Festnahme im Fall des möglichen Skeletts von d'Artagnan
WDR. 00:50 Min.. Verfügbar bis 21.05.2028.
Mittlerweile hat die Polizei Wim Dijkman wieder freigelassen. Sie hatte den ehemaligen Stadtarchäologen zunächst am Mittwoch Nachmittag festgenommen, weil er sich geweigert hatte, Knochenreste des mutmaßlichen Musketiers d´Artagnan den Behörden zu übergeben.
Zwei Zähne und ein Stück des Oberarmknochens hatte er, im Anschluss an eine DNA-Analyse, privat verwahrt und zurückgehalten. Dies habe er getan, so heißt es aus dem Umfeld des Archäologen, weil er der Gemeinde Maastricht nicht bei der Aufklärung der Echtheit der Knochen vertraue.
Waren bisherige Untersuchungen rechtmäßig?
St. Peter und Paul Kirche im Westen von Maastricht - hier wurde das Skelett gefunden
Nachdem Wim Dijkman Mittwoch Nacht die archäologischen Funde doch der Polizei ausgehändigt hatte, durfte er nach Hause gehen. Trotzdem laufen die Ermittlungen weiter. Unter anderem ist strittig, ob für die Grabungen Anfang März in einer Kirche im Westen Maastrichts die nötigen Genehmigungen vorgelegen haben. Der ehemalige Stadtarchäologe Wim Dijkman betrachtet sich als Leiter der Untersuchung.
Die Gemeinde Maastricht vertritt jedoch eine andere Auffassung und hat seit Mitte März ein eigenes archäologisches Team mit den Ausgrabungen beauftragt. Die niederländischen Behörden untersuchen nun, ob die anfänglichen archäologischen Untersuchungen rechtmäßig waren.
Laut der Gemeinde Maastrichts seien bei den Grabungen unter der Initiative des ehemaligen Stadtarchäologen wichtige Standards nicht eingehalten worden. Außerdem sei es nicht erlaubt gewesen, Knochenreste nach Deutschland zu überführen. An der Universität München hatte er DNA-Analysen in Auftrag gegeben. Diese sind bislang aber ohne Ergebnis.
Archäologe begründet sein Verhalten
Wim Hillenaar, der Maastrichter Bürgermeister (links im Bild), überreicht die königliche Medaille an den damaligen Stadt-Ärchäologen
Wim Dijkman forscht seit Jahrzehnten über d´Artagnan. Für seine Arbeit war er Ende April vom Maastrichter Bürgermeister mit der königlichen Medaille ausgezeichnet worden. Auch gegenüber dem WDR räumte er ein, dass sein Vorgehen rund um die aktuellen Ausgrabungen ungewöhnlich sei. Er habe aber aus historischem Bewußtsein heraus gehandelt. Die Behörden arbeiteten, seiner Meinung nach zu langsam.
Dijkman bedauert, dass es nun rund um die Aufklärung rund um die Identität d´Artagnans zu einer Fehde zwischen Bürokraten und Wissenschaftlern gekommen sei. Der Hamburger Thomas Samek ist d´Artagnan-Experte und Vertrauter von Wim Dijkman. Er reagierte geschockt auf die Nachricht der Verhaftung des Archäologen: "Hoffentlich klärt sich das alles bald auf und es wird bald und endlich Recht gesprochen."
"Eigentlich sollte doch auch jetzt bei der Aufklärung gelten: Einer für alle, Alle für Einen!" Thomas Samek, D'Artagnan-Experte
DNA-Analyse könnte im Juni Ergebnisse liefern
Im März waren in einer Kirche im Westen Maastrichts die mutmaßlichen Gebeine des französischen Musketiers d´Artagnan gefunden worden. Dieser starb 1673 bei der Schlacht um Maastricht.
Die mutmaßlichen Überreste d´Artagnans sind derzeit in Deventer. Die niederländischen Behörden rechnen Mitte Juni mit ersten Ergebnissen der dortigen DNA-Analyse. Vielleicht ist dann schon klar, ob in der Kirche in Maastricht tatsächlich mehr als 350 Jahre lang die Überreste d´Artagnans gelegen haben.
Unsere Quellen:
- Gemeinde Maastricht
- Thomas Samek, D'Artagnan-Experte
- Staatsanwaltschaft Maastricht
- Polizei Maastricht
- Kirchenvorstand Maastricht-West
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 21.5.2026, 19:30 Uhr
