forderungen der Staatsanwaltschaft.
Schmerz- und Narkosemittel verabreicht
Vier Stunden hatte Staatsanwalt Marius Saalmann in der vergangenen Woche plädiert. Der Angeklagte, führte er aus, leide unter einer Persönlichkeitsstörung und unter narzisstischen Zügen. Er habe in einem Beruf gearbeitet, in dem er nie habe arbeiten wollen. Er konnte den Zustand der Patienten auf der Palliativstation nicht ertragen. Deshalb habe er ihnen Überdosen von Schmerz- und Narkosemittel verabreicht.
Der Angeklagte habe gewusst, so der Staatsanwalt, dass die Patienten an den Überdosen sterben könnten. Er habe kein Mitleid für die Patienten empfunden, die trotz ihrer schweren Erkrankungen noch Ziele im Leben gehabt hätten. Nach Meinung der Anklage soll der ehemalige Pfleger für 13 Morde und 24 Mordversuche verantwortlich sein. "So ein Mensch dürfe nie mehr im Gesundheitswesen arbeiten", erklärte der Staatsanwalt.
Verteidigung zeichnet ein anderes Bild
Die Verteidigung betonte in ihrem Plädoyer dagegen, dass ihr Mandant niemals die Absicht gehabt habe, Patienten zu töten. Sie zweifelt auch daran, dass Patienten wirklich an verabreichten Überdosen gestorben seien. Schließlich hätten alle Patienten schwere Herz- oder Krebserkrankungen gehabt. "Daher könne man letztlich nicht sagen, ob diese Menschen an den Spritzen oder an ihren schweren Krankheiten gestorben seien", erklärte die Verteidigerin des ehemaligen Pflegers. Deshalb fordert sie einen Freispruch für ihren Mandanten.
Angeklagte beteuert seine Unschuld
Auch der Angeklagte selbst erklärte in seinem letzten Wort, dass er niemanden habe schaden wollen. Er habe geglaubt, den Patienten etwas Gutes zu tun. "Die Patienten sollten schlafen, denn Schlafen sei schließlich die beste Medizin", so der 44-Jährige. Er habe nie gedacht, dass das verabreichte Narkosemittel so gefährlich für die stark geschwächten Patienten sei. Egal wie das heutige Verfahren zu Ende geht, dem Angeklagten droht ein weiterer Prozess. Die Ermittlungen sind auch während des Prozesses weitergeführt worden. Eine ganze Reihe von Todesfällen, so die Staatsanwaltschaft, würden derzeit untersucht.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft
- Verteidiger
- Reporter vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 5. November 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit Aachen, 19.30 Uhr.