Gefahr in Rhein und Ruhr: Der Tod im Fluss ist männlich
Aktuelle Stunde . 24.06.2026. 12:23 Min.. UT. Verfügbar bis 24.06.2028. WDR. Von Sascha Schwarz.
Der Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen
Besonders tragisch waren die Badeunfälle im Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen. Dort kam zunächst ein 16-Jähriger ums Leben, nachdem er beim Schwimmen in Not geraten war. Nur einen Tag später gab es ganz in der Nähe einen weiteren Badeunfall zweier Brüder. Ein 14-Jähriger starb später im Krankenhaus, sein 19 Jahre alter Bruder wenige Tage später.
Auch in Herne sprang ein 20-Jähriger nach einer Joggingrunde zur Abkühlung in den Rhein-Herne-Kanal. Trotz einer groß angelegten Suchaktion mit Tauchern und Drohne konnte der junge Mann nur noch tot geborgen werden.
Weitere tödliche Badeunfälle in NRW 2026
In Essen ertrank zudem ein 14-Jähriger in der Ruhr. Am Zülpicher See im Kreis Euskirchen wurde außerdem ein 85-jähriger Mann tot aus dem Wasser geborgen. Und es gab noch weitere tödliche Unfälle - unter anderem in Essen, Höxter, Herne, Paderborn, Sassenberg und Kleve.
Aktuelle Zahlen des DLRG zu Badetoten in deutschen Flüssen zeigen: Die Opfer sind meist männlich. Außerdem steigt die Zahl junger Menschen, die beim Baden tödlich verunglücken.
"Männer haben eine höhere Risikobereitschaft"
Felix Rebitschek
Felix Rebitschek ist wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des Harding-Zentrums für Risikokompetenz an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg. Er sagt: "Männer haben eine höhere Risikobereitschaft in bestimmten Domänen". Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Risikokompetenz.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass vor allem Männer bei Badeunfällen ums Leben kommen – woran liegt das?
Felix Rebitschek: Es ist ein bisschen von allem, würde ich sagen: Männer und Frauen denken in verschiedenen Situationen ein bisschen weniger und ein bisschen mehr nach. Und ja, Männer haben eine höhere Risikobereitschaft in bestimmten Domänen, vor allem in körperlichen Domänen. Das ist schon so. Aber es gibt tatsächlich eine Menge anderer möglicher Erklärungen, sodass es keiner Studie gelingen wird, eine vollständige Antwort zu geben. Es sind sehr viele Faktoren, zum Beispiel: Wie schwimmen Männer und Frauen?
Springen Sie gleich häufig in Flüsse oder in nicht-überwachte Badeseen?
Rebitschek: Während man nicht weiß, wie Männer und Frauen überall in Deutschland schwimmen, weiß man zumindest, dass Männer eher an Wildbadestellen als Frauen anzutreffen sind und eher unbeobachtete, nicht-überwachte Gewässer nutzen. Und das spielt natürlich eine große Rolle, weil man dann eben zum Beispiel auf Notfälle weniger reagieren kann.
Welche Gründe gibt es noch, dass Männer häufiger bei Badeunfällen verunglücken als Frauen?
Rebitschek: Wenn wir davon ausgehen, dass tatsächlich Männer und Frauen gleich häufig baden, was wir nicht wissen, aber nehmen wir es mal an, dann wissen wir auch, dass eben Männer eher weniger vorbereitet ins Wasser springen, eher alkoholisiert ins Wasser springen. Das ergibt sich aus qualitativen Daten, Rückmeldungen von Rettungsorganisationen und Fallberichten.
Aber am Ende ist ja alles, was Sie beschreiben, Kompetenz für Risikoeinschätzung, oder? Da müssen wir ran.
Rebitschek: Das ist nicht nur die Einschätzung des Risikos. Risikokompetenz bedeutet vor allem auch, tatsächlich die möglichen Konsequenzen der Handlungen abschätzen zu können. Das ist ein ganz wichtiger Unterschied - der Begriff wird manchmal ein bisschen falsch verstanden. Man denkt: "Okay, ich muss also die Gefahr per se besser einschätzen." Aber das meint natürlich auch, dass ich abschätzen kann, was für Konsequenzen es hätte, wenn ich bestimmte Verhaltensweisen ausüben würde. Das kann zum Beispiel ein sicheres Verhalten sein: Was für einen Unterschied würde es machen, wenn ich jetzt an der einen oder anderen Badestelle baden gehe? Aber auch: Was für einen Unterschied würde es machen, wenn ich mit und ohne 2,0 Promille baden gehe?
Das Interview führte Andreas Bursche für das WDR-Morgenecho. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet und gekürzt, ohne den Inhalt zu verändern.
Unsere Quellen:
- Interview mit Felix G. Rebitschek
- Eigene Berichterstattung
- DLRG
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 25.06.2026, 6:44 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 24.06.2026, 18:45 Uhr